Körperverletzung in der Disco - 33-Jähriger erzählt
K.-o.-Schlag auf der Tanzfläche

Ein 33-Jähriger wird in einer Disco übel zugerichtet. Nun appelliert er an andere Nachtschwärmer, bei Schlägereien mehr Courage zu zeigen. Tatsächlich sind Körperverletzungen in Weidener Clubs nicht selten. Der Trend ist laut Polizei aber anders als gedacht.

Es sieht aus wie eine schrumplige, lange gereifte Zwetschge. Dass auf dem Foto eigentlich das Auge eines Mannes zu sehen ist, erkennt man erst auf den zweiten Blick - derart lila und verschwollen ist es. Das Foto entstand kurz nach der Nacht zum 20. März. In den frühen Morgenstunden jenes Sonntags, gegen 3 Uhr, war der Mann in einer Disco am Josef-Witt-Platz mit einem Schlag aufs Auge niedergestreckt worden. Einfach so. So erzählt es jedenfalls der 33-jährige Weidener. Es habe keinen Streit, keine Provokation oder Warnung gegeben. Gar nichts.

Alles zappenduster


Er sei an der Bar gewesen, als er über die Tanzfläche zu seinen Freunden gehen wollte: Zack - und alles sei zappenduster geworden. "Ich war komplett besinnungslos auf dem Boden." Wie lange er dort lag, wisse er nicht. Die Freunde und ein Mitarbeiter der Security hätten ihn schließlich nach draußen gebracht, die Freunde ihn dann nach Hause.

Der Mann bittet darum, seinen Namen nicht in die Zeitung zu schreiben. Seine Geschichte will er aber erzählen. Um aufzurütteln. Denn in seinem Fall sei der Täter einfach verschwunden. Niemand sei eingeschritten. Es sei wichtig, dass die Umstehenden Courage zeigen, notfalls Hilfe rufen, nicht gleichgültig wegsehen. Schließlich können die Folgen gravierend sein.

Tatsächlich ist noch nicht klar, was aus seinem Auge wird. Nach der Nacht ging er ins Klinikum. Dort hätten sie eine Fraktur im Gesicht und vor allem erhebliche Verletzungen am Auge festgestellt, wegen der er rasch zur Behandlung nach Regensburg musste. Vier Mal sei er bisher schon dort gewesen. Die Schwellung ist zwar zurückgegangen. Trotzdem sehe er mit dem immer noch blutunterlaufenen Auge teils verschwommen, teils nur halb so viel wie zuvor. Ob es bleibende Schäden gibt, sei offen. So etwas könne jedem passieren, sagt der Weidener. Und deshalb sollten andere bei solchen Vorfällen nicht einfach wegschauen.

Der Eindruck, dass Ähnliches in und um Discos jederzeit geschehen kann, drängt sich in der Tat leicht auf. Allein an jenem Wochenende 19./20. März berichtete die Polizei von vier Schlägereien vor beziehungsweise in vier Weidener Discos. Trotzdem ist das Bild nicht nicht so eindeutig. Spätnachts ausgehen ist in Weiden derzeit sogar recht sicher. Jedenfalls im Vergleich zu früher.

Weniger Fälle


Das heißt nicht, dass es ruhig wäre. Natürlich seien die Discos Einsatzschwerpunkte für die Kollegen am Wochenende, sagt Polizeisprecher Günther Burkhard. 2015 zählten die Beamten in den damals noch sechs Weidener Clubs 97 Vorfälle - vom Hausfriedensbruch bis zum Diebstahl. 52 davon waren Körperverletzungen, darunter 4 schwere. Dabei sei aber keine bestimmte Tätergruppe verantwortlich. Die Gründe seien meist viel banaler. "Sehr oft ist übermäßiger Alkoholkonsum eine der Hauptursachen." Wobei nicht nur Angreifer, sondern auch Geschädigte häufig viel getrunken hätten.

Aber, auch das betont Burkhard, die Zahlen seien gesunken. Vor rund einem Jahrzehnt habe die Polizei vor einer Disco in der Regensburger Straße sogar Standposten eingerichtet. Von den Auswüchsen damals sei das Nachtleben heute zum Glück entfernt. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Betreiberwechsel zum Beispiel. Hilfreich seien aber auch Gespräche der Polizei mit den Verantwortlichen gewesen, die im Anschluss ihr Sicherheitskonzept überarbeitet hätten. Oder die Security verstärkt haben. Ohnehin spiele das Sicherheitspersonal eine wichtige Rolle. Wenn es gut geschult sei und Fingerspitzengefühl habe, könne es vieles schon im Keim ersticken.

Dem 33-Jährigen mit dem lädierten Auge hilft die positive Gesamtentwicklung freilich wenig. Er erstattete erst nach der fatalen Nacht Anzeige. Die Polizei bemühe sich seitdem, erklärt Burkhard. Aber es sei schwierig. Eine Befragung der Security etwa "hat bis dato nichts Verwertbares ergeben". Auch die Kameraaufzeichnungen seien schwer auszuwerten, weil die Blitzlichter der Disco das Bild stören. Hilfreich wäre natürlich, wenn sich weitere Zeugen melden (Telefon 0961/401-321).

Sofort Polizei verständigen


Wichtig sei in solchen Fällen auch, sofort die Polizei zu rufen. Dann seien die involvierten Leute noch vor Ort. Außerdem lasse sich der Sachverhalt gleich klären: Wer waren die Beteiligten? Gibt es zumindest Zeugen?

Umgekehrt gilt aber auch trotz der schweren Ermittlungen: Sollte der Täter erwischt werden, droht ihm unter Umständen Einiges. Auf eine einfache Körperverletzung stehen bis zu fünf Jahre oder eine Geldstrafe. Sollte das Ganze als gefährliche Körperverletzung eingestuft werden, sind es sogar bis zu zehn Jahre.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.