Kolumne: OTon
Einmal Mitleids-Schnitzel, bitte!

Symbolbild: dpa

Einkaufen - eine Notwendigkeit, über die ich mir nie wirklich großartige Gedanken gemacht habe. Bis zu einem Einkauf vor ein paar Wochen. Nach der Arbeit steuerte ich einen Discounter an – mit einem festen Ziel vor Augen: Heute kochst du etwas Gesundes: Hähnchenschnitzel mit frischem Gemüse und Reis.

Ich habe einen Single-Haushalt, also brauche ich keine Unmengen an Fleisch. Kleine Portionen - normal heutzutage…dachte ich jedenfalls. Das fand die Verkäuferin hinter der Fleischtheke allerdings nicht, als ich mein „Hähnchenschnitzel, aber das kleinste“ bestellte.

"Ein Schnitzel? Ist das alles?"
"Alles, danke."
"Wirklich? Nur das kleine Schnitzel?"
"Ja, wirklich, nur das kleine Schnitzel."
"Oh ... ich verstehe."

Als sie mir mit einem Blick, der förmlich schrie „Definitiv Singlehaushalt - alleine Kochen - armes Mädchen“ die kleine Tüte in die Hand drückte, erkannte ich ein Problem, das ich bisher noch nie wirklich wahrgenommen hatte: Singles haben es wirklich schwerer, einkaufen zu gehen, als Familien oder Partner-Haushalte. Und damit meine ich nicht nur die bemitleidenswerten Blicke – nein.

Salat für ganze Fußballmannschaft


Auch die Lebensmittel-Mengen sind für einen Alleinstehenden viel zu groß. Ein Kilo Cornflakes, Äpfel im Sechserpack, ein ganzes Bauernbrot, ein Sack Kartoffel und Zwiebel, eine Packung Toastbrot mit 19 Scheiben. Selbst, wenn ich wollte, könnte ich niemals so viel Toast essen, um alles verputzt zu haben, bevor er schlecht wird. Ab und zu habe ich auch Lust auf einen frischen Salat - etwas Kopfsalat, Gurken, Paprika und Karotten. Keine große Sache. Eigentlich. Sind die Zutaten verarbeitet, könnte man mit der Salatmenge eine ganze Fußballmannschaft durchfüttern. Klar könnte ich auch nur den viertel Salat, eine halbe Gurke und ein Stück der Paprika nehmen. Aber wohin mit dem Rest?

Zugegeben, die Industrie hat sich für dieses Problem etwas einfallen lassen - zwei abgepackte Toilettenpapier-Rollen anstatt der üblichen acht und "Suppen für Singles", abgefüllt in kleinen Dosen. Auch nicht wirklich das Wahre, oder? Ich stelle mir nur ungern vor, wie ich abends an meinem Herd stehe und mir eine 200 Milliliter Dose "Gulaschsuppe" aufmache, von der aus mir das Wort "Single" entgegenspringt.

Auch im Internet findet man Lösungsansätze unter dem Stichwort "Rezepte für einen". Eine schöne Idee, leckere Vorschläge und ansprechende Bilder. Doch auch das ändert nichts an dem eigentlichen Problem. Denn auch, wenn ich dafür nur eine halbe Zwiebel und eine viertel Tasse Reis brauche, liegt der Rest in meinem Kühlschrank. Und tagelang das Gleiche essen ist dann auch nicht die Option, die wirklich glücklich macht. Am Ende habe ich dann doch noch eine Lösung gefunden, die für mich funktioniert. So oft es geht koche ich für meine Freunde. Denn letztendlich macht es doch Spaß, nach Herzenslust einkaufen zu gehen, wenn man weiß, dass einem so ein schöner Abend bevor steht.


OTon Wir sind junge Mitarbeiter des Medienhauses „Der neue Tag“. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
3 Kommentare
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Benedikt Wolf aus Amberg in der Oberpfalz | 24.06.2016 | 22:39  
6
Christian Schell aus Neustadt an der Waldnaab | 27.06.2016 | 13:16  
8
Tho mas aus Weiden in der Oberpfalz | 30.06.2016 | 11:41  
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