Jahrespressegespräch der DGB in Weiden
"Arbeitsverdichtung" unerträglich

Je stärker der Druck in den Betrieben, umso größer der Zulauf zu den Gewerkschaften. Die Solidarität hilft, bei Tarifverhandlungen die Interessen der Mitglieder durchzusetzen. Dabei geht es längst nicht nur um mehr Lohn. Die Gewerkschafter müssen gegen die unerträgliche "Arbeitsverdichtung" ankämpfen.

Bereits bei den Tarifverhandlungen im Jahr 2017 werde das Thema "intelligente Arbeitszeit" auf der Tagesordnung stehen, kündigte Horst Ott, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Amberg, beim Jahrespressegespräch von DGB und Gewerkschaften in Weiden an. Der Umgang mit Zeit, die unmenschlich gewordene "Arbeitsverdichtung" im Angestelltenbereich, aber auch bei den gewerblichen Mitarbeitern, müssten in den Mittelpunkt gerückt werden. "Wir brauchen zukunftsfähige Lösungen", sagte Ott. Und darüber werden die Gewerkschaften in diesem Jahr intensiv diskutieren. "Die Menschen sind längst an der Belastungsgrenze angekommen."

Kollektives Wehklagen


Die Gewerkschafter kritisierten, dass nahezu alle Arbeitgeberverbände den Abschluss der Tarifverhandlungen "verkomplizierten": "Es wird immer schwerer." "Bei den Aktionären glänzen sie, erzählen, wie erfolgreich sie sind. Gegenüber den Gewerkschaften kommt das kollektive Jammern und Wehklagen. Wir kennen schon ihre Antworten: ,Es gibt nichts zu verteilen'". Ein gerechter Lohn, unterstrich Ott, "hat auch etwas mit der Wertschätzung der geleisteten Arbeit zu tun."

Auch in Verhandlungsrunde 2016 in der Metall- und Elektro-Branche würden sich die Arbeitgeberverbände zunächst nicht bewegen. "Dann gehen wir in zwei Warnstreikphasen und hoffen auf ein schönes Ergebnis." Den Betrieben gehe es sehr gut, und der steigende Organisationsgrad erhöhe die Durchschlagskraft seiner Gewerkschaft, die in der Bezirksstelle Amberg mit 16 000 einen neuen Mitgliederhöchststand verbucht. Die Forderung liege zwischen 4,5 bis 5 Prozent mehr Lohn.

Das dritte große Thema seien die Organisationswahlen. Die 23 Wahlkreise hätten gerade ihre 88 Delegierten bestimmt, die am 18. März tagen. Dabei werden alle Funktionen neu besetzt. "Das Gros der alten Mannschaften tritt wieder an."

Bau holt auf


Die Industriegewerkschaft Bauen- Agrar-Umwelt hat ihre Tarifverhandlungen hinter sich gebracht. Die Löhne erhöhten sich im Bauhauptgewerbe, so berichtete Branchensekretär Karl Toth, nicht prozentual, sondern um den festen Betrag von 173 Euro je Lohnstufe. Toth sieht aber weiteren Handlungsbedarf: So müssten die seit 30 Jahren unveränderte Auslöse für Bauarbeiter angehoben, Fahrzeiten zu auswärtigen Arbeitsstellen als Arbeitszeit angerechnet und einheitliche Standards bei "Container-Unterbringung" eingeführt werden. Höchste Zeit sei es auch, alte Ungereimtheiten in den Tarifverträgen zu beseitigen, zum Beispiel die Regelungen für 24. und 31. Dezember.

"Ganz seltsam", meinte Toth, verhalte sich das Gebäudereinigungsgewerbe. Dort ist zwar ein neuer Mindestlohn (9,80 Euro je Stunde bei Innenreinigung, 12,98 Euro pro Stunde bei Glas- und Außenreinigung) vereinbart. Jedoch kündigten einige Betriebe bereits an, nur den gesetzlichen Mindestlohn zahlen zu wollen. "Sie spielen mit der Angst der Leute", vermutete Toth. Das Risiko, dass Mitarbeiter ihren gerechten Lohn einfordern, halten die Chef offenbar für gering. "Wer klagt, der fliegt."

Auch im Bereich der IG BAU sei die Arbeitsbelastung, gerade bei den geringfügig Beschäftigten, nicht mehr zu ertragen. Die Gewerkschaft sei bereit, mit Streiks einzugreifen.
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