Heitere und skurrile Verse von Joachim Ringelnatz im Literaturcafé
Spruchakrobat und Maler zugleich

Die Mitwirkenden der Theatergruppe "MimOldies" des Maria-Seltmann-Hauses präsentieren im "Literaturcafé" auf der Bühne "Sinniges und Unsinniges" von Dichterlegende Joachim Ringelnatz. Bild: Dobmeier

Auch die größten Vegetarier beißen nicht gerne ins Gras. Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt. Der Nachruf ist oft besser als der Ruf. "Sinniges und Unsinniges": Unter diesem Motto widmet sich das Literaturcafé im Maria-Seltmann-Haus Joachim Ringelnatz.

(rdo) Vor vollem Saal kam die oft als komischer Kauz verkannte Künstlerpersönlichkeit zu Ehren. Die Theatergruppe "MimOldies" bereitete literarische Texte des Künstlers mit Doppelbegabung - Sprachakrobat und Maler - auf und präsentierte sie den Gästen.

Auf Schiff angeheuert


Moderator Winfried Bühner skizzierte die Vita von Hans Bötticher, so sein bürgerlicher Name, die 1883 in Leipzig begann. Die Schulzeit blieb in unangenehmer Erinnerung. Der aufmüpfige Bub litt unter den Strafen der Lehrer, die er als autoritäre Dunkelpersonen bezeichnete. Das königlich-sächsische Gymnasium endete für ihn vorzeitig. Die Strafversetzung in die Erziehungsanstalt folgte.

Danach heuerte Ringelnatz als Schiffsjunge und Seemann an. Doch das Abenteuerleben war überschattet von miserablen Arbeitsbedingungen. Während einer Kaufmannslehre in Hamburg fing er an, die Ereignisse im "Schiffsjungen-Tagebuch" zu veröffentlichen. Der Durchbruch als Schriftsteller begann in der Berliner Kleinkunstbühne "Schall und Rauch". Als Zusatzverdienst diente das Malen, was ihm erst nach dem Tod zu Ruhm reichte. Ringelnatz starb am 1934 in einer Berliner Wohnung an einer Lungenkrankheit.

Die Theatergruppe präsentierte zahlreiche Gedichte, Kinder- und Tiergeschichten in Versen mit seinen Karikaturen und begeisterte damit die vielen Zuhörer. Es lasen Gerti Dorner, Renate Grasser, Waltraut Haimerl, Ralf Kirchgessner, Winfried Kranz, Else Kraus, Erni Liebwein, Dietmar Titz, Waltraud Voit und Jutta Wohlfrath. Eine Kostprobe: "Ein männlicher Briefmark erlebte was Schönes, bevor er klebte. Er war von einer Prinzessin beleckt. Da war die Liebe in ihm erweckt. Er wollte sie wiederküssen, da hat er verreisen müssen. So liebte er sie vergebens. Das ist die Tragik des Lebens!" Die musikalische Umrahmung übernahmen der Singkreis und das Instrumentaltrio Elfi Bühner (Geige), Rainer Völkl (Klarinette) und Gerhard Arnold (Cello). Besonders die selbstverfassten gesanglichen Einlagen gereichten Ringelnatz zu aller Ehre.

Die vielen Gäste lauschten zwei Stunden gespannt den wortgewandten Ausführungen und dankten für den kurzweiligen Nachmittag mit großem Applaus.
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