Herzog von Leuchtenberg plaudert bei Besuch am Weinhof Peschke
Seine Familie schrieb Geschichte

Sie sind das Paar, das sich auf Geheiß Napoleons vermählte und der Burgruine Leuchtenberg zu neuerlichen Ehren verhalf: Prinz Eugene de Beauharnais, Stiefsohn Napoleons und Urururgroßvater des Herzogs, der Weiden besuchte, und Auguste Amalie von Bayern.
 
Sie sind das Paar, das sich auf Geheiß Napoleons vermählte und der Burgruine Leuchtenberg zu neuerlichen Ehren verhalf: Prinz Eugene de Beauharnais, Stiefsohn Napoleons und Urururgroßvater des Herzogs, der Weiden besuchte, und Auguste Amalie von Bayern.
 
Ein interessantes Bild historischer Zusammenhänge zeichnete Nicolaus Herzog von Leuchtenberg de Beauharnais (Zweiter von rechts) bei seinem Besuch mit Lebensgefährtin Carla Michel am Weinhof von Alfred (links) und Barbara Peschke (rechts). Bilder: Kunz (4)

Er trägt die Gründung des Königreichs Bayern in seinen Genen, sagt Nicolaus Herzog von Leuchtenberg de Beauharnais bei seinem Besuch auf dem Weinhof Peschke. Obendrein ist er ein direkter Nachfahre des Stiefsohns Napoleons. Der 82-Jährige hat viel zu erzählen.

"Die ist es nicht." Sein Vater hatte noch mit den Zaren-Kindern gespielt. Deshalb sei ihm gleich bei der ersten Begegnung klar gewesen, dass es sich bei Anna Anderson nicht um die einzige überlebende Tochter des Zaren, Anastasia Romanowa, gehandelt haben konnte. Nicolaus Herzog von Leuchtenberg de Beauharnais erzählt in Ullersricht: "Mein Vater kannte alle Spitznamen und Gewohnheiten der Romanov-Kinder. Und die vermeintliche Anastasia konnte ihm keine davon bestätigen." Eine spätere DNS-Analyse habe seine Einschätzung untermauert.

Der Herzog von Leuchtenberg war auf Durchreise zum Jahrestreffen in Seeon bei Trostberg, dem ehemaligen Besitz seiner Großtante Olga, heute ein Tagungshotel im Eigentum der oberbayerischen Regierung. In Weiden besuchte er mit seiner Lebensgefährtin Carla Michel, wie schon mehrmals, seine Geschäftspartner und langjährigen Freunde, das Ehepaar Alfred und Barbara Peschke in Ullersricht. Im fürstlich anmutenden Ambiente des Pavillons der Weinhof-Besitzer, unter der Ahnentafel der Landgrafen und Herzöge von Leuchtenberg, plauderte der 82-Jährige angeregt über die erste deutsch-französische Freundschaft, über familiäre Bindungen nach Russland und machte deutlich, dass er die Gründung des Königreiches Bayern in seinen Genen trage. Dabei gab der freiberufliche Toningenieur beim Film auch zahlreiche Anekdoten zum Besten.

Enttäuschte Liebe


So habe sein Urgroßvater, Herzog Nikolaus Maximilianowitsch von Leuchtenberg, indirekt zur wohl größten strategischen Fehleinschätzung Russlands beigetragen. Damals, als Zar Alexander II. Alaska für den Spottpreis von 7,2 Millionen US-Dollar an die Amerikaner verscherbelt hatte. Das war 1867. Wie das kam? Ganz einfach. Der russische Kanzler Fürst Michailowitsch Gortschakow, engster Berater des Zaren, hatte sich in eine verheiratete Frau, eine gewisse Nadine Akinfowa, verguckt.

Die Hinneigung blieb allerdings unerwidert. Stattdessen verliebte sich die zweifache Mutter in den viel jüngeren Herzog von Leuchtenberg, den sie später auch heiratete. Gortschakow war darüber so niedergeschlagen, dass er dem Zaren zum Verkauf Alaskas geraten hat. Eine pikante Geschichte, die Lew Nikolajewitsch Tolstoi zu seinem Roman "Anna Karenina" inspirierte.

Dass die Burgruine im Landkreis Neustadt nach dem Aussterben des Landgrafengeschlechtes im Jahr 1646 nur 171 Jahre später zu neuerlichen Ehren kam und für die Gründung des Königreiches Bayern 1806 Pate stand, war dem Urururgroßvater des herzoglichen Gastes, Prinz Eugene de Beauharnais, Stiefsohn und Heerführer Napoleons und damaliger Vizekönig von Italien, zu verdanken.

