Kolumne: OTon
Lieblingsort

Die Bank unter dem Apfelbaum in Omas Garten, eine Lichtung am Flussufer oder die eigene Couch. Wer kennt ihn nicht, diesen einen, ganz speziellen Ort voller Erinnerungen. Ein Ort zum Nachdenken, der alle Sorgen vergessen lässt.

Mich trennen von diesem Platz über 400 Kilometer und vier Stunden Autofahrt. Es zieht mich immer wieder zurück nach Wien. Warum das so ist, weiß ich nicht. Als ich für meinen Master in Österreichs Hauptstadt gezogen bin, hab ich sie gehasst. Sie war mir zu groß, zu anonym, ich kannte niemanden. S.T.S sangen mir aus der Seele: Ich wollte heim, hab mich allein gefühlt und die große Welt war mir egal. Ich wollte wieder heim... in meinem Fall nach Regensburg.

Dabei liegt die Liebe zu Wien eigentlich in der Familie. Meine Großeltern waren regelmäßig da – meine Eltern auch. Meine Schwester hatte überlegt, dort ihren Bachelor zu machen. „Wien wird dich nicht mehr loslassen“, hat mir meine Omi gesagt, als ich umgezogen bin. Sie bekommt heute noch dieses Leuchten in den Augen, wenn sie von ihren Besuchen erzählt. Ich hab‘s ihr damals nicht geglaubt. Mittlerweile weiß ich, dass sie recht hatte.

Alles-wird-gut-Gefühl



OTon Wir sind junge Mitarbeiter des Medienhauses „Der neue Tag“. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
Kaum angekommen, laufe ich von der Uni – meiner Uni – über den Ring am Parlament und der Hofburg vorbei zur Oper, von dort zum Stefansdom, dann in den Manner-Laden. Die Waffeln hab ich schon als Kind geliebt – Omi hatte immer welche daheim. „Das volle Touri-Programm“, lachen mich meine Freunde aus. Aber ich muss das machen. Erst dann bin ich wirklich angekommen. Das „Alles-wird-gut-Gefühl“ breitet sich in mir aus.

Komm ich nach Wien, komm ich nach Hause. Und das nicht nur, weil ich die Hälfte der Möbel in der Wohnung, in der ich übernachte selbst aufgebaut habe. Ich hab in Wien Freunde fürs (hoffentlich!) Leben gefunden. Trotz der Entfernung haben sie immer ein offenes Ohr und einen Platz auf ihrer Couch für mich.

Gemeinsam fahren wir auf den Kahlenberg. Nach einem kurzen Blick auf „mein Wien“ laufen wir durch die Weinberge zu diesem einen Heurigen. Ein paar Bänke mitten im Hang, Hängematten zwischen Obstbäumen und einen Kellner, der schon weiß, was wir bestellen, bevor wir überhaupt sitzen – mehr braucht es nicht. Mit einem Glas Wein in der Hand schauen wir der Sonne beim Untergehen zu. In diesem Moment ist alles andere vergessen und das liegt nicht am Wein, auch wenn der dort zwischen den Weinreben besser schmeckt als an jedem anderen Ort. Alles wird gut!
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