Kolumne: OTon
Ausnahmezustand im Dschungel

Bild: dpa
Alle Jahre wieder gibt es zwei Wochen im Januar, in denen sich zwölf C-Prominente nach Australien begeben. Sie kehren ihr emotionalstes Inneres nach außen und zeigen sich von ihrer „besten Seite“: Das Dschungelcamp hat begonnen. Jedes Jahr stellt man sich die gleiche Frage. Wer sind die Leute eigentlich? Nach langer Recherche bei Wikipedia kommt man der Antwort ein Stück näher. Naja, nicht immer – denn nicht jeder Teilnehmer findet Erwähnung in einem Wikipedia-Artikel - man erinnere sich an Julian F.M. Stöckel, der sich 2014 durch den Dschungel Australiens kämpfte. Vor seinem Dschungel-Gang hörte man kaum etwas von dem „Schauspieler, Modedesigner und Model“. Seit seinem „Überlebenskampf“ kann er sich über einen eigenen Wikipedia-Eintrag freuen.

In diesem Jahr schießen die Einschaltquoten von „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ wieder durch die Decke. Am Dienstag meldete der Sender einen Marktanteil von 40,5 Prozent. Wie kann das sein? Glaubt man den meisten Deutschen, schauen sie „auf keinen Fall diese Sendung“. Anscheinend ist die Neugier des ein oder anderen wohl doch größer als der gute Vorsatz. Verständlich, denn in diesem Jahr ist es laut Sender „das härteste Dschungelcamp aller Zeiten“.

OTon Wir sind junge Mitarbeiter des Medienhauses „Der neue Tag“. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
RTL hat sich einiges einfallen lassen, um die „Stars“ an ihre (Ekel-) Grenzen zu bringen: Insekten-Helme, ein Labor des Schreckens und natürlich ein Ekel-Dinner, bei dem sich die Teilnehmer „Köstlichkeiten“ wie Sandwurm, Kuheuter und püriertes Schafshirn schmecken lassen durften. Und wie jedes Jahr haben es die Anrufer auf einen Promineten abgesehen – Helena Fürst alias „Heulena“. Zum sechsten Mal in Folge muss die Sozialpädagogin in die Prüfung, um Essen für ihre Mitstreiter zu erspielen. Wirklich Mitleid kommt bei den Zuschauern wohl nicht auf. Worin die Faszination an dem Format liegt? Vermutlich ein Hauch Schadenfreude und die Neugier, hinter die Fassaden der hübschen „Fernseh-Berühmtheiten“ zu blicken.
Innerhalb der zwei Wochen entwickelt mancher schnell eine Art Beziehung zu den „Hauptdarstellern im Dschungel“. Man fiebert mit, man leidet mit – manchmal auch mit einem lachenden Auge.

Auch ich habe insgeheim einen Dschungelkönig-Favoriten: Thorsten Legat. Der etwas wahnsinnige Ex-Fußballprofi spielt sich mit seiner philosophischen Sicht auf die einfachsten Dinge des Lebens in die Herzen der Zuschauer – zumindest in meins. Eigentlich sollte ich das nicht zugeben, denn in Wahrheit gehöre ich doch zu den 90 Prozent der Deutschen, die auf keinen Fall einschalten...höchstens noch ein, zwei Mal.
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