In Erstaufnahmeeinrichtung steht erste Geburt an –
Vom Kreißsaal nicht zurück in Halle

In der Mehrzweckhalle leben auch viele junge Flüchtlinge (hier bei einem Spielenachmittag, den Schüler organisiert haben). Nun steht auch noch eine Geburt an. Das Neugeborene soll aber nicht zurück in die Erstaufnahmeeinrichtung. Arichvbild: Götz

Nachwuchs steht an inmitten von Feldbetten und 200 Menschen aus verschiedenen Ländern: Hält sich das Kleine an den errechneten Geburtstermin, wird in der kommenden Woche zum ersten Mal eine Bewohnerin der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge ein Kind auf die Welt bringen. Für die dann sechsköpfige Familie aus Syrien mag das ein Lichtblick nach einer schweren Zeit sein. Es bringt aber auch eine zusätzliche Herausforderung für die Verantwortlichen.

Denn die engen Verhältnisse in der Mehrzweckhalle, in der allenfalls Trennwände vorrangig für Familien und alleinreisende Frauen für ein wenig Privatsphäre sorgen können, sind allen Anstrengungen der Helfer zum Trotz natürlich nicht der optimale Platz für ein Neugeborenes. Das ist auch den Verantwortlichen bewusst. "Wir bemühen uns, dass die junge Familie nach der Geburt nicht mehr in die Mehrzweckhalle kommt", sagt Markus Roth, Pressesprecher der Regierung der Oberpfalz. Stattdessen sei Ziel, den Syrern eine Bleibe zur Verfügung zu stellen, in der sie einen abgetrennten Raum für sich haben. Wie und wo - das sei noch offen. Er sei aber zuversichtlich, dass sich eine Lösung finde.

Babysachen spenden


Leicht dürfte das dennoch nicht werden. Das Angebot an Räumlichkeiten in Weiden wird zusehends knapp. Und: In der Mehrzweckhalle rechnen sie mit zusätzlichen Geburten, wie Einsatzleiter Maximilian Landgraf berichtet. Eine zweite steht ebenfalls kommende Woche an, zwei weitere im April. Immerhin: Der Syrerin, die kommende Woche als Erste ihr Kind erwartet, "geht es gut". Die Einsatzleitung habe sich bereits um eine Hebamme gekümmert. Einen Vorabbesuch im Kreißsaal gab es ebenfalls schon. Daneben hat das Netzwerk Asyl nützliche Dinge organisiert wie Kinderwagen und Babybekleidung. Weitere Sachspenden wären allerdings noch willkommen: Strampler, kleine Socken und Schuhe oder Kinderreisebettchen, Windeln und, und, und (Kontakt über Manfred Weiß vom Netzwerk Asyl, Telefon 0159/02405421).

Solche Gegenstände würden nicht nur werdende Mütter freuen. Denn es sieht zwar so aus, als ob vorerst keine Familie vom Kreißsaal zurück in die Halle muss. Sehr junge Bewohner gibt es dort dennoch. Die jüngste: ein Mädchen, drei Monate alt.

Geburt: Keine rechtliche AuswirkungAnders als etwa in den USA bekommen Flüchtlingskinder, die in Deutschland zur Welt kommen, nicht automatisch die hiesige Staatsbürgerschaft. Zwar gilt auch hier inzwischen das Geburtsortprinzip. Ob das Kind tatsächlich die Staatsbürgerschaft erhält, ist jedoch an Voraussetzungen geknüpft. So muss ein Elternteil mindestens acht Jahre rechtmäßig in Deutschland leben und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzen. Bei den in Weiden anstehenden Geburten ist das nicht der Fall. "Am rechtlichen Status ändert sich nichts", berichtet denn auch Regierungssprecher Markus Roth. Werden die Eltern als Asylsuchende geführt, nehme das zuständige Bundesamt die Neugeborenen ebenfalls als solche mit in seine Datei auf. (fku)
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