Internationaler Frauentag
Was Frauen wollen

Der Internationale Frauentag ist ein Anlass zum Feiern - aber auch für kritische Fragen. Vor allem im Beruf sind Frauen noch nicht gleichberechtigt: Auch in Deutschland verdienen sie im Schnitt weniger als Männer. In Führungspositionen sind sie unterrepräsentiert. Frauen erzählen, was sie sich wünschen.


Petra Schober

"Das wichtigste am Frauentag ist das Frauen-Wahlrecht. Und wenn bei den US-Wahlen mehr Frauen wählen würden, dann wäre nicht so einer wie der Trump so weit oben. Denn so einen kann keine Frau wählen", fällt der Parksteinerin gleich auf Anhieb zu diesem Tag ein. Die Besitzerin des Restaurants "Spoon" in Weiden und Konzertveranstalterin fühlt sich selbst nicht benachteiligt in ihren Jobs. "Ich bin mein eigener Chef und bestimme selbst, was ich verdiene." Flüchtlingsfrauen wünscht sie mehr Emanzipation.

Maria Geiss-Wittmann

In der Zeit, in der sie für Familienförderung kämpfte, gab es noch nicht einmal eine gesetzliche Förderung für Kindergärten. 1966 ging sie für die CSU in den Stadtrat Amberg, 1970 in den Landtag. "Ich war die erste Frau aus der Oberpfalz von allen Parteien im Landtag. Die halberte Steinzeit war das." Deshalb würde sie auch Frauen-Quoten für die Wahllisten favorisieren. Es habe sich viel geändert. Sie wünscht sich jedoch, dass Frauen mehr Raum und Zeit bekommen, um sich um Kindererziehung und Karriere zu kümmern.

Viola Vogelsang-Reichl


"Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist kein Selbstläufer", meint die geschäftsführende Verlegerin beim Medienhaus "Der neue Tag". "Da sind der Staat, aber auch der Ehepartner gefragt." Die Erziehung ihrer beiden Söhne (5 und 7 Jahre) teilt sie sich gleichwertig mit ihrem Mann. In der Medienbranche sieht sie den Trend hin zur Gleichstellung. "Wer heute anfängt, hat in der Zukunft die gleichen Chancen, egal ob Frau oder Mann." Frauen hätten im Job auch Vorteile, da sie intuitiver vorgehen und gut organisieren können.


Kim Kießling

Seit fünf Jahren ist sie Militärseelsorgerin in der Weidener Ostmark-Kaserne. Sie begleitete die Soldaten bei Einsätzen im Kosovo und in Mali. Im Hinblick auf andere Kulturen sei sie "sehr dankbar, dass ich in Deutschland lebe und davon profitieren kann, was Frauen in der Vergangenheit erkämpft haben." In ihrem Beruf sieht sie sich im Vorteil: "Ich denke, dass sich starke Männer in der Bundeswehr lieber Frauen anvertrauen." Sie wünscht sich, dass Asylbewerberinnen hier eine nicht-patriarchale Kultur kennenlernen.

Laura Weber

Die Mutter von zwei Söhnen (7 und 15 Jahre) studiert Erneuerbare Energien an der OTH in Amberg und arbeitet auch an der Uni. Ihre Hochschule fördere Frauen in technischen Berufen. Allerdings kenne sie keine anderen studierenden Mütter. "Viel Motivation und Unterstützung durch Freunde und Familie", antwortet sie auf die Frage, wie sie das alles zeitlich vereinbart. Sie wünscht sich, dass die Grenze zwischen typischen Berufsbildern offener werde. "Eine Frau muss in einem Männerberuf Frau sein dürfen. Und umgekehrt."

Christin Seliger


Die Lehrerin unterrichtet am Weidener Augustinus-Gymnasium Biologie und Chemie und macht ehrenamtlich bei der Bergwacht mit. In ihrem Lebensumfeld hat sie überhaupt nicht das Gefühl, benachteiligt zu werden. "Ich merke schon im Alltag, dass in den Männern so ein Beschützerinstinkt drin ist." Aber die gebürtige Vogtländerin stört das nicht. Sie hat einen Wunsch für Frauen aus anderen Lebensumfeldern und Kulturen, die unterdrückt werden: "Dass sie genauso frei leben können wie ich."

Adelheid Schütz


"Ich fühle mich in Beruf und Radsport als Mensch. Aber ich bin trotzdem gerne Frau", sagt die Fakultätsassistentin der Ingenieurwissenschaften an der Universität Bayreuth und bayerische Meisterin im Zeitfahren beim VC Corona Weiden. Als gebürtige Thüringerin schätze sie den Weltfrauentag von klein auf. Es müsse weiter thematisiert werden, dass Frauen weniger verdienen als Männer. In den Chefetagen der Wirtschaft sei für sie wenig Platz. Auf Weltniveau benachteilige auch der Radsport Frauen.

