Jeder zweite Studienanfänger an der OTH Amberg-Weiden bricht sein Studium ab
Tschüss, Hochschule

OTH-Präsidentin Prof. Dr. Andrea Klug (links) und OTH-Bereichsleiter Dr. Wolfgang Weber sind davon überzeugt, dass die zahlreichen Maßnahmen zur Reduzierung der Abbrecherquote Wirkung zeigen werden. Bild: sbü
 

Jeder zweite Studienanfänger an der OTH Amberg-Weiden bricht sein Studium ab. Das zeigt eine Studie. Trotzdem ist das kein Grund für Abiturienten, vor einer Hochschulkarriere zurückzuschrecken, meint die Hochschul-Präsidentin. Besonders in unserer Region mit weit unterdurchschnittlicher Akademikerquote.

Bevor es so richtig los geht, ist bei 50 Prozent der Studienanfänger an der OTH Amberg-Weiden schon wieder Schluss mit Vorlesungen. Sie brechen ihr Studium ab. Zu diesem Ergebnis kommen Prof. Dr. Horst Rottmann und Bernd Rager. Sie veröffentlichten ihre zweite Untersuchung in der Sache und die erste, die sich mit den Jahren 2003 bis 2010 befasst. Über das Thema Studienabbrecher machen sich auch Prof. Dr. Andrea Klug, Präsidentin der Hochschule Amberg-Weiden, und Dr. Wolfgang Weber, Leiter des OTH-Bereichs Grundsatzangelegenheiten und Hochschulentwicklung, ihre Gedanken.

Welche Bedeutung hat das Ergebnis der Untersuchung über Studienabbrecher für Sie als Hochschulleitung?

Prof. Dr. Andrea Klug: Wir beurteilen die Untersuchung insgesamt sehr positiv. Wenngleich wir verstehen, wenn jemand von der hohen Abbrecherquote überrascht ist. Wichtig für das Verständnis der Ergebnisse ist, dass wir uns im Jahre 2011 an einer Ausschreibung für das Best-Mint-Projekt des bayrischen Wissenschaftsministeriums beworben haben. Ziel dieses Projekts war, Maßnahmekonzepte zu entwickeln, um die überall hohen Abbrecherquoten in den Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) zu reduzieren. Die Studie war Teil des Antrags. Denn um die Wirkung unseres Konzepts zu messen, mussten wir für die Vergangenheit unsere Quoten und die wichtigsten Einflussfaktoren feststellen.

Was sind die häufigsten Gründe, das Studium vorzeitig zu beenden?

Prof. Klug: Einige Risikofaktoren, wie mäßige Abiturnote oder höheres Lebensalter bei Studienbeginn, sind der Studie zu entnehmen. Für besonders wichtig halte ich aber die Tatsache, dass heutzutage auch 17-Jährige mit einem Studium beginnen. Phasen der Persönlichkeitsbildung werden somit an die Hochschule verlagert. Vor dem Abitur besteht meist wenig Zeit, sich vertieft über Studieninhalte zu informieren.

In unserer Region lag die Akademikerquote lange deutlich unter 5 Prozent der Beschäftigten. Wir sprechen deshalb auch von vielen sogenannten Studienpionieren. Sie kommen aus Familien, die mit der Situation an Hochschulen weniger vertraut sind.

Die Untersuchung zeigt auch, die Ursachen für den Abbruch liegen weniger in schlechten Prüfungsleistungen, sondern in sonstigen Gründen wie Studienfachwechsel oder persönlichen Lebensumständen.

Was kann in diesem Zusammenhang unternommen werden?

Dr. Wolfgang Weber: Genau hier setzen unsere Maßnahmen an. Ich nenne nur einige Beispiele wie Mathematik-Propädeutikum, Lern- und Schreibwerkstatt, Vorkurse und Mentoring. Sie haben bereits Wirkung entfaltet. Dies zeigen auch die positiven Rückmeldungen der Studierenden. Außerdem werden wir im Zuge einer im Wintersemester 2015/2016 gestarteten Kohortenuntersuchung feststellen, welche Gründe gegebenenfalls zu einem Abbruch des Studienganges führen, und wie sich der weitere Weg dann darstellt.

Handwerksvertreter sprechen in letzter Zeit vom Akademikerwahn. Beginnen zu viele Abiturienten ein Studium?

Prof. Klug: In einer Region mit weit unterdurchschnittlicher Akademikerquote gibt es einen gewissen Nachholbedarf. Und man muss sagen, nach wie vor werden uns vor allem in den Mint-Fächern die Absolventen aus der Hand gerissen. Die Trennung zwischen den einen, die studieren und den anderen, die eine Berufsausbildung machen, entspricht ohnehin nicht mehr der Realität. Sie verschwimmt in der Durchlässigkeit. Rund 20 Prozent der Studenten verfügen bereits über eine Berufsausbildung. Und in den dualen Studiengängen können beide Abschlüsse erworben werden. Bei uns studieren auch zahlreiche Handwerksmeister. Wir sind eine Hochschule für angewandte Wissenschaften und arbeiten eng mit Betrieben zusammen. So gibt es wenig Trennung zwischen Praxis und Theorie.

Handwerkseinrichtungen sind innovative Lernorte, wir pflegen zahlreiche Kooperation. Erst kürzlich wurde mit der Hotelfachschule Pegnitz eine neue geschlossen. Wir öffnen uns auch immer mehr für die berufliche Fortbildung.

Was raten Sie Schülern und ihren Eltern, um das Risiko des Studienabbruchs zu vermindern?

Dr. Weber: Mein Rat ist, genau in sich hineinzuhören, welche Begabungen und Talente sich für welche Studienrichtung eignen können. Hier helfen auch Studieneignungstests. Es gibt sie online. Auch die Begeisterung für Fächer in der Schule gibt Hinweise.

Zudem sollten alle vorhandenen Informationsquellen rechtzeitig in Anspruch genommen werden, sei dies an Schule oder Hochschule. Ich denke hier an Studieninformationstage, Tage der offenen Tür, an ein Schnupperstudium, die Studienberatung und selbstverständlich auch an Online-Informationsangebote. Insbesondere schlage ich Studieninteressierten vor, mit Studierenden zu sprechen, oder sich in einer freien Zeit, etwa in den Schulferien, mit in eine Vorlesung - möglichst für Erstsemester - zu setzen.
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