In Kinder investieren
Jugend- und Schulsozialarbeit unverzichtbar

"Das Vertrauen des Kinder zu gewinnen, ist für uns immens wichtig", sagen die Diplom-Sozialpädagoginnen und Jugendsozialarbeiterinnen (sitzend von links) Marina Arndt und Kerstin Schill. Jugendamtsleiterin Bärbel Otto (stehend) freut sich über das Engagement ihrer Mitarbeiterinnen. Bild: sbü

In Weiden gibt es extrem viele Kinder, die in Hartz- IV-Familien leben . Für Fachleute steht es längst fest: Wer unter wirtschaftlich schwierigen Bedingungen aufwächst, braucht Hilfe. Jugend- und Schulsozialarbeit ist unverzichtbar.

Der Vergleich der Städte macht deutlich, wo in Weiden wichtiger Handlungsbedarf besteht: Hier lebten im Juni 2015 genau 1013 Kinder unter 15 Jahren in Hartz-IV-Familien. Bei fast gleicher Einwohnerzahl waren dies in Amberg lediglich 672. Dass dieser enorme Unterschied eines Tages kleiner wird, darum bemüht sich bekanntlich die Arbeitsmarktinitiative der Stadt Weiden. Jugendamtsleiterin Bärbel Otto erweitert noch diesen Personenkreis, wenn sie sagt: "Der Mangel an Erziehungsfähigkeit zieht sich durch alle Schichten."

Experten sind sich aber längst einig: Es wird ein langer Prozess, um für die betroffenen Kinder Chancengleichheit herzustellen und für den Arbeitsmarkt die dringend benötigten Fachkräfte heranzubilden. Die Jugendamtsleiterin will diesen Prozess durch verstärkte Jugend- und Schulsozialarbeit beschleunigen. "Ich verstehe nicht und bin sehr enttäuscht, dass der Stadtrat den weiteren Ausbau dieser Hilfen abgelehnt hat", klagt sie. Längst sei in der Evaluation der Nutzen von Jugend- und Schulsozialarbeit nachgewiesen.

Aus ihrer alltäglichen Schulpraxis berichten dazu Kerstin Schill und Marina Arndt. Die beiden Diplom-Sozialpädagoginnen arbeiten als Jugendsozialarbeiterinnen an den Grundschulen Albert-Schweitzer- Schule beziehungsweise Gerhardinger-Schule in Weiden. "Schulverweigerer, häusliche Gewalt, Mobbing, Erziehungsmängel und generelle psychische Auffälligkeiten" fallen den beiden als spontane Stichworte zu den vielen Problemen ein, mit denen sie täglich umgehen. Die Lehrer würden sie sehr schätzen, denn "unsere Arbeit macht den Unterricht frei". Von 70 bis 80 Fällen im Jahr, die sie über einen längeren Zeitraum betreut, berichtet Schill. Bei Arndt in der Gerhardinger Schule sind es 50 bis 60. Die meisten Kinder kämen aus Migrantenfamilien oder aus einer Alleinerziehungssituation. Das Vertrauen der Kinder zu gewinnen sei meistens nicht schwierig: "Kinder merken sehr rasch, da hört mir jemand zu."

Ich verstehe nicht und bin sehr enttäuscht, dass der Stadtrat den weiteren Ausbau dieser Hilfen abgelehnt hat.Jugendamtsleiterin Bärbel Otto über die Schulsozialarbeit

Prävention wichtig


Prävention zähle zu den Aufgaben der Sozialarbeiterinnen, deswegen arbeiteten sie manchmal mit der gesamten Klasse. Beispiele seien das "Medienpräventionsprojekt" und das Gewaltpräventionsprojekt "Stark sein". Für Jugendamtsleiterin Otto ist Jugendhilfe an der Schule auch deshalb so wichtig, "weil die Schwelle, zum Jugendamt zu kommen, viel höher ist". Auch wenn die Jugendsozialarbeiterinnen innerhalb der Schule arbeiten, stellten sie "das Jugendamt in der Schule dar". Otto ist zutiefst davon überzeugt: "Wenn wir Schwierigkeiten in der Schule beseitigen, verhindern wir viel gravierendere spätere Probleme im Leben dieses Menschen." Und dies werde für die Gesellschaft meistens viel teurer als die Jugendsozialarbeit.>

Schulsozialarbeit seit 1997 in WeidenSchulsozialarbeit gibt es in Weiden seit 1997 an der Max-Reger-Schule (Mittelschule) und seit 1998 am Sozialpädagogischen Förderzentrum (Stötznerschule). Gefördert durch das "Programm Jugendsozialarbeit an Schulen des Freistaats Bayern", wurden Jugendsozialarbeiter 2009 an der Europa-Berufsschule und an der Pestalozzischule (Mittelschule), 2013 an der Albert-Schweitzer-Schule sowie 2014 an der Gerhardingerschule (beides Grundschulen) eingerichtet. Für eine Vollzeitstelle wird jährlich ein Förderbetrag in Höhe von 16 360 bezahlt. Den Rest muss die Stadt aus Eigenmitteln finanzieren.

Schulsozialarbeit wendet sich an alle Schüler einer Schule, Jugendsozialarbeit geht in der Hauptsache fallbezogen vor. Auch Projekt- und Gruppenarbeit sowie Elternarbeit zählen unter anderem dazu. Jugendsozialarbeit ist eine Einrichtung der Jugendhilfe, Dienst- und Fachaufsicht liegt beim Jugendhilfeträger. Die Schulleitung hat die pädagogische Gesamtverantwortung für den Schulbetrieb. Der Schulaufwandsträger sorgt für Büro und Sachausstattung. (sbü)
Weitere Beiträge zu den Themen: Jugendamt (20)Hartz IV (34)Bärbel Otto (9)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.