Der Kaiser der Franzosen verfolgte nämlich die Politik, seinen Machtbereich über die Einheirat in den europäischen Hochadel zu erweitern. So suchte er für die Hochzeit des Sohnes von Kaiserin Joséphine die erst 17-jährige Auguste Amalie von Bayern aus. Die wollte anfangs nichts von einer Vermählung mit dem Franzosen wissen, war sie doch mit einem badischen Prinzen verlobt.

Aber die Heirat war Bedingung für die Errichtung des Königreiches Bayern. Nach 14 Tagen Bedenkzeit sagte sie zu. So wurde aus der bayerisch-französischen Liaison auf Befehl Napoleons Bayern Königreich und aus dem Brautvater Kurfürst Max IV. Joseph Bayerns erster König Max I. Joseph.

Zum Verständnis: Die Monarchie in Bayern wurde von Auguste Amalies Bruder Ludwig I. - Alfred Peschke: "ein Franzosenhasser" - fortgesetzt. König Max I. Joseph verlieh wiederum seinem Schwiegersohn, der übrigens auch mit Johann Wolfgang von Goethe befreundet war, 1817 den Titel eines Herzogs von Leuchtenberg und eines Fürsten von Eichstätt. Die Oberpfalz betreten hat Herzog Eugene zeitlebens nie.

Russischer Thronfolger


Heute erinnert das Leuchtenberg-Palais in München, Sitz des Finanzministeriums, an das Paar. Nun hatten Herzog Eugene und Herzogin Auguste Amalie zahlreiche Kinder, die sich bis nach Brasilien, Portugal und Schweden verheirateten. Herzog von Leuchtenberg: "Königin Silvia trägt bei hohen Anlässen noch immer das Leuchtenberg-Diadem."

Der Ururgroßvater des Ullersrichter Gastes, Maximilian Herzog von Leuchtenberg, heiratete nach St. Petersburg. Und zwar die Tochter des Zaren Nikolaus I. Deren Kinder erhielten den Titel "Fürst Romanowski" und den Anspruch auf die russische Thronfolge, was aber nicht eintrat. Sein Vater ist noch in Russland am Zaren-Hof geboren. Für den "amtierenden" Herzog von Leuchtenberg, der bei Bonn wohnt und Gesellschafter der Leuchtenberg-Sekt-Marken ist, nahm das Leben andere Züge.

Königin Silvia trägt bei hohen Anlässen noch immer das Leuchtenberg-Diadem.Nicolaus Herzog von Leuchtenberg de Beauharnais


Prickelnd: Weinhof-Besitzer über Leuchtenberg Sekt, Adelsgeschlechter und HitlerSekt und Namensrechte

Als Alfred Peschke 1987 seine Leuchtenberg-Sekt-GmbH gründete, gab es Probleme mit den Namensrechten. Sein Haus in Leuchtenberg reichte nicht. Er brauchte einen Gesellschafter, der Leuchtenberg hieß.

Über Umwege wurde er beim Herzog fündig, der sich bereit erklärte. Seitdem gibt es die beiden "Leuchtenberg"-Sektmarken der "Burg-Serie" und der "Herzog- Serie".

Neuschwanstein verpasst

Alfred Peschke ist Mitglied im Freundeskreis Leuchtenberg. Sein langgehegter Traum: Ein Dokumentationszentrum über die Leuchtenberger Adelsgeschlechter in seinem Lückenriether Anwesen.

Barbara Peschke versicherte, dass König Ludwig II. Schloss Neuschwanstein ursprünglich auf den Ruinen der Leuchtenberger Burg errichten wollte, das Vorhaben aber am örtlichen Gemeinderat gescheitert sei. Der wollte die Burgruine als Steinbruch für den Leuchtenberger Häuserbau weiternutzen.

Hitler zu Gast in Ullersricht

Alfred Peschkes Quellen zufolge übernachtete Adolf Hitler nicht nur in der Stark-Villa, als er mit Hermann Göring den Maierhofer Flugplatz einweihte. Hitler sei bereits nach dessen Festungshaft in Landsberg am Lech zwei Wochen lang Gast in Ullersricht beim Nobelpreisträger von 1917, Johann Stark, gewesen sein. Familie Peschke ist heute im Besitz des schmucken Anwesens, dass der bekennende Antisemit und Nationalsozialist damals von seinem Osloer Preisgeld errichten ließ.

Peschke: "Hitler suchte nach der Haft finanzkräftige Gönner auf. Er unternahm Spaziergänge im nahe gelegenen Wald." (uz)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.