Im Krückenfall kommt 17-Jähriger mit blauem Auge davon
Kosten sind vom Tisch

Taucher und Rettungsschwimmer suchen Ende Juli nach einer vermeintlich hilflosen Person. Insgesamt waren 70 Rettungskräfte im Einsatz. Am Ende war es ein Fehlalarm, den ein 17-Jähriger mit seinen zurückgelassenen Krücken verursacht hatte. Archivbild: hcz

Ein Teenager, der wegen eines Streits mit seiner Freundin seine Krücken am Ufer der Waldnaab zurücklässt, um ihr nachzueilen, löst Ende Juli einen Großeinsatz am Stadtbad aus. Muss der 17-Jährige aus Weiden dafür bezahlen?

Die Entscheidung im Polizeipräsidium Regensburg ist gefallen. Der 17-Jährige kann aufatmen. Er hat am letzten Juli-Wochenende wegen seiner zurückgelassenen Krücken am Stadtbad eine große Suchaktion in diesem Bereich in und um die Waldnaab nach einer vermeintlich hilflosen Person ausgelöst. Alle beteiligten Rettungskräfte, immerhin gut 70 von verschiedenen Organisation, verzichten darauf, ihren Einsatz in Rechnung zu stellen. Das teilen die Polizeisprecher Thomas Fritsch und Karl Gaach auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Hauptkommissar Fritsch nennt auch die Argumente, die bei der Polizei zu dieser Entscheidung geführt und die offenbar auch BRK, Wasserwacht und Feuerwehr überzeugt haben: "Dem Verursacher kann man wahrlich keine böse Absicht unterstellen." Er habe weder vorsätzlich noch grob fahrlässig gehandelt. Vielmehr habe der 17-Jährige nach dem Riesenauftrieb auch noch mächtig Rückgrat bewiesen, lobt Fritsch. Kam er doch "ziemlich kleinlaut" und mit seinem Freund als moralische Stütze am Tag nach dem Auftrieb zur Polizeiinspektion an der Regensburger Straße, um den Fall aufzuklären. "Das ist ungewöhnlich." Ungewöhnlich gut, findet Fritsch. Gaach pflichtet bei: "Oft wollen die Beteiligten lieber den Mantel des Schweigens über solch einen Vorfall breiten."

17-Jähriger mit Rückgrat


Anders der junge Weidener. Er erzählte von dem besagten Abend, an dem er mit Freunden an der Waldnaab gefeiert und auch etwas getrunken hatte. Plötzlich seien sich der 17-Jährige und seine Freundin in die Haare gekommen. Sie lief weg. "Ähnlich wie in der Bibel konnte der junge Mann ihr ohne Krücken hinterher", erinnert sich Gaach augenzwinkernd. Die beiden fanden sich und vertrugen sich wieder. Erst tags darauf realisierte der 17-Jährige durch die Berichterstattung in den Medien, welchen Großeinsatz seine zurückgelassenen Krücken ausgelöst hatten. Nach gutem Zureden seines Freundes und weil die Polizei ihn ja ohnehin ermitteln würde, stellte sich der 17-Jährige. "Erst dann war eindeutig klar, dass wir die Suche nicht wieder aufnehmen müssen", sagt Fritsch.

Bleibt noch, die Rolle des Spaziergängers genauer zu betrachten, der besorgt die Polizei gerufen hat, als er die Krücken am Uferrand gefunden hatte. Hat er richtig gehandelt?

Rückblick: Fast vier Stunden lang suchten rund 70 Rettungskräfte des BRK inklusive der Besatzung des Rettungshubschraubers "Christoph 80" und der Wasserwacht, der Feuerwehr sowie der Polizei (mit Suchhund) am letzten Sonntag im Juli die Waldnaab auf einer Länge von 1,5 Kilometer beim Stadtbad ab. Der Grund: Ein Fußgänger hatte an einem Trampelpfad, der auf Höhe des TÜV hinunter zur Waldnaab führt, zwei Krücken sowie einen Korb mit leeren Flaschen, auch Alkoholika, am Boden entdeckt. Von den Besitzern aber fehlte jede Spur. Besorgt meldete er seine Beobachtung der Polizei und setzte damit laut Gaach "die übliche Maschinerie in Bewegung". Und das war genau richtig so, betont der Polizeisprecher.

Immer alles melden


"Es muss immer von einem Ernstfall ausgegangen werden. Lieber suchen wir zehn Mal vergeblich, als ein Mal zu wenig und dann treibt eine leblose Person im Wasser." Grundfalsch wäre zu denken, da sei schon nichts passiert. Und wer überbringt dem 17-Jährigen nun die gute Nachricht? "Na, ,Der neue Tag'", sagt Fritsch.
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