Im ehemaligen Kreiswehrersatzamt ist der Zoll eingezogen
Neuer Sitz für Crystal-Fahnder

Im ehemaligen Kreiswehrersatzamt wird jetzt gegen Drogenbanden ermittelt: Zollamtsrätin Christine Seibert leitet den Weidener Dienstsitz des Zollfahndungsamtes München, rechts ihr derzeitiger Vertreter Zollamtmann Michael Pfab. Bild: ca

Ältere Knaben werden sich noch an ihre Musterung hier erinnern. Heute sitzen hinter den Türen im ehemaligen Kreiswehrersatzamt ganz andere Staatsbedienstete. In das Gebäude in der Dr.-Pfleger-Straße sind im Juni rund 20 Zollfahnder eingezogen. Ihr Spezialgebiet: Sie ermitteln die Hintermänner im Kampf gegen Crystal.

Der neue Dienstsitz des Zollfahndungsamtes München in Weiden ist entstanden aus der Soko Crystal, gegründet 2013. Chefin ist Zollamtsrätin Christine Seibert. Die Zollfahndung ist eine Art "Kripo des Bundes", die immer dann hinzugezogen wird, wenn der Fall gewisse Dimensionen überschreitet. "Spätestens ab zehn Gramm sind wir an Bord", sagt Zollamtmann Michael Pfab. Das entlastet auch die Kontrolleinheiten des Hauptzollamtes in Waidhaus und Wernberg, die schnell wieder auf die Straße können.

Die Weidener Zollfahnder übernehmen die weitere Ermittlungsarbeit: Durchsuchungen, Telefonüberwachung, Haftvorführungen, die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft. Seibert: "Uns geht es darum, Strukturen zu ermitteln. Wir wollen an die Hintermänner." Das gelang zuletzt sehr gut: In Regensburg konnte 2015 ein Dealerring mit 7 Kilo Marihuana gesprengt werden. Laut Christian Schüttenkopf, Sprecher des Zollfahndungsamtes München, konnten unter Federführung der Weidener 60 Täter ermittelt werden: "Vom Fahrer bis zum Organisator."

Auf das Konto der Weidener Zollfahnder ging auch der Prozess 2015 gegen vier Vietnamesen, die über Waidhaus mit 400 Gramm Crystal auf dem Weg nach Schweden waren. Das Verfahren bewies, wie wichtig die Arbeit der Ermittler ist: Die Vietnamesen bildeten eine Mauer des Schweigens, die Beweise der Zollfahnder mussten genügen. "Unsere Arbeit ist wie ein Puzzle, das am Ende ein ganzes Bild ergibt und zu einer Verurteilung führen soll."

Tschechien ist nach Einschätzung der Zollfahnder ein Schwerpunkt der Crystal-Herstellung. Eine große Rolle spielen dabei Vietnamesen. Deren Meth-Küchen auszuheben, sei keine leichte Aufgabe, nehmen die Weidener ihre tschechischen Kollegen in Schutz. Der "Modus operandi": "Die Vietnamesen agieren als Nomaden", so Pfab. Sie träten nicht persönlich auf, ließen von Tschechen Objekte anmieten. "Dort wird sich dann vier Wochen verbarrikadiert und aufgekocht." In einer Woche könnten 30 bis 50 Kilogramm Crystal hergestellt werden. Die Häuser werden dann fluchtartig verlassen. Michael Pfab hat eine solche Küche nach einem Polizeieinsatz betreten, da rauchten noch die Töpfe: "Das ist wirklich eklig und widerlich."

Anklage wegen Biersteuer


Seit 25 Jahren gibt es die Zollfahndung, gegründet im Zuge der Grenzöffnung, als über Waidhaus alles ins Land kam, was sich zum Schmuggeln eignete: Singvögel und Schnaps, geschützte Schlangen und Unmengen an illegalen Zigaretten. Später lag der Schwerpunkt der Weidener Zollfahnder dann auf der Verbrauchssteuer. Das letzte große Verfahren kam gerade letzte Woche mit einer Anklage der Hofer Staatsanwaltschaft zum Abschluss: 31 Millionen Euro hinterzogene Biersteuer.

Zoll mit fünf StandortenDer Zoll ist in Weiden an insgesamt fünf Standorten stark vertreten. Im ehemaligen Kreiswehrersatzamt in der Dr.-Pfleger-Straße ist die Zollfahndung eingezogen, im Erdgeschoss pflegen zudem IT-Spezialisten das Computersystem des Zolls.

Eine weitere Einheit des Zollfahndungsamtes ist in der Kasernenstraße geblieben.

Das Hauptzollamt ist mit seiner Mannschaft zur Bekämpfung Schwarzarbeit plus Kfz-Steuer in der Asylstraße ansässig.

Bundeskasse und Sicherheits-Risiko-Analyse der deutschen Flug- und Seefracht werden in Moosbürg abgewickelt.

Und nicht zuletzt besteht das klassische Zollamt am Brandweiher . (ca)
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