Hoher Sanierungsbedarf
Brücken vor Belastungsprobe

Den großen Stau verhindert: Der "Amberger Schmetterling" nutzt die vier Auffahrten von der B 85 zur B 299. Es entsteht eine Art Kreisverkehr als Ersatz für die abgerissene Brücke. Das Staatliche Bauamt schafft es so, den Verkehr während des Brückenneubaus flüssig an der Baustelle vorbeizuleiten. Bild: Hartl

Mehr als jede dritte Brücke auf Oberpfälzer Straßen muss die Staatsregierung kurzfristig instand setzen. Wenn das nicht passiert, müssen die Brücken gesperrt werden. Folge: Die Schwertransporte suchen sich neue Wege durch die Dörfer.

Weiden/Amberg. 137 von 380 Brücken auf nordoberpfälzischen Staatsstraßen sind laut Auskunft der bayerischen Staatsregierung kurzfristig sanierungsbedürftig. Ähnliche Defizite gibt es bei Autobahnen und Bundesstraßen: Bundesweit müssen im Durchschnitt 53,7 Prozent kurzfristig instandgesetzt werden.

"Kein Wunder", sagt am Montag der ADAC-Fachreferent für Straßenverkehrsplanung, Jürgen Berlitz: Es gebe viele Brücken aus der Zeit der 60er und 70er Jahre. Diese zeigten zunehmend Alterserscheinungen. "Egal wer zuständig ist, es gibt erhebliche Defizite. Das betrifft Autobahnen, Bundesstraßen und auch die Staatsstraßen in Bayern."

Sperrungen können folgen


Bei den Staatsstraßen könne man in Bayern den schwarzen Peter nicht nach Berlin schieben: "Die sind von ihrer Größe zwar überschaubar, aber die Länge macht's." Der Brückenbau auf den Staatsstraßen ist laut Ansicht von Berlitz "Investitionsschwerpunkt". Folgen vernachlässigter Sanierung könnten etwa Teilsperrungen sein. "Schwertransporte und unter Umständen auch Lkws müssen Routen nehmen, die durch weitere Dörfer gehen. Dann stellt sich auch die Frage: Wie leistungsfähig ist die Route? Kommt es zu Staus? Bei Flussquerungen kann es kritisch werden." Werden in der Region bald reihenweise Brücken gesperrt? "Keiner braucht sich Sorgen zu machen", sagt Henner Wasmuth. Er ist Leiter des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach und für die Brücken der nördlichen Oberpfalz zuständig. In seinen Verantwortungsbereich fallen die Bundes- und Staatsstraßen.

Viel Geld für Sanierung


"Wir haben Bedarf, aber wir geben auch viel Geld für die Sanierung aus." Bei derzeit 800 Brücken gebe es fünf, die gewichtsbeschränkt seien. So werde die Brücke über die Haidenaab in Mantel laufend überwacht. "Vom Berechnungsverfahren her ist einem da nicht wohl", sagt Wasmuth. Das bedeute aber nicht, dass es rasant bergab gehe. Immerhin: Eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h wurde inzwischen angebracht.

Das Bewertungssystem sei sehr oberflächlich, sagt Wasmuth: ",Kurzfristig sanierungsbedürftig' bedeutet, man muss anfangen, sich Gedanken zu machen." So sei etwa der Einbau einer simplen Schutzplanke auf einer Brücke, die diese 40 Jahre nicht gehabt hatte, schon eine Möglichkeit, die "Note" wieder zu verbessern. Drei Beispiele für Maßnahmen:

Die nächste Erneuerung plant das Bauamt in Oberkonhof: Im Landkreis Schwandorf wird die Brücke der Staatsstraße 2159 über die Murach noch dieses Jahr komplett neu gebaut. Zahlreiche Schäden hatten die Prüfer gefunden. Die Standsicherheit ist beeinträchtigt. "Die haben wir schon eingeengt, damit die Kante nicht einbricht", sagt Wasmuth.

Weit fortgeschritten ist der Bau der Brücke der B 299 über die B 85 im Stadtgebiet Amberg. Dort errichtet das Bauamt bis Ende 2016 eine breitere Brücke. Um den Verkehrsfluss nicht zu behindern, hat das Amt die Auffahrten zwischen B 85 und B 299 zu einer Art "Kreisverkehr" umfunktioniert, der als "Amberger Schmetterling" bezeichnet wird. Ohne Kreuzung oder Ampeln kann der Verkehr die Baustelle passieren.

Vergangenes Jahr schloss das Staatliche Bauamt zwei Projekte in Eschenbach ab: die Kompletterneuerung der Brücke über den Kirchweg und die Sanierung der Brücke über die Staatsstraße 2168. Bei der Brücke über die Staatsstraße wurden unter anderem die Stahl-Bewehrung und die Abdichtungen ausgetauscht. Für die neue Kirchwegbrücke wurde eine Bohrpfahlgründung hergestellt, wodurch sie breiter werden konnte.

Instandhaltung und BrückenprüfungBrückenbaumaßnahmen sind laut bayerischer Staatsregierung abhängig von der Haushaltslage, der Entwicklung des Straßennetzes, Unfallhäufungen und der Verkehrsbelastung. Das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach erhält jährlich Fördermittel von jeweils 10 Millionen Euro von Bund und Land. Davon gehen mindestens 4,5 Millionen Euro in die Brückensanierung.

"Es ist aber nicht immer nur mit Geld getan", sagt Henner Wasmuth, Leiter des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach. Oft kommen planerische Herausforderungen hinzu: "Wir müssen auch sehen, dass wir mit den Leuten zurecht kommen." So sei etwa der Naturschutz zu beachten. Besonders wichtig: die Flora-Fauna-Habitatrichtlinie. Auch der Grunderwerb sei zum Beispiel beim Bau von Ersatzbrücken ein wichtiger Faktor, sagt Wasmuth.

Laut bayerischer Staatsregierung betreut der Freistaat im Auftrag des Bundes die Brücken der Bundesstraßen und Autobahnen sowie im Auftrag der Landesregierung die Brückenbauwerke von Staatsstraßen. Alle Ingenieurbauwerke, zu denen auch Brücken gehören, werden regelmäßig überprüft. Die Brücken werden dabei nach Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit bewertet. Aus den Bewertungen ergibt sich eine "Zustandsnote". An diesen Noten kann die Baubehörde die Dringlichkeit von Maßnahmen ablesen. Wie teuer oder aufwendig es ist, die Schäden an den Brücken zu beseitigen, darüber geben die Noten aber keine Auskunft. (dko)
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