In der Region gibt es noch keine explodierende Population der Plagegeister
Forschung dank Mückenpost

Feucht-schwül ist das Wetter. Kommt jetzt die Mückenplage? Für Forscher aus Brandenburg zählt jede Mücke. Wer die Plagegeister fängt, soll sie einsenden. Experten wollen so Krankheitsrisiken abschätzen. Bild: dpa
 
"Wir sind dankbar über jede Mücke." Zitat: Doreen Walther, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung

Sssssss - Batsch? Halt! Zerquetscht sind die Plagegeister der Wissenschaft keine große Hilfe mehr. In einem Glas gefangen, können tote Mücken aber immerhin noch zu etwas Sinnvollem beitragen. Biologen jedenfalls freuen sich über jedes einzelne Tier - und auch über die große Population in diesem Sommer.

Die Menschen ärgert das feucht-schwüle Wetter, die Mücken aber freut's. Experten schätzen, dass es bald besonders viele Stechmücken geben könnte. Zur Eiablage benötigen sie ruhige Gewässer wie Tümpel, Pfützen oder überflutete Wiesen. Bis zum Schlüpfen dauert es zwei Wochen. "Die Population ist stark vom Wetter abhängig", sagt Arnold Kimmerl, stellvertretender Vorsitzender des Bundes Naturschutz im Kreis Schwandorf. Mit einer Prognose ist er vorsichtig. Wenn es in nächster Zeit nicht mehr so viel regnet und Überschwemmungsgebiete austrocknen, können sich die Mücken nicht gut vermehren.

Eine richtige Plage habe er in der Region noch nicht erlebt. "Lästig ja, aber wirklich schlimm war es bei uns noch nicht", findet Kimmerl, der auch stellvertretender Landrat in Schwandorf ist. Er kann sich an Plagen in der Isar-Mündung bei Plattling erinnern. Zur Schneeschmelze legen im Auwald Insekten ihre Eier ab. Alle paar Jahre schlüpfen "Milliarden von Mücken". Kimmerl: "Man kann nicht mehr in die Auen gehen." Im Moment sind die Insekten am Hammerweiher in Bodenwöhr nervig. Bürgermeister Richard Stabl sagt: "Je schwüler der Tag, umso angriffslustiger sind die Tiere." Dass es bislang überproportional mehr sind, hat er bei seinen Spaziergängen nicht festgestellt. Auch Dieter Reil, Vorsitzender des Bodenwöhrer Angelsportvereins, empfindet das so.

Warmer Winter


Im Weidener Schätzlerbad müssen Schwimmer noch keine Stiche befürchten. Reinhard Meier, Vorsitzender des Schwimmvereins, sagt, es gebe bisher nicht mehr Mücken als sonst. Über eine große Zahl an Insekten habe sich noch niemand beschwert. Wenn ein Badegast in der prallen Sonne sitze, habe er meist seine Ruhe. Eine andere Erfahrung macht Reiner Schindler, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Eigenheim Mooslohe in Weiden. "Man merkt schon, dass es mehr Mücken gibt als sonst, weil der Winter zu warm war", sagt er. Die Anwohner selbst seien aktuell noch nicht betroffen.

Gefährliche Tigermücke


Forscher jedoch freuen sich über die erwartete Insektenplage. Sie bitten nun um Exemplare per "Mückenpost". Die eingeschickten Tiere werden von der Biologin Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg, Brandenburg, für den Mückenatlas verwendet. Mit ihrem Team kartiert sie Verbreitungsgebiete und neu eingeschleppte Arten. Stechmücken haben auch in Europa Krankheiten übertragen, zum Beispiel das Dengue-, Westnil- oder Chikungunya-Fieber, zählt Walther auf. Zur Risikoeinschätzung benötigen die Forscher Daten zur Verbreitung der in Deutschland vorkommenden eingeschleppten und heimischen Arten. An der Kartierung arbeitet das ZALF gemeinsam mit dem Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit (FLI) in Greifswald.

Seit 2007 wurden vier Mückenarten eingeschleppt. Gefährlich ist die Asiatische Tigermücke. Diese habe in Deutschland erfolgreich überwintert, vermutet Helge Kampen vom FLI. Von der Asiatischen Buschmücke sind inzwischen vier Populationen in sechs Bundesländern bekannt.

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Weitere Informationen:

www.mueckenatlas.de

Wir sind dankbar über jede Mücke.Doreen Walther, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung


Tipps für die "Jagd"Die Forscher benötigen intakte Mückenleichen, zerquetschte oder platt geschlagene sind unbrauchbar. Wenn das Insekt an einer Wand sitzt, kann man es mit einem Glas fangen und einen Deckel daraufschrauben. Zum Abtöten gefangener Tiere empfehlen die Forscher, sie für einen Tag ins Gefrierfach zu legen. Um zur Bestimmung wichtige Schuppen und Borsten an bestimmten Körperstellen zu erhalten, sollten die Mücken in eine kleine Schachtel, eine Dose oder ein Röhrchen gelegt und per Post verschickt werden. Die Jäger notieren Angaben zum Fundort sowie -zeit und schicken diese mit. "Sie können so viele Mücken fangen, wie es Ihrer Motivation und dem Mückenaufkommen entspricht", heißt es beim Mückenatlas. Jeder Mückenjäger erhält eine Antwort von den Forschern, Kinder eine Urkunde.

Heuer schickten Sammler laut der Biologin Doreen Walther schon 600 Mücken ein, nur 164 wurden bislang in den Mückenatlas aufgenommen. Nicht nur die Oberpfalz ist in dieser interaktiven Karte ein weißer Fleck, aus fast ganz Deutschland - so lässt es der Atlas vermuten - wurden wenig Mücken versendet. Lediglich aus Berlin sowie dem Ruhrgebiet schickten bereits mehrere Jäger ihre Beute an die Forscher. (dpa)

Mückenpost an: Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung - Mückenatlas, Eberswalder Straße 84, 15374 Müncheberg.
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