Im "Hammerweg-Prozess" schildern Polizisten die Ermittlungen
Hinweis schon vor der Tat

Der Tag nach dem Überfall. Mit großem Aufgebot sichert die Polizei im September 2015 Spuren. Die werden nun auch im Prozess eine Rolle spielen. Am Donnerstag war der zweite Verhandlungstag. Bild: ca

Auch erfahrene Beamte zeigen sich im "Hammerweg-Prozess" bewegt von der Brutalität. "Das kennt man sonst nur aus Aktenzeichen XY", sagt einer. Ein Unterschied bleibt aber: Während bei "XY" noch Zeugen gesucht werden, hatte die Weidener Polizei den entscheidenden Fingerzeig schon vor der Tat.

Gegen halb vier Uhr morgens klingelte das Telefon bei dem Kriminalpolizisten zu Hause. Die Kollegen. Sie erzählten etwas von einem brutalen Raubüberfall. Der 54-Jährige musste zum Tatort. Was sich dort in den Morgenstunden des 18. September 2015 ergab, umschreibt der Kripobeamte nun vor Gericht so: "Ein Fall, den ich so aus Weiden nicht gekannt habe."

Am Donnerstag, dem zweiten Prozesstag zum Raubüberfall am Hammerweg, sagen vor allem Polizisten aus. Sie erklären, wie es dank Zeugen und dank grenzüberschreitender Zusammenarbeit rasch gelang, die - geständigen - Angeklagten zu ermitteln: drei Tschechen, 34, 40 und 44 Jahre alt. Gleichzeitig lassen ihre Schilderungen erahnen, welch Martyrium die drei überfallenen Senioren durchmachen mussten.

"Das totale Chaos"


"Im Haus hat das totale Chaos geherrscht", berichtet der Einsatzleiter der Tatnacht. Die Streifenpolizistin, die zuerst mit vor Ort war, erinnert sich an "lauter Blutspritzer". Sie und die Kollegen erzählen von vielen Verletzungen der Bewohner, an denen sich teils auch noch Reste des Klebebandes fanden, mit dem sie gefesselt worden waren. Die Brutalität ist auch ein Grund, warum die Beamten bald "alles in die Wege geleitet haben, was menschenmöglich war", wie der 54-jährige Kripobeamte sagt.

Auch wenn es damals weitere große Fälle gegeben habe, seien anfangs bis zu 20 Kollegen damit befasst gewesen. Und: Zum personellen Einsatz sei auch noch Glück dazugekommen. Schon einen Tag vor der Tat habe sich ein Anwohner an die Polizei gewandt. Ihm sei ein BMW mit drei Insassen aufgefallen. Sie seien lange in der Gegend gewesen und auch zu Fuß zu einem Haus gegangen - eben jenem, in das tags darauf eingebrochen werden sollte. Weil das dem Zeugen seltsam vorgekommen sei, gab er das tschechische Kennzeichen des BMW der Polizei durch.

Damit hätten die Polizisten nach dem Überfall eine erste Spur gehabt. Und siehe da: Am Tatabend war der BMW bei Waidhaus nach Deutschland gefahren, das habe die automatische Kennzeichenerfassung bei der Grenze ergeben, so der Kripobeamte. Bald sei es gelungen, das Auto einem 34-jährigen Tschechen zuzuordnen, bei dem sich Überraschendes ergab: Sein Vater habe für den Betrieb der überfallenen Familie gearbeitet.

Es folgte eine enge Kooperation mit der tschechischen Polizei, die Beteiligte vor Gericht als beispielhaft loben. Dadurch sei es gelungen, einen zweiten Verdächtigen zu ermitteln. Einen 44-Jährigen, der nach dem Überfall in Weiden auch noch versucht haben soll, mit dem 34-Jährigen einen Geldboten auszurauben. Ende November 2015 nahmen tschechische Spezialeinheiten die beiden fest. Wie der Weidener Kriminalpolizist und ein Kollege aus dem Nachbarland vor Gericht sagen, räumten die beiden in Vernehmungen die Tat ein. Und sie gaben Hinweise auf den dritten Verdächtigen. Sie hätten zwar nicht gewusst, wie er heißt, hatten aber einen Spitznamen: "Pralinchen". Ein Name, den die Polizei Karlsbad kannte. Gemeint war ein 40-Jähriger mit vielen Vorstrafen. Letztlich habe auch er gestanden.

Überführt von Komplizen


Der Security-Mitarbeiter hat seinerseits womöglich die anderen beiden geprellt. Darauf deuten Aussagen eines Pfandleihers vor Gericht hin. Er gibt an, von dem 40-Jährigen Schmuck und einen Laptop - vermutlich Teil der Beute - gekauft zu haben. Für knapp 40 000 Kronen (rund 1480 Euro). Im Prozess hatte der 34-Jährige angegeben, er habe nur 9000 Kronen bekommen. Und 800 Euro von dem Bargeld, das die drei in dem Haus gefunden hätten. Das wären für ihn rund 1130 Euro. Die drei Senioren sollen mehr als vier Stunden gefangen gehalten und misshandelt worden sein. Der Prozess wird am Dienstag, 29. November, um 9 Uhr fortgesetzt.
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