Informationsabend Multiple Sklerose
Behandelbar, doch nicht heilbar

Über Multiple Sklerose sprachen die Neurologen Dr. Michael Angerer (links) und Dr. Thorsten Heider (rechts) beim Ärzteverbund Oberpfalz Nord. Für dessen Vorstand begrüßte Dr. med. Sven Heimburger (Mitte) die Experten. Bild: Bühner

Trotz vieler Forschungserfolge stellen manche Krankheiten die Mediziner weiter vor große Rätsel. Auch die Multiple Sklerose.

Geht man von der Zahl der Besucher der Informationsveranstaltung des Ärzteverbunds Oberpfalz Nord über Multiple Sklerose (MS) aus, kann auf viele Betroffene geschlossen werden. Jedenfalls war das Interesse an den Vorträgen von Chefarzt Dr. Michael Angerer von der Neurologischen Klinik in Weiden und von Oberarzt Dr. Thorsten Heider von der Neurologischen Klinik in Amberg sehr groß.

Den wichtigsten Satz des Abends formulierte Angerer gleich zu Beginn: "MS ist behandelbar, aber nicht heilbar". Auch sei es "die Krankheit der tausend Gesichter mit zahlreichen verschiedenen Symptomen", für die es nicht eine eindeutig definierte Ursache gebe. Auf jeden Fall gehe es um eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, des Rückenmarks und des Gehirns, stellte der Mediziner fest. Nervenfasern seien geschädigt, das körpereigene Immunsystem greife die Nerven an.

Dann erklärte der Experte die verschiedenen Verlaufsformen der Erkrankung und nannte als häufigste Formen "schubförmig mit vollständiger Erholung oder mit teilweiser Erholung". Desweiteren gebe es das "etwas chronische Stadium" und die "primär fortschreitende Form ohne Schübe". Der Schweregrad der Erkrankung werde auf einer Skala zwischen 0 und 10 eingeteilt. Ab 3,0 komme es zu leichten bis mäßigen Beschwerden mit Symptomen wie Gefühls-, Seh-, oder Bewegungsstörungen. Auch Koordinationsprobleme, Schwindel, Blasen-und Darmbeschwerden oder rasche Ermüdung und Depression zählte Angerer auf.

Anders als bei vielen anderen Krankheiten, breche MS vorwiegend in den jüngeren Jahrgangsstufen aus. "Zwischen 20 und 30 geht es los", sagte Angerer. Nach der Statistik seien in Deutschland 200 000 Menschen davon betroffen. Die jährlichen Behandlungskosten lägen pro Fall zwischen 17 800 und 30 300 Euro. Bei den Ursachen sei "die Datenlage sehr dürftig". Man schließt aus Datenmengen, was wenig Aussage für den Einzelfall erlaube. Auf jeden Fall sei MS keine Erbkrankheit, dennoch gebe es statistisch bei Krankheitsfällen in der Familie ein "etwas höheres Risiko". Umweltfaktoren wie wenig Sonneneinstrahlung ("je nördlicher, desto höher die MS-Rate") sowie die Vorerkrankung "Pfeiffersches Drüsenfieber" erhöhten ebenfalls das statistische Risiko für MS.

Plaque im Gehirn


Die Diagnosedauer könne bis zu drei Jahre betragen. Mit MRT, Lumbalpunktion ("Kanüle im Rückenmark"), urologischen Untersuchungen und Kernspin werde vorwiegend untersucht. Aber "Plaque (weiße Flecken) im Gehirn ist alleine noch kein Beweis für MS", stellte Dr. Angerer fest. Mit dem Satz "Je früher die Behandlung beginnt, desto besser" leitete er dann zum zweiten Vortrag von Dr. Heider über.

Ganz generell stellte dieser fest: "Die Hilfe muss auf den Patienten zugeschnitten werden." Ein perfektes Mittel sei noch nicht gefunden. Dennoch seien in den vergangenen fünf bis zehn Jahren zahlreiche neue Medikamente auf den Markt gekommen. Die meisten davon führten zur Notwendigkeit, "öfters den Arzt zu besuchen". Bei einigen müssen mindesten ein Jahr lang regelmäßig Blut und Leberwerte untersucht werden. Oftmals sind Nebenwirkungen zu beobachten und mit anderen Medikamenten zu bekämpfen.

Manche Behandlungen seien mit Krankenhausaufenthalten verbunden, so bei notwendiger Blutwäsche oder "Plasmaaustauschverfahren". Einige MS-Medikamente machten "weiße Blutkörperchen weniger aggressiv, um Entzündungen im Gehirn zu vermeiden". Weit verbreitet ist nach wie vor hochdosiertes Cortison.

Je nördlicher, desto höher die MS-Rate.Chefarzt Dr. Michael Angerer
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