Ilse und Heribert Stock sind die Initiatoren der Hospizbewegung in Weiden
50 Jahre in einem Boot

Sie sind die Pioniere der Hospizbewegung in Weiden: Ilse und Heribert Stock haben den Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst unter dem Dach der Malteser, die Palliativstation, die spezialisierte ambulante Palliativversorgung und die geplante Hospizstation mit auf den Weg gebracht. Bild: Gerhard Götz

Sie sitzen seit 50 Jahren in einem Boot und paddeln gemeinsam erfolgreich durchs Leben. Ilse (73) und Heribert Stock (78). In der Region bestens bekannt als Initiatoren der Hospizbewegung, denen die bisherigen Erfolge auf diesem Gebiet im Wesentlichen zu verdanken sind.

Kennengelernt haben sich der gebürtige Weidener und die Vilseckerin am 3. September 1963. "Auf der Hochzeit meines Cousins mit seiner Schwester", erzählt Ilse Stock, die damals in der elterlichen Firma Einhäupl in Vilseck im Büro arbeitete. Genau drei Jahre später fand ihre kirchliche Trauung statt. Drei Tage vorher, am 31. August 1966, war das Paar in Vilseck vor den Standesbeamten getreten, so dass es heute Goldene Hochzeit feiern kann.

Liebe auf den ersten Blick war es nicht gewesen, sagen beide. Ilse Stock: "Gefunkt hat es erst nach einem Jahr." Unter anderem durch gemeinsame Paddeltouren auf Naab und Haidenaab, zu denen Heribert Stock die junge Frau überredete und zu denen sie bis heute gerne gemeinsam aufbrechen. So wie sie Vieles am liebsten gemeinsam tun. Früher soweit es die Freizeit von Heribert Stock zuließ, als er noch Prokurist und Leiter der Kreditabteilung bei der Bayerischen Vereinsbank war.

1990: Flüchtlingshilfe


Das gemeinsame Engagement begann 1990 mit den Flüchtlingen aus der ehemaligen DDR. Ilse Stock engagiere sich in der Kleiderkammer. Ihr Mann war fast täglich im Erstaufnahmelager in Weiden, um den Menschen bei Ämtergängen oder Wohnungssuche zu helfen. "Damals kam auch Pfarrer Günter Hanke aus Annaberg-Buchholz zu uns", erinnert sich der 78-Jährige. "Wir haben Fliesen und Installationsmaterial für den neuen Kindergarten besorgt. So wurde in Annaberg-Buchholz im September 1990 der erste christliche Kindergarten in der DDR eröffnet, noch vor der offiziellen Wiedervereinigung am 3. Oktober." Heribert Stock meldete sich dann freiwillig für einen Einsatz bei der Vereinsbank in Chemnitz. "Das war eine sehr intensive Zeit", blickt er zurück, und seine Frau versichert: "Langweilig war es bei uns nie."

Die Eltern von drei Söhnen waren jahrzehntelang in der Pfarrei Herz Jesu engagiert. Er in der Kirchenverwaltung, sie im Pfarrgemeinderat. Die Nähe zur Kirche und eigene Erfahrungen mit pflegebedürftigen Angehörigen brachten sie auch dazu, den Hospizgedanken aufzugreifen. "1994 hat mir der schwerkranke Regionaldekan Johann Meyer den Aufbau eines Hospizes in Weiden ans Herz gelegt", erinnert sich Heribert Stock noch wie heute. Gemeinsam mit seiner Frau hat er im Januar 1999 erstmals einen ambulanten Hospizdienst - unter dem Dach der Malteser - angeboten. Unterstützt von 12 Ehrenamtlichen, die wie Ilse Stock einen Kurs in Sterbebegleitung absolviert hatten. "Damals dachte ich nicht daran, die Leitung zu übernehmen", sagt sie.

Heribert Stocks Ziel war eine ambulante Palliativstation. "Die wäre ohne qualifizierten Hospizdienst nicht eingerichtet worden", weiß er. Er bohrte also nach bei den früheren Sozialministerinnen Christa Stewens und Christine Haderthauer und bei den Entscheidungsträgern vor Ort. 2008 wurde die Palliativstation in Neustadt eröffnet. Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung für Patienten ist auf den Weg gebracht, und bis 2019 soll auch die Hospizstation realisiert werden.

Den Anstoß für das alles gab letztlich das Ehepaar Stock. Dessen Einsatz wurde mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, darunter die Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste, die St.-Wolfgang-Medaille, der Weiße Engel und die Bürgermedaille der Stadt Weiden. Im November 2015 erhielt Heribert Stock den Stiftungspreis Ehrenamt der Bayerischen Stiftung Hospiz verliehen.

Ende 2014 hat eine hauptamtliche Kraft die Leitung des Ambulanten Hospizberatungsdienstes Weiden-Neustadt übernommen. Das Ehepaar Stock zog sich zurück. Und pflegt seitdem seine Hobbys. Die Imkerei: Heribert Stock hat 9 Bienenvölker. Das Wandern auf dem Jakobsweg: "Nach der Pensionierung meines Mannes sind wir innerhalb von drei Jahren in Etappen rund 3000 Kilometer nach Santiago de Compostella gewandert", erzählt Ilse Stock. Jetzt legen sie kürzere Teilstrecken in der Oberpfalz, in Tirol oder am Bodensee zurück. Das Kanuwandern: Die Mitglieder des Vereins "Kanu Weiden" haben heuer bereits, ausgestattet mit Zelt und Verpflegung, 500 Kilometer auf Donau und Elbe zurückgelegt. "Wir genießen das", versichert die 73-Jährige.

Sohn ist Mitzelebrant


Ein Hobby, das sie auch mit ihren Söhnen gepflegt haben. Die werden zur Feier der Goldenen Hochzeit anreisen. Sohn Christian, seit Kurzem Pfarrer im Raum Riedenburg, wird den Gottesdienst mit zelebrieren. Zum Herz-Jesu-Freitag feiert die Gemeinde in Herz Jesu ein besonderes Amt. Nur die Enkelkinder aus Hamburg können nicht dabei sein. "Die müssen schon wieder zur Schule", bedauert Ilse Stock.
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