Horror-Clowns verbreiten Angst und Schrecken
Nichts zu lachen

Horror-Clowns verbreiten auch in Bayern Angst und Schrecken. Jetzt protestieren die echten Clowns. Sie fürchten um ihren Spaßfaktor. (Foto: dpa)
 
In diesem Aufzug sieht man die Oberpfälzer Schauspielerin Christina Baumer nur noch bei ihren Auftritten. "Früher war ich zwischen zwei Auftritten öfter verkleidet unterwegs, da haben mir die Leute fröhlich gewunken. Ich will aber niemanden erschrecken, deshalb mache ich das momentan nicht." Bild: hfz

Da hört der Spaß auf: In Amerika erschrecken und bedrohen Grusel-Clowns schon länger Passanten. Nun ist der fragwürdige Trend auch in Bayern angekommen. Die echten Clowns fürchten um ihren Ruf.

Zwei Jugendliche mit Horrormasken erschreckten Fußgänger in Regensburg. In München sprang ein Clown aus einem Gebüsch, schwang eine Axt und lief schreiend auf einen Zehnjährigen zu. In Gersthofen (Landkreis Augsburg) schüchterten drei Jugendliche mit Halloween-Masken Spaziergänger ein, einer der Clowns rasselte mit einer Eisenkette.

Die Übergriffe von Grusel-Clowns häufen sich. Auch die Polizei erhält vermehrt Anrufe deswegen. Pressesprecher Stefan Hartl gibt aber Entwarnung: "Bis jetzt ist uns noch nichts bekannt, dass Clowns in Verbindung mit einer Straftat aufgetreten sind. Aber wir fragen die Dienststellen ab, ob es zu solchen Zwischenfällen gekommen ist." Hartl befürchtet, dass Grusel-Clowns vor allem Halloween nutzen, um Menschen zu erschrecken oder zu bedrohen. "Es ist absehbar, dass das in nächster Zeit öfter passiert."

Kritik der echten Clowns


Der erschreckende Trend beschäftigt die echten Clowns. Schauspielerin und Clown Christina Baumer aus Wiesau (Landkreis Tirschenreuth) fürchtet um das Image der Spaßmacher. "Clowns bringen Freude und Leichtigkeit, ich will nicht, dass sie irgendwann für Grusel, Schauer und Ekel stehen." Baumer geht nicht mehr in ihrem Kostüm auf die Straße. "Früher war ich zwischen zwei Auftritten öfter verkleidet unterwegs, da haben mir die Leute fröhlich gewunken. Ich will aber niemanden erschrecken, deshalb mache ich das momentan nicht."

Clowns bringen Freude und Leichtigkeit, ich will nicht, dass sie irgendwann für Grusel, Schauer und Ekel stehen.Christina Baumer, Schauspielerin und Clown

Auch der "Zauberer vom Hexenberg", Wolfgang Götz, kritisiert das Verhalten der "Kollegen": "Das sind Verrückte, die sich bösartige Masken aufsetzen und Menschen erschrecken wollen. Gerade in der Halloween-Zeit kommt so etwas immer wieder. Das gab es schon einmal, da wurden Passanten von Menschen mit 'Scream'-Masken erschreckt." Götz wurde bei einem Auftritt selbst schon für einen Horror-Clown gehalten. "Die Angst, die viele Leute haben, kommt davon, dass sie unter einer Maske niemanden erkennen können. Sie wissen nicht, wer darunter steckt." Dass Clowns Spaß machen, ist vor allem in Kliniken wichtig. Der Verein "Klinik-Clowns" schickt Spaßmacher in Krankenhäuser, Hospize und Altenheime. Auch in Weiden sind sie unterwegs, um Menschen aufzuheitern, denen es nicht gut geht. "Deshalb ärgert mich das so. Wir wollen Freude verbreiten. Die Horror-Clowns verbreiten Schrecken", sagt Klinik-Clown Miriam Becker. "Das hat nichts mit unserer Arbeit zu tun. Es ist verständlich, dass die Leute Angst haben."

Der Dachverband "Clowns in Medizin und Pflege" bemüht sich um Abgrenzung. "Grusel-Clowns sind keine Clowns. Es sind wirre Menschen, die ihre destruktiven Neigungen auf diese armselige Art ausleben wollen." Echte Spaßmacher stellen das genaue Gegenteil dar, schrieb der Verband in einer Mitteilung.

Anti-Angst-Kurse im Zirkus


Auch im Zirkus schrillen die Alarmglocken. Der Münchener Circus Krone bietet sogar Anti-Angst-Kurse an. "Wir sind keine Horror-Clowns und protestieren ganz energisch gegen die Verunglimpfung des schönsten Berufs der Welt", schrieben die Clowns des Zirkus in einer Mitteilung. Clowns sollten den Menschen keine Angst, sondern die Welt "mit Lachen zu einem besseren Ort machen". Weißclown Alexis Tonito kritisiert die Horror-Versionen: "Ich bin in fünfter Generation Clown. Mein Urururopa würde sich im Grab umdrehen, wenn er davon hören würde." Der Verband Deutscher Zirkusunternehmen fürchtet einen Imageschaden für die artistische Figur. "Mit einem Clown soll eigentlich Spaß, Freude und Tollpatschigkeit assoziiert werden. Über ihn soll man lachen", sagte der Vorsitzende Dieter Seeger. "Durch die Attacken wird er zum Angstobjekt." Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte ein hartes Vorgehen an. "Solche üblen Gags können schlimme Folgen haben", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Wir werden da deshalb nichts durchgehen lassen und jeden Fall konsequent verfolgen sowie entsprechend ahnden."

Verhaltenstipps der Polizei"Werden Passanten von einem Grusel-Clown bedrängt, sollten sie laut um Hilfe rufen und andere Leute auf die Situation aufmerksam machen. Meistens lassen die Täter dann ab und flüchten." Polizeisprecher Stefan Hartl rät, sofort die Polizei zu verständigen.

"Auch ohne konkrete Straftat kann ein solcher Vorfall psychische oder physische Folgen haben. Betroffene könnten eine Anzeige wegen Belästigung der Allgemeinheit in Betracht ziehen." Wegen des unterschiedlichen Verhaltens der Clowns - manche begehen Straftaten, andere nicht - kann Hartl schwer allgemeingültige Tipps geben. "Springt einer aus dem Gebüsch und schreit 'Buh' ist das keine Straftat." Setzen sich Opfer zur Wehr und schlagen den Clown, machen sie sich der gefährlichen Körperverletzung schuldig. "Aus menschlicher Sicht kann ich nachvollziehen, wenn man erschrickt. Aber man sollte besonnen reagieren." (tsa)
1 Kommentar
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Ela Hauer aus Weiden in der Oberpfalz | 25.10.2016 | 13:41  
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