Klage über hohe Strafen in Weiden wegen Crystal-Einfuhr
Anwalt verteidigt die "Hitler-Drogen"

Rechtsanwalt Helmut von Kietzell (Regensburg) berichtete, dass im Bezirksklinikum des öfteren Verwunderung über die hohen Strafen herrsche, die in Weiden verhängt werden. Auch erinnerte er an den großen Dichter Gottfried Benn, der leidenschaftlicher Amphetamin-Konsument war und an "Millionen Dosen Pervetin", die im Krieg für die Soldaten vorgehalten worden seien.

Und da solle sein Mandant, der "aus Angst vor einem lang dauernden Methadon-Entzug lediglich sechs Gramm Wirkstoff aus der Tschechei geholt" habe, mit siebeneinhalb Jahren Gefängnis bestraft werden? Freiheitsentzug helfe nicht. Er schade seinem, seit vielen Jahren schwer abhängigem Mandanten nur, sagte der Verteidiger. Mit seinem Antrag, diesen doch noch ein Mal auf Therapie zu schicken, obwohl Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder wenig Erfolgsaussichten prognostiziert hatte, hatte von Kietzell Erfolg.

Die 1. große Strafkammer, besetzt mit Landgerichtspräsident Walter Leupold, Richter Matthias Bauer und zwei Schöffen, verurteilte den 31-jährigen Angeklagten wegen bewaffneter Rauschgifteinfuhr zu sechs Jahren. Von diesen muss er jedoch nur eines absitzen. Dann kommt er in eine Entzugsklinik und wird bei erfolgreicher Therapie nach zwei Jahren auf Bewährung entlassen.

Mitte September letzten Jahres hatte die Polizei den Ledigen beim illegalen Grenzübertritt zu Fuß bei Egerteich (nahe Waldsassen) erwischt. Im Gepäck hatte er etwas über neun Gramm Crystal gehabt. Zudem ein Wurfmesser, was ihm die Anklage wegen "bewaffneten" Rauschgiftschmuggels einbrachte. In der Verhandlung trug der Mann aus dem östlichen Landkreis Neustadt/WN vor, er sei von der Polizei zur Aussage gedrängt worden, dass er das Messer zur Selbstverteidigung dabei gehabt habe.

Zweifel an Suchtdruck


Auch sei die Fahrt zum Vietnamesenmarkt keine geplante Tat gewesen, sondern ein unter Suchtdruck und Entzugserscheinungen entstandener Entschluss. Dass diese so schlimm gewesen waren, wie es der Berufslose schilderte, bestätigte Dr. Andreas von Bohlen als Zeuge nicht. Der Arzt war nach der Festnahme zu dem Beschuldigten in die Haftzelle gerufen worden, weil dieser "etwas gegen den Entzug" verlangt hatte. Der Facharzt hatte jedoch keinen akuten Behandlungsbedarf gesehen.

Staatsanwalt Christian Härtl stellte deshalb fest: "Er hat genau gewusst, was er tat". Der Anklagevertreter hielt dem 31-Jährigen sein Geständnis und die Einsicht in seine Suchtproblematik zugute, forderte aber trotzdem siebeneinhalb Jahre Freiheitsentzug.
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Helmut von Kietzell aus Regensburg | 18.05.2016 | 16:42  
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