Kolumne: OTon
Die Qual der Urlaubs-Wahl

Symbolbild: dpa

Urlaub ist bekanntlich die schönste Zeit des Jahres. Doch bevor ich mich in die Auszeit in der Ferne verabschieden kann, stehe ich jedes Jahr wieder vor scheinbar unlösbaren Fragen.

Frühbucher oder Last Minute? Wie finde ich den günstigsten Flug – oder soll ich doch mein kleines Auto startklar machen, bis obenhin vollpacken und losfahren? Natürlich in der Hoffnung, nicht auf halber Strecke liegenzubleiben. Es hat mittlerweile schon elf Jahre auf den Buckel und immer wieder machen sich spontan die Bremsen bemerkbar. Und vor allem: Wo soll es eigentlich hingehen?

Entspannung, die perfekte Reise, der Ausgleich zum Alltag – das sieht für jeden anders aus: Auf den höchsten Berg in den Alpen steigen, auf Entdeckungstour durch Afrika gehen, den Mississippi entlang schippern oder die neuseeländische unberührte Natur genießen. Für mich bedeutet Entspannung Meer, weiße Sandstrände, gutes Essen und Temperaturen, die nicht unter 25 Grad sinken. Damit hätte ich die 206 Länder, die es auf der Welt gibt, schon mal gut um die Hälfte als potenzielles Reiseziel minimiert. Doch was nun? Spanien, Italien, Griechenland oder doch etwas Ausgefalleneres?

Flugangst im Gepäck


Auch Online-Portale haben sich mit dieser Frage beschäftigt und ein „wasserdichtes System“ entwickelt: Sternzeichen eingeben, und du erhältst dein perfektes Reiseziel. Für Fische sei das Bosnien, Wassermänner sollen laut der Website am besten in Brasilien entspannen und in meinem Fall – Löwe - wären die Emirate der Geheimtipp. Da ich aber weder esoterisch veranlagt, noch unbedingt in die Emirate fliegen möchte, ist diese Methode definitiv nicht die richtige Lösung für mich.

„Probiers doch mal damit, mit gepackten Koffern zum Flughafen zu fahren und zu schauen, was gerade angeboten wird. Das funktioniert super und wird immer beliebter“, riet mir vergangenes Jahr eine Freundin. Eine schöne Idee, doch auch das ist leider nichts für mich. Warum? Weil zwei entscheidende Faktoren dagegen sprechen. Zum einen die Klamotten-Frage. Was ist, wenn ich mich für 30 Grad in der Sonne ausrüste, am Flugschalter dann aber „Last-Minute-Angebote für Norwegen“ steht? Und in die maximalen 20 Kilogramm Gepäck sowohl für Minus- als auch Plusgrade zu packen ist für mich eine Sache der Unmöglichkeit. Zum anderen ist diese Variante eine schlechte Option für Menschen mit Flugangst – so wie mich.

Böse Blicke nach der Landung


Deshalb versuche ich – soweit es geht – Flugreisen zu meiden. Eine Einstellung, die für mich und auch andere Passagiere die beste Entscheidung ist – spätestens seit meinem letzten Flug: Wien – Nürnberg. Es war Winter, dunkel und ich setzte mich neben eine Freundin im mittleren Teil des Flugzeugs. Zu der Zeit war mir nicht bewusst, dass ich neben dem linken Flügel sitze. Nachdem wir in der Luft waren, schaute ich aus dem Fenster und bemerkte ein rotes Leuchten zwischen den Wolken, das vom Flügel her kam. Mein erster Gedanke: Das Flugzeug brennt. Leider habe ich diesen nicht für mich behalten, sondern in meiner Panik laut geschrieben. Schlagartig drehten sich 10 Reihen vor und hinter mir zum Fenster, auch sie wurden panisch. Ein Mann, der neben mir saß – pensionierter Lehrer – löste die Situation schließlich auf. Es war lediglich das Blinklicht – verzerrt durch die Wolken. Nachdem ich unter bösen Blicken aus der Maschine gestiegen bin, habe ich mir versprochen: Nur noch fliegen, wenn es wirklich nötig ist.

Also versuche ich, mich durch Online-Reiseportale zu schlagen, von denen jedes „das beste Angebot“ anpreist. Doch auch das ist nicht so leicht, wie man meinen könnte. Eine riesige Auswahl, eine Zeiteinstellung, die immer wieder auf das falsche Datum springt und Hotelbewertungen, die sich komplett widersprechen. Nachdem ich – wie jedes Jahr – nahe an der Verzweiflung bin, entscheide ich mich, mein Reisebüro des Vertrauens aufzusuchen. Denn nach dem Kampf durch Optionen und Angebote habe ich meinen Urlaub nun dringender nötig als zuvor.

OTon Wir sind junge Mitarbeiter des Medienhauses „Der neue Tag“. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
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