Josef Neubauer hilft Weidener Richtern ehrenamtlich bei einer Urteilsfindung
Schöffe mit Herz und Verstand

Schwarze Roben, strenge Fragen, wildes Jonglieren mit Paragrafen und auf der Suche nach der Wahrheit - Verhandlungen bei Gericht sind oft spannend. Zum Tag des Ehrenamtes, 5. Dezember, erzählt Josef Neubauer (67) aus Dorfgmünd bei Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) im Interview von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Schöffe beim Gericht in Weiden.

Herr Neubauer, was macht ein Schöffe?

Josef Neubauer: Da ist man beim Amtsgericht beziehungsweise beim Landgericht - die ehrenamtlichen Richterhelfer zum offiziellen Richter sozusagen. Die Schöffen beraten den Richter bei der Urteilsfindung in jeglicher Hinsicht - nicht nur zur milderen Strafe hin. Es wird versucht, durch die Schöffen die "zivile" Komponente mit einfließen zu lassen, neben der rechtlichen. Man versucht sich als Unbeteiligter in die Situation des Angeklagten zu versetzen.

Wie oft sind Sie Schöffe?

Neubauer:In der Regel einmal im Monat. Es kommt aber darauf an, es kann ein einzelner Fall sein oder einer vormittags und dann nachmittags noch einmal. Das Problem dabei ist, es müssen immer die gleichen Schöffen bei einem Prozess sein. Wenn er sich aus irgendwelchen Gründen in die Länge zieht, kann es nicht sein, dass heute Schöffe Huber und morgen Schöffe Meier dabei ist. Es wird versucht, die Termine so zu legen, dass beide Schöffen plus Richter Zeit haben. Ich bin ja Rentner. Da ist der Zeitfaktor nicht der ausschlaggebende Punkt.

Womit beschäftigen Sie sich oft bei Gericht?

Neubauer:Mit räuberischem Betrug, häuslicher Gewalt, Drogen, Schleusern. Delikte, die mit dem Drogenmarkt zusammenhängen.

Wie wird man Schöffe?

Neubauer:Gemeinden müssen eine bestimmte Anzahl von Kandidaten angeben. Da kann man sich freiwillig melden. Wichtig ist, dass man ein gutes Führungszeugnis hat. Ein Straftäter wäre eher ein weniger guter Kandidat. Dann wird man von der Stadt gemeldet und ein Gremium aus Richtern und Politikern, die für den Amtsbezirk des Gerichtes zuständig sind, wählen die Hauptschöffen und deren Vertretungen. Man kriegt eine Liste, auf der steht, an welchem Tag die Verhandlungen sind. Die Fälle weiß man vorher nicht, ist auch gut so. Es ist immer wieder eine kleine Überraschung. Für den Fall, dass man mit dem Angeklagten in einer Geschäftsbeziehung oder so ist, muss der Richter informiert werden, dass man befangen sein könnte. Der Prozess wird dann verschoben und ein anderer Schöffe gesucht.

Wie lange sind Sie schon Schöffe? Und wollen Sie noch einmal kandidieren?

Neubauer:Zwei Jahre. Das ist eine Frage der Gesundheit, ob ich mich noch einmal vorschlagen lasse.

Gab es ein Erlebnis, das Sie bis heute nicht loslässt?

Neubauer:Eigentlich nicht. Man muss das neutral sehen. Nach der Sitzung ist alles vorbei und man geht heim. Am spaßigsten sind aber oft die Anwälte. Da wundere ich mich manchmal, wenn Dinge glasklar sind und der Verteidiger noch das letzte Gute an der Tat vorbringen will. Da fragt man sich, meint er das tatsächlich ernst. Aber es ist halt ihr Beruf.
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Matthias Speidel aus Regensburg | 13.01.2016 | 23:16  
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