Kolumne: OTon
Hochzeit oder wilde Party?

Symbolbild: dpa
Da ist es also, das neue Jahr. Bleiben wieder gut 360 Tage, um die Frage „Was mache ich an Silvester?“ zu beantworten. Alle Jahre wieder lassen mich die zahlreichen Glitzer-Glamour-Party-Fotos die zum Jahreswechsel in der Facebook-Timeline auftauchen überlegen, ob ich nächstes Silvester nicht auch etwas ganz besonderes machen will. Freunde planen schon im Juli Ort, Zeit und Ablauf der Party. Aber muss das wirklich sein? Ist es mit den richtigen Leuten nicht egal, wo das neue Jahr beginnt? Können nicht auch im WG-Wohnzimmer unvergessliche Erlebnisse passieren? Kann nicht auch aus einer Spontanidee ein erinnernswerter Jahresstart werden?

OTon Wir sind junge Mitarbeiter des Medienhauses „Der neue Tag“. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
Besonders klug haben es Bekannte von einer Freundin gemacht: „Anna, mit der ich sonst immer feiere, ist heuer auf einer Hochzeit“, erzählte sie. Das Hochzeitspaar – und es ist übrigens nicht das Einzige, wie mir meine Facebook-Wall verrät – hat damit das „Was-mache-ich-Silvester“-Problem geschickt und bis in alle Ewigkeit gelöst. Ergibt sich keine große Party, feiern sie eben zu zweit ihren Hochzeitstag. Damit müssen sie auch keine Angst haben, in die „Langweiliges-Pärchen-Silvester“-Schublade gesteckt zu werden. Ein weiterer Pluspunkt: Den Tag einmal vergessen und unvorbereitet nachhause kommen – quasi unmöglich! Nicht zu vernachlässigen ist außerdem das gigantische Feuerwerk, das die gesamte Umgebung pünktlich um Mitternacht für die Frischvermählten zündet.

Eine Hochzeit am 31. Dezember scheint also ein geschickter Schachzug zu sein – zumindest auf den ersten Blick. Denn, wer an Silvester heiratet, wird diesen Tag nie für sich haben. In trauter Zweisamkeit romantisch Essengehen? Fehlanzeige – kaum ein Restaurant wird nicht bis auf den letzten Platz besetzt sein. Ein schöner Abendspaziergang? Höchstens mit eingebautem Hindernisparcours, bedingt durch zu früh gezündete Böller. Wegfahren? Alles überteuert und ausgebucht. Und: Zwingt der Hochzeitstag am 31. Dezember nicht regelrecht dazu, etwas Besonderes zu unternehmen? Fällt die Option einer ausgelassenen Party bis in die frühen Morgenstunden dann vielleicht sogar automatisch raus? Ist es nicht irgendwie das Schöne an Silvester, dass alles möglich ist, aber nichts muss?

Wir haben übrigens in eben jenem WG-Wohnzimmer gefeiert – also Silvester, keine Hochzeit! Ganz gemütlich, ohne viel Chichi. Ein Abend den keiner von uns so schnell vergessen wird – ganz ohne Glitzer oder Glamour. Nur mit einem kleinen Stückchen Blei, das eine baldige Hochzeit im Freundeskreis andeuten könnte …
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