Karin Adam frisiert in ihrem Salon Nikolaus-Bärte
Bischof bis in die Spitzen

Hübsch gelockt, so muss er aussehen, der auffrisierte Nikolausbart. (Foto: Schönberger)
 
Gut gewickelt ist am Ende hübsch gelockt. (Foto: Schönberger)

Die einen wollen ihn gestutzt und getrimmt, die anderen bevorzugen die natürliche Variante. Es gibt viele Arten, einen Bart zu tragen. Der Nikolaus bevorzugt die leicht gelockte. Eine Friseurin in der Region weiß genau das nur zu gut.

Karin Adam steht am Fenster ihres Frisörsalon in Schirmitz - sie braucht viel Licht, um genau arbeiten zu können. Vor ihr steht ein Styroporkopf. Vorsichtig zieht sie eine schneeweiße Kunsthaar-Perücke darüber. Sie nimmt eine dünne Strähne und kämmt sie. Zudem muss das Haar nass sein, anders funktioniert es nicht. Behutsam dreht die Frisörin den Schopf um einen orange-schwarzen Lockenwickler - gleichmäßig, damit die Spiralen am Ende schön fallen. "Je dünner die Strähnen, desto besser." Für den Nikolaus, wohlgemerkt.

Für ihn präpariert Adam diese Perücke. Und nicht nur für ihn. Seit 1984 stylt die Frisörin ehrenamtlich Bärte und Kopfhaar-Perücken aller Kolping-Nikoläuse aus Schirmitz. "Es ist eine schöne Abwechslung zu meinem Berufs-Alltag. Ich freue mich jedes Jahr darauf." Ende Oktober oder Anfang November werden die Kunsthaare jedes Jahr angeliefert - heuer sind es fünf Bärte und drei Perücken.

Gut gewickelt gefällt


"Meine damalige Chefin hat das früher auch schon gemacht. Ich habe diese Aufgabe von ihr übernommen", verrät Adam. Ihre Motivation ist aber vor allem eine - das Gefühl, jemanden eine Freunde zu machen. "Schöne Nikoläuse begeistern Kinder und machen sie glücklich. Dazu gehört ein toller Bart. Ich kenne das aus meiner eigenen Kindheit."

Doch bis es so weit ist, heißt es für Adam kämmen, wickeln, trocknen. "Zuerst waschen wir die Perücken. Es ist einfach hygienischer, wenn sie jedes Jahr ein anderer im Gesicht trägt." Wichtig sei es, das Haar gut zu pflegen - mit Shampoo und etwas Spülung. "Festiger oder Haarspray darf man auf keinen Fall benutzen, dann verkleben die Haare. Behandelt man sie gut, halten sie jahrelang."

Das Kunsthaar ist an ein Netz geknüpft, um in Form zu bleiben. Ist es gekämmt, wird es akkurat mit Lockenwickler eingedreht. "Das schwierigste ist, den Oberlippenbart richtig zu drehen. Mir ist es schon passiert, dass ich ihn falsch eingewickelt habe und er nach oben stand. Dann musste ich alles noch mal machen."

Anschließend heißt es: Zwei bis drei Tage trocknen lassen. "Deshalb beginnen wir immer mit den Bärten, die sind dicker und brauchen länger." Pro Bart und Kopfhaarperücke müssen etwa zwei bis drei Stunden Arbeit gerechnet werden. "Das machen wir zwischendurch, wenn gerade mal nichts anderes zu tun ist."

Adam nimmt einen in bunte Lockenwickler eingedrehten Bart und blickt noch einmal prüfend darauf. "Der ist trocken, jetzt kann ich ihn abwickeln." Nach etwa zehn Minuten zeigt sich die gewellte Haar-Pracht. Gekämmt wird sie nicht mehr, "das wäre schlecht für die Spiralen". Etwa zwei Wochen nach der Lieferung werden die Bärte dann wieder abgeholt. Eine Anprobe gibt es nicht: "Es sind jedes Jahr die gleichen Nikoläuse, die wissen, wie sie die Bärte anlegen müssen."

Einer von ihnen ist Josef Ziegler, Vorsitzender von Kolping Schirmitz. Seit mehr als 40 Jahren zieht sich der pensionierte Polizist das rot-weiße Nikolaus-Kostüm über, legt den typischen Bart an und besucht Familien, Kindergärten und Schulen in Schirmitz. "Es macht mir unheimlich Spaß, die strahlenden Kinderaugen zu sehen, wenn ich durch die Tür komme. Und die Kleinen haben immer noch Respekt vor dem Nikolaus, vor allem, wenn Knecht Ruprecht mit dabei ist. Das ist natürlich gut für die Eltern, wenn sie uns etwas für die Kinder auftragen."

Bischof folgt nicht


Ziegler erinnert sich an ein besonderes Erlebnis: Vor ein paar Jahren habe ihm eine Mutter einen Zettel für sein goldenes Buch gegeben, auf dem stand, das Kind solle seinen Schnuller abgeben. "Ich habe aber gleich gemerkt, wie schwer es dem Kleinen fällt. Also habe ich gesagt: Vielleicht nehme ich ihn dann nächstes Jahr mit. Die Mama hat komisch geschaut, aber das Kind hat sich wahnsinnig gefreut."

Pro Jahr sind vier Paare - jeweils ein Nikolaus und ein Knecht Ruprecht - insgesamt etwa 40 Mal im "Einsatz". Die Kolping-Mitglieder verlangen für ihr Engagement nichts. Dafür bekommen sie etwas "viel schöneres": "Immer wieder singen uns die Kinder Lieder vor oder malen uns Bilder. Das macht uns glücklich."
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