Kolumne: OTon
Mal kurz AusgeTICKt

Schiefe Bilderrahmen sind für mich ein Graus. (Foto: dpa)

Alles hat seinen Platz. Zumindest in meinem Leben. Der kleine Fellhocker im Wohnzimmer steht diagonal zur Couch. Auch das Kissen kommt mir nicht aus. Es muss aufrecht in der Mitte des Sofas sitzen.

Das gleiche Spiel ist es mit den Cremes im Bad, der Zuckerdose in der Küche. Penibel genau achte ich darauf, dass alles Kante an Kante steht. Tut es das nicht, werde ich unruhig. Dann juckt es mich so lange in den Fingern, bis ich aufstehen muss und das Teil an seinen Platz schiebe. An Einschlafen ist sonst kaum zu denken.

Mein "Tick" begleitet mich schon länger. Allerdings variiere ich. Mit 16 Jahren war es halt das Armband, das immer in einer bestimmten Position auf meinem Nachttisch liegen musste, heute sind es eben Kissen und Dosen. Zwischendurch mache ich auch mal Pausen von meinem "Tick". Da sind mir zerknautschte Kissen, oder schiefe Klamottenstapel völlig wurscht. Aber irgendwann holt es mich wieder ein. Kürzlich überkam es mich sogar in der Wohnung einer Freundin. Von der Bettkante aus starrte ich die Bilderrahmen an der Wand an. Alle schief! Grrr. In meinen Fingern begann es sofort zu jucken. Ich versuchte, es zu ignorieren. Ich konnte doch nicht in einer fremden Wohnung ... Doch, ich konnte. Schwupdiwupp hingen die Bilderrahmen in Reih und Glied, und die Schale stand in der Mitte des Tischs. Erleichterung. Ich fühlte mich gleich ein Stück wohler. Meine Freundin hat es vermutlich nicht einmal gemerkt. Falls doch, hat sie bestimmt auch einen "Tick", den "Schief-Tick". In dem Fall müsste sie fast wahnsinnig geworden sein, sobald sie ihre Wohnung betreten hat.

Warum genau ich das mache, weiß ich nicht. Vielleicht versuche ich dadurch, mein Leben in geordneten - im wahrsten Sinne des Wortes - Bahnen zu halten. Gestört hat mich mein "Tick" jedenfalls bislang noch nicht. Das Beste daran ist: Meine Wohnung bleibt dadurch wenigstens fast immer ordentlich. Und hat nicht jeder so eine kleine Marotte? ;)

OTon Wir sind junge Mitarbeiter des Medienhauses „Der neue Tag“. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
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