In Weiden gibt es eine neue Beratungsstelle für Barrierefreiheit
Bahnhof ist Achillesferse

Als Teil des Programms "Bayern barrierefrei 2023" gibt es ab sofort die "Beratungsstelle Barrierefreiheit" in Weiden. Vorgestellt wurde sie von (stehend, von links) Architekt Karlheinz Beer, OB Kurt Seggewiß, Architekt Roland Steger, Hans Dörr (Landesarchitektenkammer), Dezernent Hansjörg Bohm und (sitzend) Behindertenbeauftragtem Alexander Grundler. Bild: sbü

Barrierefreiheit gilt längst als Qualitätsfaktor in öffentlichen und privaten Einrichtungen. Das Programm "Bayern barrierefrei 2023" bringt für Weiden eine neue Beratungsstelle. Bei ihrer Vorstellung wurden aber auch die wunden Punkte deutlich .

Ab sofort ist Weiden Standort einer Beratungsstelle für Barrierefreiheit der Bayerischen Architektenkammer. Bauherren, Verwaltungen, Architekten und andere Interessierte bekommen kostenlos von einem Experten Rat und Anleitung zu allen Fragen zum Thema Barrierefreiheit.

Für die Aktion "Bayern barrierefrei 2023" wurde die Zahl der Beratungsstellen von 8 auf 18 erhöht und Weiden dabei ausgewählt. Was die neue Beratungsstelle leistet, stellte der Vizepräsident der Architektenkammer, Ingenieur Hans Dörr, im Neuen Rathaus vor. Beispielhaft nannte er Rampen für Rollstuhlfahrer, Leitsysteme für Blinde und Sehbehinderte, Wohnformen im Alter oder Einrichtungen wie 2-Kanal-Lautsprecher für Hörgeschädigte.

Barrierefrei sollten nicht nur öffentliche Orte sein, sondern auch Wohnhäuser. "Es gibt sogar eine barrierefreie Informationstechnologie", sagte Dörr, den sogenannten W3C-Standard. Sogar eine verständliche Ausdrucksweise in der Verwaltungssprache, zum Beispiel in Rentenbescheiden, zähle dazu.

Fachberater für Weiden ist Dipl.-Ing. Roland Steger. "Ich fühle mich als neutraler Berater und will keinesfalls den Architekten Konkurrenz machen." Steger will nicht nur während der Sprechstunden erreichbar sein, sondern auch "rund um die Uhr per E-Mail und Telefon".

Eng eingebunden wird Alexander Grundler, Behindertenbeauftragter der Stadt Weiden. Als regionaler Vertreter und Vorstandsmitglied der Architektenkammer freute sich Karlheinz Beer über die neue Beratungsstelle: "Barrierefreiheit ist für die Stadt ein wichtiger Wettbewerbsfaktor." In der Diskussion über den Stand der Barrierefreiheit in Weiden wies OB Kurt Seggewiß auf konkurrierende Interessen zwischen Denkmalsschutz und Barrierefreiheit hin. Die "Achillesferse" ist für ihn der Bahnhof.

Für Baudezernent Hansjörg Bohm ist ein barrierefreier Bahnhof "der erste Dominostein für die gesamte städtebauliche Rahmenplanung". Zwar sei der barrierefreie Ausbau des Weidener Bahnhofs längst in der nächsten Ausbautranche. Doch stritten sich Freistaat und Bahn schon seit Längerem über die Bezuschussung. Behindertenbeauftragter Grundler bedauerte, dass alle Initiativen zur Änderung dieser Situation bisher erfolglos blieben.

Als Musterbeispiel für Barrierefreiheit bezeichnete er den Neubau der FOS/BOS in Weiden. In der Schule sei die Barrierefreiheit schon in der Ausschreibung beinhaltet gewesen, obwohl die entsprechende DIN-Norm erst später in Kraft trat. Auch die von einigen kritisierte Bushaltestelle vor der FOS/BOS sei barrierefrei gestaltet. An der Raumkonzeption des Großprojekts Stadtgalerie arbeitet Grundler mit.

Die Architekten und kommunalen Vertreter waren sich einig: "Barrierefreiheit ist ein Gewinn für uns alle und ein Vermarktungsinstrument." Wenn frühzeitig in der Gesamtkonzeption daran gedacht werde, lasse sich bei öffentlichen Gebäuden sogar Geld sparen. Privater Wohnungsbau würde allerdings etwas teurer. Bohm fügte aber an, dass schon ein behindertengerechter schmaler Wegstreifen im Pflaster der Fußgängerzone eine halbe Million Euro koste.

BeratungstermineAnmeldungen unter Telefon 089/13988031. Beratungstermine sind jeden zweiten Donnerstag im Monat im Neuen Rathaus, Zimmer 264. Ansprechpartner ist die Bayerische Architektenkammer, Beratungsstelle Barrierefreiheit, Waisenhausstraße 4, 80 637 München, www.barrierefrei.bayern.de. (sbü)
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