Interreligiöser Abend in der Buchhandlung "Stangl & Taubald"
Juden, Muslime und Christen zum Thema "Sterben und Jenseits"

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Tod und Glaube: Das hängt zusammen, hat aber je nach Glaube ganz unterschiedliche Folgen. Darüber unterhielten sich beim Interreligiösen Gesprächsabend unter Moderation von (von rechts) Pfarrer Alfons Forster: Werner Friedmann (Jüdische Gemeinde), Imam Maher Kadr (Deutschsprachiger Muslimenkreis), Imam Hüseyin Cetin (Türkisch islamische Gemeinde), Dolmetscherin Gülbin Batibey sowie Pfarrer Peter Peischl (evangelische Kirche). Bild: hcz

Der "Sterbemonat" November inspiriert den Buchhändler und Autor Martin Stangl, sich Gedanken über Tod, Beerdigungsriten und Jenseitsvorstellungen in den verschiedenen Religionen zu machen. Das wirft Fragen auf. Antworten dazu liefert der Interreligiöse Abend.

Martin Stangl gesteht: Er hat nicht gewusst, dass die "Aussegnung" eines Toten aus der evangelischen, und nicht aus der katholischen Liturgie stammt. Auch um derartige Defizite zu beheben, gewann er Vertreter der Weltreligionen, um bei einem Informationsabend in seiner Buchhandlung vor gut 70 Gästen zum Thema "Sterben und Jenseits" zu berichten.

Für die jüdische Gemeinde Weidens zeigte Werner Friedmann auf, dass die Sorge für den Leichnam im Judentum nicht allein der Familie überlassen werde. Die "menschliche Hülle" werde in weißes Tuch gebettet. Die Bestattung solle innerhalb von 24 Stunden erfolgen. Am Totenbett werde die Thora gelesen. Rituelle Waschungen könnten auch von Verwandten gemacht werden. Alles solle in feierlicher Stille geschehen. In den Sarg aus ungehobeltem Holz bekomme der Verstorbene seinen Tallit, den Gebetsschal und etwas Erde aus Israel, um die Verbundenheit mit dem jüdischen Staat zu betonen. Sieben Mal müsse beim Tragen des Sargs zum Friedhof angehalten und das Kaddisch gebetet werden.

Ein Jahr trauern


Seit 1900 gebe es in Weiden einen eigenen Friedhof für die Mitglieder der jüdischen Gemeinde, seit wenigen Jahren einen neuen in der Nähe des Waldfriedhofs. Nötig sei dies, weil man im Judentum an die leibliche Auferstehung glaube und daher die Friedhöfe nie aufgelassen werden dürften. Auch seien deshalb die Gräber Richtung Jerusalem ausgerichtet. Üblich sei eine siebentägige Trauerzeit. Es gebe auch eine 30-tägige und für Verwandte ersten Grades ein einjähriges Trauerjahr, in dem das Kaddisch täglich zu beten sei.

"Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen" berichtete Imam Maher Kadr von den Vorstellungen der Muslime vom Leben und Tod. Man glaube an vier Leben, die jeder Mensch habe, sagte der Vorsitzende des Deutschsprachigen Muslimenkreises in Weiden. Das erste ende in der Gebärmutter der Frau. Das zweite sei das jetzige Leben. Nach dem Tod treffe man sich mit Verwandten und Bekannten im dritten Leben, einer Art Wartestand auf die Auferstehung. Das vierte Leben im Paradies folge. "Jeder, der glaubt, kommt ins Paradies, versprach der Prophet Mohammed", sagte Maher Kadr. Die Seele verglich er mit einem "kleinen Vogel, der beim Tod aus seinem Käfig befreit wird".

Imam Hüseyin Cetin von der Türkisch-islamischen Gemeinde erläuterte, mit Unterstützung von Dolmetscherin Gülbin Batibey, die islamischen Beerdigungsriten und Gebete. In ein weißes, schlichtes Baumwolltuch werde der Körper des Toten gebettet. Nichts werde ins Grab mitgegeben - auch als Zeichen der Gleichheit aller Toten. Nach Ritualwaschungen und Einwickeln solle die Beerdigung schnellstmöglich erfolgen. In Deutschland werde ein einfacher Sarg benutzt. In Ländern, wo es möglich sei, begrabe man ohne Sarg.

Pfarrer Peter Peischl (Vohenstrauß) erinnerte an zahlreiche lokale Bräuche, die sich eingebürgert hätten, wie das Öffnen der Fenster, "dass die Seele hinaus kann". Auch eine Trauerzeit von 40 Tagen oder einem Jahr komme aus der Tradition. Im Gegensatz zu anderen Religionen habe die Leichenwäsche in der evangelischen Kirche keine liturgische Bedeutung. Die Christen glaubten, dass der Verstorbene "zu Gott heimgekehrt" sei.

Dankbar für "Bruder Tod"


Pfarrer Alfons Forster (Michldorf), der die Veranstaltung auch moderierte, ging auf das Ritual der Krankensalbung in der katholischen Kirche ein. Auch erinnerte der Geistliche daran, dass der Heilige Franz von Assisi dankbar für "Bruder Tod" gewesen sei. Interessant sei in diesem Zusammenhang ein Bild in der Klosterkirche in Michelfeld. Dort sei zu sehen, wie ein Sterbender einen kleinen Menschen aushaucht.

Der Erlös dieses Abends komme der Hospizbewegung zugute.

JubiläumskonzertZur Feier des 15-jährigen Bestehens des "Interreligiösen Gesprächskreises" gibt es ein Konzert mit jüdischen Musikern. So spielen Pablo Quintanilla (Violine) und Roman Yuispey (Akkordeon) am Sonntag, 13. November, 17 Uhr, in der Max-Reger-Halle. Karten für fünf Euro gib es im Evangelischen Dekanatsbüro, Pfarramt von Herz Jesu sowie bei der Jüdischen Gemeinde. (hcz)
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angela schuster aus Weiden in der Oberpfalz | 07.11.2016 | 18:47  
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