Josef Kraus referiert bei Freundeskreis der Akademie Tutzing
Dummheit darf nicht dominieren

Eigentlich wollte Josef Kraus seine Zuhörer nur kabarettistisch unterhalten. Doch dann wurde eine erste Diskussion daraus.

Schon das Thema machte neugierig. Über "Die vielen Gesichter der Dummheit" sprach Josef Kraus in der Vortragsreihe des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Tutzing. Was der bekannte Buchautor ("Helicoptereltern", "Der Pisa Schwindel"), Bildungsexperte, Fernsehkommentator und Diskussionsteilnehmer zahlreicher Fernseh-Talkrunden seinen Zuhörern servierte, war zunächst außerordentlich unterhaltsam.

Auch Sprachästheten dürften voll auf ihre Kosten gekommen sein. Nicht nur wegen zahlreicher Zitate berühmter Philosophen und Literaten über die menschliche Dummheit. Auch die eigene Formulierungskunst erreichte höchstes Niveau: "Die libidinös-kopulative Frequenz verhält sich umgekehrt proportional zur Höhe des Intelligenzquotienten." Belegt wurde dies mit der durchschnittlichen Kinderzahl von Akademikerinnen von 0,6 gegenüber 1,3 in der Gesamtbevölkerung.

Kraus stellte generell fest: "Von Geburt her und hirnmäßig sind wir nicht schlauer als die Steinzeitmenschen." Das Thema Dummheit beleuchtete der Referent aus verschiedensten Blickwinkeln. Unter anderem historisch, als er behauptete: "Die Weltgeschichte wird in mindestens gleichem Umfang wie von Intelligenz und von Einsicht vom Gegenteil beherrscht: von Dummheit nämlich." Dass unsere Sprache weitaus mehr Synonyme für Dummheit besitzt, belegte Kraus mit einer endlosen Kette von Beispielen von Armleuchter bis Trottel. Für das verbale Gegenteil wie "klug oder geistreich" gebe es weitaus weniger Ausdrücke.

Dann wandte sich Kraus der Verbindung zwischen Dummheit und den Medien sowie der Politik zu. "Stets neue Tiefpunkte auf der nach unten offenen Richterskala erreichen Müllsendungen wie die Dschungel-Show." Von der Macht des Geistes spüre man heute wenig, umso mehr vom "(Un-)Geist der Macht". Lautes Lachen der Zuhörer löste ein Zitat von Lukas Podolski aus: "Fußball ist wie Schach - nur ohne Würfel." Gegenüber Dummheit sei allerdings auf keinen Fall Toleranz angesagt, fordert Kraus: "Wenn Klügere immer nachgeben, begründet das die totale Weltherrschaft der Dummen."

Als ehemals langjähriger Leiter eines Gymnasiums in Vilsbiburg kam Kraus auch auf die Bildungspolitik und die Pädagogik. Dabei stellte er fest, dass in der modernen Pädagogik Dummheit nicht mehr vorkomme, lediglich "einseitig Begabte" oder "Demotivierte". Erstmals kam so damit ein etwas ernsterer Hintergrund auf: "Die Schule ist dazu da, die Dummheit der Schulpolitik auszumerzen." In den Pisa-Studien sieht er die Gefahr, Bildung nur auf Verwertbares und Messbares zu reduzieren. Pisa erfasse nicht sprachliche Ausdrucksweise, ästhetische Bildung oder soziale und emotionale Intelligenz. Junge Leute würden lediglich dazu erzogen, "im globalen Haifischbecken zu überleben". Er selbst habe ein anderes Verständnis von Elite. Es gäbe auch hochbegabte Handwerker. Das G8 hält er "für eine der größten politischen Dummheiten". Es nehme keine Rücksicht auf die notwendige soziale und emotionale Reifezeit von 17- bis 19-Jährigen.
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