Immer mehr Streit ums Erbe
Mit Sorgfalt lässt sich viel Ärger vermeiden

"Viele schieben das Thema Testament lange Zeit vor sich her. Wenn dann plötzlich etwas passiert ist, kommt es oft zum Streit." Fachanwältin für Familienrecht Dr. Christiane Bardenheuer (links) und Notarin Dr. Claudia Greipl empfehlen, ebenso rechtzeitig wie sorgfältig vorzusorgen. Bild: sbü
Vermischtes
Weiden in der Oberpfalz
24.01.2016
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Im Erbrecht hat sich seit 100 Jahren wenig verändert. In der Gesellschaft dagegen viel. Immer mehr Erbstreitigkeiten beschäftigen Notare und Anwälte. Dabei ließe sich viel Ärger vermeiden.

Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge werden in den nächsten zehn Jahren 3,1 Billionen Euro vererbt: fast ein Drittel des Gesamtvermögens aller privaten Haushalte. Bei fast jeder fünften Erbschaft gibt es Streit. Je größer der Nachlass, desto häufiger werde gestritten, wissen Fachanwältin für Familienrecht Dr. Christiane Bardenheuer und Notarin Dr. Claudia Greipl. Der Kleinkrieg unter Angehörigen beginne oft schon, bevor der Erbfall überhaupt eintritt. Eine der häufigsten Gründe für die Auseinandersetzung sei das Fehlen eines gültigen Testaments.

Mit diesen Sätzen beschrieben Bardenheuer und Greipl die Ausgangssituation für ihren Vortrag "Der Streit ums Erbe" in der Anwaltskanzlei Dr. Bardenheuer & Schütz. Wer zuhörte, hat erfahren, wie Erbstreitigkeiten vermieden werden können. Das Wichtigste ist, dass der Vermögenseigentümer ein gültiges Testament macht. In einem ersten Schritt sollte er ein übersichtliches Bestandsverzeichnis aller wichtigen Vermögenswerte anfertigen. Die nächsten Überlegungen: Welche Ziele sollen verwirklicht werden? Will ich meinen Partner absichern oder das Vermögen an meine Kinder übertragen? Soll der Familienbesitz gesichert werden? Will ich jemanden von Erb- oder Pflichtteilsansprüchen ausschließen oder nahestehenden Personen etwas zukommen lassen?

Vollmachten erteilen


Dabei sollten auch die Bedürfnisse, Interessen und Fähigkeiten "der zu Bedenkenden berücksichtigt werden", empfehlen die beiden Expertinnen. Schließlich müssten auch steuerrechtliche Fragen bedacht werden. Ferner sollten rechtzeitig Vollmachten erteilt und Zugang zu Passwörtern bei Internetkonten ("digitaler Nachlass") verschafft werden. Erschwert würden Erbschaftsfälle oftmals dadurch, dass "Immobilien nicht so leicht zerteilt werden können". Bardenheuer berichtete dazu von Fällen, bei denen über Jahrzehnte Erbengemeinschaften es nicht schafften, das Erbe aufzuteilen. Erbteilungsklagen seien "fast nicht zu führen und kosten viel Geld".

Liege die immer häufiger vorkommende Fallkonstellation einer "Patchworkfamilie" vor, würde die Erbschaftsabwicklung besonders schwierig. In diesen Fällen gibt es meist Nachkommen aus mehreren Ehen, so dass Erbfolgeregelungen sehr komplex würden. Bardenheuer und Greipl erläuterten auch, wie ein gültiges Testament abgefasst werden muss. "Die sicherste Möglichkeit, es zu finden, ist die Hinterlegung beim Amtsgericht." Testamente sollte frühzeitig erstellt werden, damit "Testierfähigkeit" vorliege. Jüngere Paare sollten beachten: "Tritt der Erbfall ein und sind minderjährige Erben vorhanden, kann ohne familiengerichtliche Genehmigung nicht über eine Immobilie verfügt werden."

Die Expertinnen empfahlen, das Testament alle 5 Jahre zu überprüfen. Im Falle des gemeinschaftlichen Testaments von Eheleuten könne der überlebende Teil dieses nicht mehr ändern. Schwierig sei es auch, "ein schwarzes Schaf vom Pflichteilsanspruch wegzubringen", denn Pflichtteilsberechtige hätten eine starke rechtliche Stellung. Bei Schenkungen gelte die "10-Jahres-Regelung", damit das Pflichtteilsrecht nicht ausgehöhlt werde. Erst 10 Jahre nach der Schenkung zähle ein Vermögenswert nicht mehr zur Erbmasse. Ein Pflichtteilsanspruch entstehe auch schon beim Tod eines Elternteils.

Wiederholung am 23. März


Bardenheuer und Greipl rieten dringend, "Erbschaftsthemen nicht zu verdrängen". Im Todesfall seien viele Menschen nicht imstande, solche Probleme zu lösen. Weil aus Platzgründen nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden konnten, wird der Vortrag am 23. März in der Regionalbibliothek wiederholt.
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