Israel-Aufenthalt der evangelischen Dekanatsjugend
Friede, Freunde, Frömmigkeit

 

Strenge Sicherheitsvorkehrungen und Dauer-Präsenz des Militärs auf der einen, herzliche Gastfreundschaft und unvergessliche Erlebnisse auf der anderen Seite: Der Israel-Aufenthalt der evangelischen Dekanatsjugend zeigt Chancen und Grenzen der friedlichen Völkerverständigung auf.

Weiden/Neustadt. Ausgangspunkt war die Jugendbegegnung 2015 anlässlich des 70. Todestages Dietrich Bonhoeffers, als jüdische und arabische Jugendliche in Bayern zu Gast waren. 18 Heranwachsende aus dem Dekanat waren nun zum Gegenbesuch in Israel. "Wir verbrachten drei Nächte bei jüdischen Familien, drei bei arabischen und eine Nacht in Jerusalem in einer Jugendherberge", sagte Reiseleiter und Diakon Thomas Vitzthum. Schon am Flughafen lieferten die Gegebenheiten einen Vorgeschmack auf die Besonderheit der Reise.

"Israel-Reisende hatten ein separates Gate am Münchener Flughafen, und die Kontrollen waren sehr genau sowie stets per Hand", meinte Teilnehmerin Tanja Riedel. Zu diesem Bild passte der herzhafte Empfang überhaupt nicht. "Das war der Wahnsinn. Wir kannten uns ja schon aus dem vergangenen Jahr und dementsprechend waren Geschrei und Umarmungen bei der Ankunft", erinnerte sich Jonas Witzl. Auf der Busfahrt vom Flughafen in Tel Aviv in die Familien saßen deutsche, jüdische und arabische Jugendliche nebeneinander. Gewöhnungsbedürftig waren drei warme Mahlzeiten pro Tag, was in dieser Form nicht bekannt war. ",Iss, auch wenn du keinen Hunger hast', hörten wir öfter", sagte Lea Trottmann.

Klare Reihenfolge


Zu den Mahlzeiten saßen nicht selten 20 Leute und mehr zusammen. Die Reihenfolge beim Essen sei zudem streng geregelt. "Die Frau kocht, zunächst für die Gäste, dann für die Männer nach Alter abwärts gestaffelt und abschließend für die Frauen. Die Gastfreundschaft ist sehr im Glauben verwurzelt", erzählte Witzl. Die tiefe Spaltung Israels bestätigte sich für die deutschen Gäste nicht auf den ersten Blick. "Da ist die Kirche neben der Moschee und der Synagoge, worum sich ein Araber kümmert. Allgemein respektieren sich Araber, Moslems, Juden und Christen", sagte Veronika Franz. Allerdings verließen Araber schon mal den Raum, als ein jüdischer Bürgermeister in einem Grußwort betonte: "Wir waren zuerst hier."

Für Vitzthum war es dann wichtig, sich auf die eigentliche Mission zu besinnen. "Wir dürfen uns nicht in die Geschichte einmischen. Wir wollten jüdischen und arabischen Jugendlichen begegnen. Unsere Aktion soll im Optimalfall der Beginn eines gemeinsamen Weges sein, nach dem Motto: 'Mit denen kann man ja'." In vielen Gesprächen kamen die Jugendlichen immer wieder auf den Holocaust zu sprechen. "Dieses Thema hat sich eingebrannt. Aber wir können nicht in der Vergangenheit leben und wollen stattdessen gemeinsame, positive Erfahrungen sammeln", erläuterte Witzl. Nazareth, Kanaa, See Genezareth, Jordan, Golanhöhen, Tiberias und Jerusalem waren Stationen der Dekanatsjugendlichen.

Zettel für Tote


Besonders der Aufenthalt in der israelischen Hauptstadt hinterließ Eindruck. "Die Grabeskirche beheimatet 30 Kapellen mit Nischen für alle möglichen Gruppen. Sie schafft es, allen in einem Haus eine Heimat zu bieten. Die waren damals schon weiter, als wir es heute sind", sagte Riedel. Die Zettel für alle während des Holocausts ermordeten Juden in der Gedenkstätte "Yad Vashem" führte die Grausamkeiten des Zweiten Weltkrieges vor Augen. Das allgegenwärtige Militär sei zwar meist "verstörend" gewesen, unsicher oder gar bedroht hätte sich aber niemand gefühlt. "Die Gewehre bleiben nicht so in der Erinnerung haften wie die Gastfreundlichkeit und die Kontakte zu anderen Jugendlichen", meinte Trottmann.

Via Facebook, Skype und Whatsapp setze sich der Austausch auch nach der Rückkehr fort. Vom 15. bis 29 Juli gibt es bei einer großen Jugendbegegnung mit einem Basiscamp in Altglashütte die Möglichkeit zum Wiedersehen. "Wir werden sehen, wie sich dieser Kontakt weiterentwickelt. Wir haben jedenfalls ein Holzscheit ins Feuer gelegt, und vielleicht findet unser Austausch Nachahmer", hoffte Vitzthum.
Iss, auch wenn du keinen Hunger hast.Lea Trottmann über die israelische Gastfreundschaft
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.