Hoch über dem Naabtal
Karpfenessen beim Bergknappenverein Marienschacht

In gemütlicher Runde lässt sich der Fisch in der urigen Hütte der Bergknappen besonders gut genießen.
 
Kaum Pausen konnte sich Sebastian Diermeier gönnen, da um die Mittagszeit die Nachfrage nach den Fischen aus seiner Friteuse enorm war. Denn der Aschermittwochs-Karpfen beim Bergknappenverein Marienschacht ist schon längst kein Geheimtipp mehr, der Andrang entsprechend groß. Bilder: Dobler (2)

Sebastian Diermeier hatte gestern Mittag den vermutlich fettigsten Arbeitsplatz in Schwarzach. Er stand an der Fritteuse und buk im Akkord Karpfen und Forellen heraus. Und machte damit die Hütte am Kocher-Stollen zu einem Mekka der Aschermittwochs-Pilger aus dem ganzen Landkreis.

-Wölsendorf. Hoch und manchmal steil hinauf führt die Straße von Wölsendorf zum Eingang des Heinrich-Kocher-Stollens, wo sich jeden Aschermittwoch in der Mittagszeit Besucher aus der Region ein Stelldichein geben. Sie alle wissen die urige Hütte des Bergknappenvereins Marienschacht neben dem Stollen zu schätzen, die freundliche Bedienung durch die Frauen und Männer um Vereinsvorsitzenden Fritz Held - und natürlich die leckeren Fische, mit deren Verkauf die Bergknappen ihr Budget aufbessern.

Unter den Gästen befand sich unter anderem Bürgermeister Alois Böhm, der sich auf dem Weg der Genesung befindet, Markt- und Gemeinderäte aus den Orten der Umgebung, aber auch lokale Berühmtheiten wie Josefa Janetschek. Die 85-Jährige ist nicht nur die älteste Wölsendorferin, sondern auch eine Hobby-Künstlerin, die mit dem Werkstoff Beton arbeitet. Von ihr stammt die Statue der Heiligen Barbara, die vor der Hütte der Knappen aufgestellt ist.

Sie alle ließen sich die herausgebackenen Fische schmecken und plauderten über die Zeiten, als es in der Region noch Bergbau gab. "Das war ein wichtiger Industriezweig", sagte Bürgermeister Böhm, dem die Namen der verschiedenen Stollen noch immer flüssig von den Lippen gehen.

Beim letzten Trupp dabei


Ein Experte für diese vergangene Zeit Fritz Held. Der ist heute 77 Jahre alt und somit schon lange aus dem Berufsleben ausgeschieden, war aber in seiner aktiven Zeit in den Gruben in Wundsheim, in Wölsendorf und in Stulln beschäftigt. Heute sieht er seine Aufgabe darin, die Traditionen der Bergleute am Leben zu erhalten. "Er gehörte zum letzten Trupp der Grube Hermine, als diese 1986 geschlossen wurde", wusste Böhm und das zustimmende Nicken Helds zeigte, dass der Bürgermeister damit genau richtig lag.

Das Herz blutet den beiden noch immer, wenn sie an das unrühmliche Ende des Heinrich-Kocher-Stollens denken, dessen früherer Eingang nur wenige Meter von der Hütte der Knappen entfernt ist. Der Stollen ist 2009 nach einem Wassereinbruch stellenweise eingestürzt und war nicht mehr zu betreten. Sanierungsversuche scheiterten an rechtlichen Hindernissen. Das war umso bitterer, als die Mitglieder des Vereins Marienschacht den Stollen seit 1995 mit viel Eigenleistung zu einem Besucherbergwerk ausgebaut, regelmäßig Führungen angeboten und dort auch Mettenschichten gefeiert hatten. Der Weg führte ebenerdig und schnurgerade mehrere Hundert Meter tief in den Berg. Aktiv betrieben wurde der Stollen im Flussspatrevier Wölsendorf von 1937 bis 1952.

Mit dem Wegfall des Besucherbergwerks hat der Bergknappenverein etwas von seiner Bedeutung eingebüßt. Vor dem Ende steht er damit aber noch lange nicht. "Wir hatten erst fünf Neuaufnahmen", zeigte sich Held stolz und verwies auf die aktuelle Mitgliederzahl von 150.

Neue Idee


Und wer weiß, vielleicht kommen Held und Böhm ja mit ihrer Idee durch, neben der Hütte einen Schaustollen zu bauen. "Eventuell geht da was in der nächsten Leader-Periode", hofft der erfahrene Kommunalpolitiker auf Zuschüsse.
Weitere Beiträge zu den Themen: Aschermittwoch (35)Heinrich-Kocher-Stollen (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.