Henny Brenner (92)hat das Zeichen ihrer Unterdrückung bis heute aufbewahrt
Judenstern im Safe

Eine Stecknadel hätte man fallen hören, als Henny Brenner (92) zu Gast beim Tutorenworkshop war. Behutsame und einfühlsame Fragen stellte Harald Rippl. Bild: sbü

Wenn Zeitzeugen über Unterdrückung und Verbrechensregime berichten, bekommt die Vergangenheit ein Gesicht und verliert das Abstrakte. Für Henny Brenner gilt dies in ganz besonderer Weise.

(sbü) Im Tutorenworkshop zum Geschichtswettbewerb "Gott und die Welt - "Religion macht Geschichte" berichtete die Zeitzeugin Henny Brenner über ihr Leben in der Zeit des Nationalsozialismus. Interviewt wurde sie von Harald Rippl. Das Schicksal von Henny Brenner dokumentiert in ganz besonderem Maße die Absurdität des NS-Systems. "Mein Vater war Protestant, meine Mutter Jüdin, ich selbst war nicht besonders religiös."

Als junges Mädchen habe sie sich über Religion nicht viel Gedanken gemacht und ihr Vater hätte nicht darüber gesprochen. "Hitler wird sowieso nicht lange da sein", habe dieser gesagt. Erst als die junge Henny im Gymnasium ausgegrenzt wurde, wurde ihr bewusst, dass sie als Jüdin galt. Als "einschneidend" bezeichnete Henny Brenner den Moment, ab dem sie den Judenstern tragen musste. Noch heute bewahrt die bald 92-jährige Zeitzeugin dieses schreckliche Erinnerungsstück in ihrem Safe auf. "Wir waren vogelfrei, jeder konnte mit uns machen, was er wollte."

Es folgte Zwangsarbeit bei Zeiss-Ikon und nach und nach immer mehr Verbote. So war ihr das Straßenbahnfahren untersagt und ihr Fahrrad musste sie abgeben. Sieben Kilometer weg von der Wohnung lag die Arbeitsstätte. Dreieinhalb Jahre sei das so gegangen. Auch an der Wohnungstür klebte ein Judenstern. "Dass die Mitbewohner darüber weggeschaut hätten, war das Beste, was uns passieren konnte."

Negativen Erlebnissen mit den Nazis stehen in den Erzählungen von Henny Brenner auch positive Eindrücke mit hilfsbereiten und verständnisvollen Menschen gegenüber. So zum Beispiel, wenn ihr auf der Straße zugeflüstert wurde: "Durchhalten, Kopf hoch." Oder wenn eine nicht entwertete Lebensmittelmarke auf anderen lag "und wir im Lebensmittelgeschäft normal bedient wurden". Menschen, die so geholfen haben, hätten viel gewagt. "Freunde haben zusammengehalten." Allerdings hätte ihre Familie von der protestantischen Kirche keine Hilfe bekommen.

Fester Glaube an das Gute


Rippl verwies im Gespräch auch auf den autobiographischen Bericht von Henny Brenner "Das Lied ist aus". Dort ist nachzulesen, dass Bombenangriffe auf Dresden die Familie vor der Deportation gerettet haben. Schließlich wurde die 92-Jährige nach Schlussfolgerungen für die heutige Zeit gefragt. "Menschen dürfen wegen einer anderen Religion nicht ausgegrenzt werden", war eine ihrer Antworten. Und sie stellte auch fest: "Judentum ist keine Rasse, eventuell ein Volk." Sie glaube an das Gute im Menschen und an die Demokratie.

Veranstaltet wurde der Workshop von Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz und Historiker Dr. Sebastian Schott. Eingeladen waren vor allem Lehrer. Von denen hoffen die Veranstalter, dass sie ihre Schüler motivieren, am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teilzunehmen.
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