Im "Eightysixx-Barbershop" haben Frauen keinen Zutritt
Wo Männer ihre Ruhe haben

Friseurmeister Onur Altinsoy hat in Weiden einen Herrenfriseursalon eröffnet. Frauen sind dort nicht erwünscht. Bild: Gerhard Götz

Pomade, Bartöl, ein warmes Tuch auf dem Gesicht. Männer können es sich im "Eightysixx-Barbershop" von Onur Altinsoy gut gehen lassen. Doch das Konzept des Rockabilly-Herrenfriseurs in Weiden gefällt nicht jedem.

Mit ihrer Tochter kam Denise Leonard an einem Samstag vom Markt auf dem Heimweg an dem neuen Friseurgeschäft in der Bürgermeister-Prechtl-Straße vorbei. Von außen fand Leonard den Salon "ganz toll". Draußen vor der Türe stand gerade der Friseur. "Schneiden Sie Kindern auch die Haare?", fragte sie ihn. Erstaunt soll er auf ihre Tochter, acht Jahre, geblickt haben. "Meinem Sohn", fügte Leonard erklärend hinzu. Daraufhin erläuterte Altinsoy der Lehrerin die Geschäftsregeln und meinte: Wenn der Sohn mit dem Papa komme, würde er im Laden bedient werden. "Frauen haben hier keinen Zutritt", soll der Friseurmeister gesagt haben.

"Das soll das Konzept sein?", zweifelt die Lehrerin gegenüber unserer Zeitung. Von dem Friseur erfuhr sie, dass nur dessen französische Dogge - ein Weibchen - Zutritt zum Salon habe. "Ich wurde regelrecht abgewiesen", ärgert sich die Weidenerin. In der heutigen Zeit findet sie das sehr unpassend.

Altinsoy aus Hof hat den Salon im September eröffnet. Der 30-jährige Friseurmeister hatte seine Ausbildung in Weiden gemacht und hier drei Jahre lang ein Friseurgeschäft geleitet. "In Barbershops ist das normalerweise so, dass Frauen keinen Zutritt haben", erklärt er. Es gebe viele Geschäfte und Salons, die nur um weibliche Kundschaft buhlen. Altinsoy wollte daher etwas für Männer schaffen, "weil die auch mal ihre Ruhe brauchen."

Maskuline Einrichtung


Den Herrenfriseursalon betreibt Altinsoy nicht aus religiösen Gründen. Der "Eightysixx-Barbershop" sei auch kein türkischer Friseur, betont er mehrmals. Für den Ladenbesitzer soll der Barbershop für einen emanzipierten Ausgleich sorgen und verweist auf die Barbershop-Kette "Schorem" in den Niederlanden. Zu diesen Läden haben Damen ebenfalls keinen Zutritt. Gegen Frauen habe er grundsätzlich nichts, sagt Altinsoy, der laut eigener Aussage glücklich verheiratet ist. Eine Dame dürfe in sein Geschäft nur, um einen Gutschein oder Produkte für Freund oder Ehemann zu kaufen, erklärt der Friseur. Bei "Schorem" dürften Frauen nicht einmal das.

Auch in Grafenwöhr gibt es einige dieser besonderen Herrenfriseure, die sich vermutlich stark an die in der Region stationierten US-Amerikaner richten - ihre Facebook-Auftritte sind meist in englischer Sprache. Altinsoy hofft ebenfalls auf US-amerikanische Kunden.

Sebastian Jordan aus Weiden, der sich Haare und Bart schneiden ließ, gibt zu: "Das ist für Männer ganz ungewohnt." Fünf oder sechs Mittelchen habe er bereits im Gesicht. "Man fühlt sich gut, wenn man rausgeht", findet Jordan, der zum zweiten Mal im "Eightysixx-Barbershop" ist und vorhat, öfter zu kommen. Eine Frau im Laden würde ihn eher stören. "Und würde sich hier eine Frau ihre Haare schneiden lassen? Ich glaube nicht. Es sieht hier alles so maskulin aus", erklärt Jordan. Plakate aus den 50er- bis 70er-Jahren hängen an den Wänden, Männer mit Haartollen, die Elvis Presley gefallen hätten. Das Radio spielt Rock'n'Roll und Rockabilly, die Einrichtung wie Lampen und Sessel sind Retro-Modelle, der "Playboy" liegt auf einem Couchtisch.

Das Erscheinungsbild des Rockabilly-Salons habe auch Leonard sehr gefallen: "Stylisch 10 Punkte" würde sie bei einer Bewertung vergeben. Dass in diesem Friseurgeschäft Frauen nicht die Haare geschnitten werden, finde sie in Ordnung. Doch dass sie es nicht betreten dürfen, um ihre Söhne zu begleiten, enttäusche sie sehr.

Und würde sich hier eine Frau ihre Haare schneiden lassen? Ich glaube nicht. Es sieht hier alles so maskulin aus.Sebastian Jordan, Kunde im "Eightysixx-Barbershop"
3 Kommentare
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Roman Weigl aus Weiherhammer | 25.10.2016 | 18:59  
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Oliver Endres aus Amberg in der Oberpfalz | 26.10.2016 | 08:40  
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Oliver Endres aus Amberg in der Oberpfalz | 04.11.2016 | 19:41  
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