Im Schätzlerbad wohnt seit zwei Monaten ein Kater - Neues Zuhause gesucht
Bademeister auf vier Pfoten

Gekrault wird im Schätzlerbad neuerdings auch außerhalb der Becken. Seit Kater Michl dort aufgetaucht ist, hat er selbst gestandene Männer wie die Badeaufseher Nikolae Cintea (von links) und Michael Reinig sowie Bäderleiter Klaus Kunz spielend um die Pfote gewickelt. Bild: Götz

Weiß der Geier, was Michl letzte Nacht wieder getrieben hat. Jetzt braucht er jedenfalls seinen Schlaf. Er hat sich auf einem Lederstuhl im Bademeisterraum zusammengerollt, gleich unter dem Überwachungsmonitor. Muss das Aufsichtspersonal halt stehen. Auch der Lärm draußen von den Becken und Wiesen des Schätzlerbads ist wirklich kein Grund, sich aus der Ruhe bringen zu lassen. Die Augen bleiben zu. Michl ist müde.

Wasserscheu, schläfrig und ein Vielfraß: Als Bademeisterkollege ist Kater Michl eine Katastrophe. Trotzdem ist er bei vielen Besuchern und Mitarbeitern des "Schätzler" beliebter als Eiscreme oder Pommes. Was auch mit der Geschichte des Vierbeiners zusammenhängt.

Jämmerlicher Zustand


Vor rund acht Wochen stand der kleine Kater - er dürfte weniger als ein Jahr alt sein - plötzlich vor dem Servicegebäude des Bades. In jämmerlicher Verfassung, erzählt Bäderleiter Klaus Kunz. Vermutlich sei das Tier ausgesetzt worden. Es war abgemagert, hatte Fieber und ein vereitertes Auge. Was nun? Eigentlich kennen sich die Mitarbeiter eher mit Wespen aus. Den Kater wollte aber auch keiner verscheuchen. Tierheim kam nicht infrage. Also brachten sie ihn zur Veterinärin. Es war knapp, aber er kam durch - auch wenn noch zwei weitere Arztbesuche nötig waren. Seither haben sie einen neuen Mitbewohner. Tagsüber döst er meist im Bademeisterraum, nachts streunt er draußen rum (außer bei Gewitter), und morgens sitzt er wieder vor der Tür. Und hat Hunger.

Acht Mal täglich frisst der Kater. "Das braucht er, er hat was nachholen müssen", sagt Kunz. Dafür ist das Tier nun prächtig erholt. Nicht nur körperlich. "Am Anfang war er ängstlich, total eingeschüchtert, mittlerweile lässt er sich sogar von Fremden streicheln", erzählt Badeaufseher Michael Reinig, der sich vor allem in der ersten Zeit besonders um den Vierbeiner gekümmert hat und deshalb der Namenspate ist.

Wobei Reinig längst nicht der einzige Tierliebhaber ist. Viele andere Mitarbeiter und Bekannte lassen etwas springen. Kollege Nikolae Cintea etwa verzichtete auf sein Schwimmkurs-Honorar. Außerdem werfen Badegäste etwas in Spendenboxen, Leiter Kunz griff selbst tief in den eigenen Geldbeutel. Denn umsonst ist der neue Mitbewohner wahrlich nicht. Knapp 1000 Euro haben sie bislang ausgegeben. Für Tierarzt und Futter. Und für Ausstattung wie einen Kratzbaum oder ein Katzenklo.

Letzteres hat Kunz für den künftigen Halter von Michl angeschafft. Weil klar ist, dass die Wohngemeinschaft enden muss. Sie würden Michl zwar am liebsten behalten. Aber nach Saisonende wäre keiner mehr für das Tier da. Und in der Thermenwelt kann es ja auch schlecht überwintern. Unter den Mitarbeitern ist keiner, der Michl zu Hause aufnehmen kann: Manche haben Hunde, andere wohnen zu nahe an Bahngleisen. Und so weiter. Deshalb suchen sie jetzt andere, die dem Kater ein Heim bieten wollen (Meldungen unter 0961/33300).

Argumente gibt es ja. "Er ist total lieb, er kratzt und krallt nicht", sagt Cintea. Streicheln lässt sich das Tier auch gern. Und stubenrein war es von Beginn an. Umgekehrt haben sie Ansprüche an das neue Zuhause. Möglichst einen Auslauf sollte es bieten, denn aus Michl "wird keine Stubenkatze mehr". Es sei ihnen einfach wichtig, dass es dem Kater auch künftig gut geht, sagt Reinig. Wobei ihn selbst eine erfolgreiche Vermittlung nur teils freuen würde. "Wenn er weg ist, das wäre schon blöd, dann würde einfach was fehlen."
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