Marianne Schieder

"Es ist zwar nicht mehr so offensichtlich, aber man muss als Frau immer noch sehr viel mehr Leistung bringen", sagt Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder über das politische Geschäft. "Die Show ist bei Männern viel ausschlaggebender." Die gebürtige Wernberg-Köblitzerin im Landkreis Schwandorf kritisiert auch den geringen Anteil der Frauen in Führungsetagen trotz der bestausgebildeten Frauengeneration. Sie vermutet, dass die Arbeit im sozialen Bereich so schlecht bezahlt ist, weil meistens Frauen sie ausüben.

Bianca Fritsch

Im Studium der Kommunikationswissenschaften an der Universität Bamberg fühlt sie sich nicht benachteiligt, im Gegenteil: "Da sind die Männer in der Unterzahl." Auch im Alltag fühlt sie sich gleichberechtigt. "Das hängt auch vom Freundeskreis ab." Allerdings hat die Werkstudentin der NT/AZ-Redaktion aus Waldau (Kreis Neustadt/WN) Bekannte, die wegen Familienplanung vor einem Jobwechsel zurückschrecken. "Ich würde mir zum Frauentag gerne Zeit für meine Freundinnen nehmen und was Schönes machen."

Cornelia Taubmann

Als Stadtkämmerin von Weiden ist sie eine Exotin in ihrem Metier. Ganz stark sei im öffentlichen Bild noch verankert, dass Frauen sich vor allem um Haus und Kinder kümmern. "Als Chefin musste ich mir die Anerkennung bei den Kollegen erkämpfen. Männer werden da viel selbstverständlicher akzeptiert." Zwar sei die Gleichberechtigung von Frauen in Führungspositionen in aller Munde, doch die Realität sehe ganz anders aus. Ihr Wunsch für den Frauentag: "Wenn es ihn nicht mehr geben würde, wenn er sich selbst überflüssig macht."


Seit elf Jahren bei der Bundeswehr: Kathrin Schlanghaufer
Von Eva Hinterberger
"Ich wünsche mir die Gleichstellung der Frauen überall auf der Welt", beschreibt Hauptfeldwebel Kathrin Schlanghaufer ihre Wünsche zum Internationalen Frauentag. Gerade weil in vielen Ländern Frauen unterdrückt werden, findet sie einen solchen Tag gut.

Sie arbeitet selbst seit elf Jahren in einer klassischen Männerdomäne. 2004 hat sich Schlanghaufer entschieden, zur Bundeswehr zu gehen. "Ich war schon immer von Uniformen und dem Militär fasziniert." In der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" in Amberg kümmert sich die 34-Jährige als Personalfeldwebel um die Belange der Soldaten.

Ihre Aufgaben sind vergleichbar mit denen der Personalabteilung eines Wirtschaftsunternehmens. "Wenn ein Soldat heiratet, umzieht oder auf Lehrgang geht, kümmere ich mich um diese Verwaltungsvorgänge."

Probleme aufgrund ihres Geschlechts hat Schlanghaufer nicht. "Wir sind alle Kameraden. Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle." Sie habe durchweg positive Erfahrungen gemacht und wurde von Gleichgestellten als auch Vorgesetzten gut aufgenommen.

Gleiches gilt für die Reaktionen von Außenstehenden. "Wenn ich mich in zivil mit Leuten unterhalte, sind diese oft erstaunt, dass ich als Frau bei der Bundeswehr arbeite", erzählt sie. Grundsätzlich stehen ihre Gesprächspartner ihre Berufswahl aber positiv gegenüber. "Es entstehen oft interessante Diskussionen."

Zuletzt war Schlanghaufer von September 2015 bis Februar 2016 im Kosovo. wo sie sich ebenfalls um die Personalbelange der dort stationierten Soldaten kümmerte. Den Auslandseinsatz selbst beschreibt sie als "prägend". Sie habe Dinge "live" gesehen, die sie sonst nur aus Erzählungen kannte und eine andere Kultur kennengelernt. Persönlich könne sie sagen, sie ist reifer geworden. Grundsätzlich verarbeite aber jeder Soldat einen solchen Einsatz anders.

Wichtig sei es, sich mit der Bundeswehr identifizieren zu können. Schlanghaufer betont auch, dass gerade als Frau "Biss" und Durchsetzungsvermögen nötig seien. "Und Leistungsfähigkeit, sowohl allgemein als auch im sportlichen Bereich." Außerdem müsse sich ein Soldat auf häufige Standortwechsel einstellen - sowohl im In- als auch Ausland.

Linktipps


International Women's Day 2016
Bundeszentrale für politische Bildung zum Weltfrauentag
Vereinte Nationen: Geschichte des Frauentages

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