Heinrich Schwarz packt seine Schätze aus
Archäologische Fundgrube

Der feuervergoldete Fisch zählt zu den Besonderheiten im Fundus von Heinrich Schwarz. Er diente vermutlich als Toilettenbesteck. Uneinig sind sich die Wissenschaftler über sein Alter. Bild: hfz
 
Diese Spitze zählt zu den jüngsten Funden von Heinrich Schwarz.

Die Augen von Heinrich Schwarz leuchten, wenn er seine Schatztruhen öffnet. Die Fundstücke sind alt, jahrtausendealt. Er kennt sie alle und ihre Zeit auch. Nur ein Fisch schwimmt aus der Reihe. Sein Alter ist schwer zu schätzen.

-Altfalter. Der Fund zählt zu den Juwelen in der Sammlung des 63-Jährigen aus Altfalter. Er goutiert ihn mit den Worten: "ein tolles Stück". Dieses gibt selbst Experten Rätsel auf. Der Fisch aus Metall ist fünf Zentimeter lang und feuervergoldet. Er diente vermutlich einem Bessergestellten als Toilettenbesteck. Im Inneren des aufklappbaren Gegenstandes befinden sich ein Stichel und ein Löffel, "zum Ohren putzen oder Nagel säubern", vermutet Schwarz. Die Krux: Der Fisch ist ein Einzelfund. "Es lag nichts anderes dabei und bisher gibt es keine vergleichbaren Stücke, so dass eine Zuordnung schwierig ist", erklärt Schwarz in seinem Gartenhaus vor einem Teil seiner Schätze sitzend. Die Funde auf dem Tisch sind fein säuberlich verpackt und beschriftet. Nicht alles, was er in den vergangenen 31 Jahren aufgelesen hat, bewahrt er zu Hause auf. Im Dokuzentrum "Slawische Siedlung" in Weiding sind Schwarz' Funde zu sehen, auch und im Schwarzenfelder Rathaus.

Jahrtausende besiedelt


Inzwischen pensioniert, geht der gelernte Elektriker seit 1985 über die Felder, sammelt Zeugen der Vor- und Frühgeschichte, unter anderem aus der Stein-, der Bronze- und Latenezeit, von Steinzeitmenschen, Kelten Germanen und Slawen. Für ihn steht fest: "Die Gegend um Altfalter war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Nein", schränkt er ein, "es waren Leute da. Sie waren noch nicht sesshaft. Besiedelt ist also nicht ganz richtig." Sogar auf seinem Anwesen - "das ist eine der ältesten Hofstellen Altfalters" - und in unmittelbarer Nachbarschaft barg er archäologische Funde.

Feldforscher


Obwohl er sich mit den Jahren ein beträchtliches Fachwissen angeeignet hat, hört er das Wort Hobbyarchäologe nicht so gern. Schon in der Schule zählte Geschichte zu seinen Lieblingsfächern. Fasziniert war er als Bub von der Steinzeit. Als geschichtlich Interessierter betreibe er jetzt Feld- und Heimatforschung. Auf der Suche nach Spuren der Vergangenheit kam ihm zupass, dass er gerne in der Natur ist. "Ich brauche den Wind um die Nase." Passt dann noch das Wetter - den Winter über brachliegend Felder, auf die es kürzlich geregnet hat -, sind Pfeilspitzen, Scherben, Spinnwirtel oder Webgewichte vor dem geschulten Blick von Heinrich Schwarz nicht mehr sicher.

Er zieht eine Spinnwirtel aus einer der unzähligen Schächtelchen. "Die hat vor ein paar Jahren eine Bäuerin auf dem Kartoffelvollernter gefunden." Auf Watte gebettet hat Schwarz "das Feinste vom Feinsten". Scherben mit schönen Mustern, ein Blattstempel zum Beispiel aus der Keltenzeit. "Die Kelten hatten unheimlich schöne Sachen", schwärmt Schwarz. Aber auch Kreisaugenperlen sind "was Schönes", ebenso der Armreif aus der Hallstattzeit oder Pfeilspitzen. Aber: "Du freust dich auch, wenn du ein Webgewicht findest". Schwarz geht immer wieder seine Fundplätze ab.

In Dietstätt etwa findet er aus sämtlichen Zeitepochen etwas. So kam auch die Slawensiedlung ans Licht. "Ich habe Lesefunde gehabt." Die weiteren Entdeckungen dort sind so etwas wie sein Kind, für dessen Entwicklung er sich auch verantwortlich fühlt. 1990 gab es eine Schürfung vom Landesamt für Denkmalpflege. Erst 2002 riefen dann Professor Dr. Erik Szameit (Universität Wien) und Privatdozent Dr. Hans Losert ein Projekt zur Slawenforschung ins Leben. Heuer erst wurde wieder ein Gehöft entdeckt. Schwarz treibt die Sorge um, dass dieses Kind sterben könnte, des Geldes wegen, denn die Universitäten haben keines und die kleine Gemeinde Schwarzach auch nicht viel, um diese Grabungskampagnen zu finanzieren. Das lässt ihn nicht ruhen, weshalb er sich ganz persönlich über Sponsoren freuen würde. Zwischen Szameit, Losert und Schwarz hat sich nämlich in all den Jahren ein sehr gutes, fast freundschaftliches Verhältnis entwickelt. "Hier haben wir schon Grabungsfeste gefeiert." Schwarz lässt seinen Blick durchs Gartenhaus schweifen und seinem Gesichtsausdruck nach, müssen sie sehr schön gewesen sein.

Die Kelten hatten unheimlich schöne Sachen.Heinrich Schwarz
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