Kliniken Amberg und Weiden gründen Neuroradiologisches Zentrum
Gemeinsam gegen Schlaganfall

Die Klinken Amberg und Weiden rücken noch mehr zusammen. Gemeinsam gründen sie ein Neuroradiologisches Zentrum. Profitieren sollen vor allem Schlaganfall-Patienten von dieser Kooperation, die bayernweit einmalig ist.

/Amberg. Der Unfall auf der A 93 war heftig. Aber die Ärzte wissen nicht sofort, welche Verletzungen die junge Frau erlitten hat, die danach ins Amberger Klinikum St. Marien eingeliefert wurde. Sie verständigen den neurologischen Facharzt, der schließlich eine schwere Verletzung der Halsschlagader feststellt. Es ist kritisch. Die Amberger ziehen einen Radiologen der Kliniken Nordoberpfalz AG mit Sitz in Weiden zu Rat. Ergebnis: Die Frau braucht eine Gefäßstütze. Die bekommt sie schließlich von Spezialisten am Klinikum in der Max-Reger-Stadt. Der Blutfluss im Gehirn ist wieder hergestellt.

Dieser Fall ereignete sich im September. Am Dienstag schildern ihn die beteiligten Chefärzte erneut: Dr. Frank Huber (Neurologische Klinik Amberg), Professor Dr. Christian Paetzel (Radiologie Weiden) und Dr. Michael Angerer (Neurologie Weiden). Die Patientin profitierte von einer Kliniken-übergreifenden Zusammenarbeit, die zwischen Amberg und Weiden in den Disziplinen Neurologie, -chirurgie und Radiologie seit 2008 existiert und jetzt in feste Formen gegossen ist. Dazu gründeten beide Häuser das Neuroradiologische Zentrum Nordostbayern (NRZ). Seine Aufgaben sind Diagnostik, Beratung und Behandlung bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems, also Gehirn und Rückenmark.

Die Leitung des NRZ hat PD Dr. Thomas Finkenzeller (Weiden), Stellvertreter ist der Amberger Huber. Beteiligt sind Neurologie, Neurochirurgie, Neuroradiologie, Gefäßchirurgie und Anästhesie sowie angrenzende Fächer. Profitieren sollen beispielsweise Patienten mit Multipler Sklerose oder bestimmten Formen von Blutungen. Vor allem aber Betroffene bei einem Schlaganfall.

Das hat mit einer recht neuen Entwicklung zu tun: Wenn bei einem Schlaganfall ein Gerinnsel ein relativ großes Gefäß im Gehirn verstopft, reichte die Behandlung mit einem Medikament allein meist nicht aus. Radiologen können in solchen Fällen entscheidend helfen, indem sie mit einem Katheter, der in die Leistenarterie eingeführt wird, das Gerinnsel herausziehen. In Weiden gibt es dieses Verfahren schon länger, das seit Kurzem auch offiziell als Standard gilt. Das NRZ ermöglicht dies nun auch in Amberg: Weidener Radiologen helfen bei der Ausbildung ihrer Kollegen, außerdem kommen sie selbst zu Patienten in die Vilsstadt.

Das spart Patienten Wege in andere Kliniken und damit wertvolle Zeit. Daneben können die beiden Häuser jetzt etwas "leisten, das sonst eigentlich nur Universitätskliniken können", wie Finkenzeller sagt. Eine ähnliche Kooperation im ländlichen Raum gibt es nach Wissen der Mediziner sonst nirgends in Bayern. Aber auch die Weidener werden künftig mehr Besuch aus Amberg bekommen, insbesondere von den Neurochirurgen, die beispielsweise Patienten nach Unfällen vor Ort helfen. Wie die Vorstände der zwei Häuser, Josef Götz (Weiden) und Manfred Wendl (Amberg), betonen, lasse sich das NRZ nur gemeinsam auf die Beine stellen. Weil beide nur zusammen die nötige Größe, Fachkompetenz und das ausreichende Einzugsgebiet hätten. Entsprechend seien weitere Kooperationen angedacht. (Seite 6)
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