Kolumne: OTon
Shopaholic

Sobald ich Prozent-Zeichen sehe, beginnen meine Augen zu glitzern und ich kann mich nicht mehr halten. Ich mutiere zum Shopaholic. Bild: dpa (Foto: dpa)

Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Ein Shopaholic ist allzeit bereit. Der jeweilige Wetterumschwung ist Anlass genug, einen prüfenden Blick in den Schrank zu werfen. Und ich stelle fest: Ich habe nichts anzuziehen. Von Ausreden, Rechtfertigungen und der Modeliebe.

Pünktlich zum Herbstanfang flattern Prospekte und Kataloge ins Haus. "Oh, wie hübsch. Muss ich haben", verliebt sich die potenzielle Käuferin in die Kleidung. Beim Bummel in der Stadt das Gleiche: Neue Kolletionen in den Ladenschaufenstern. Überall Reduziert-Schilder und Rabatt-Coupons zum Einlösen. Wie wahrscheinlich viele andere Frauen, lasse ich mich gerne von der Mode verführen. Meine Schnäppchen-Jäger-Augen beginnen zu glitzern. Generell passiert das nicht nur zum Herbstanfang. Auch zu anderen Jahreszeiten schlägt mein Herz beim Wort "Sale" höher. Dass mein Arbeitsplatz in unmittelbarer Nähe zur Shopping-Meile Max-Reger-Straße liegt, ist meinem Portmonnaie sehr zuwider.

Ich bekomme einfach nicht genug. In der Mittagspause schnell mal in die Stadt gelaufen und schon ist es passiert. Hier eine Tasche, dort eine Kleinigkeit. Oft genug habe ich die Stimme meiner Mutter im Ohr, wenn es um Lustkäufe geht: "Brauchst du das wirklich?" Meine Standard-Antwort: "Ja. Das trägt man jetzt so."

Genetisch bedingt


Dabei war sie es doch, die mich auf diesen Wahnsinn getrimmt hat. Grundsätzlich ruft das Wort "Rabatt" Glücksgefühle in uns aus. Wenn ich rote "Reduziert"-Schilder sehe, auf denen groß das Prozent-Zeichen prangt, bin ich wie ferngesteuert. Für meine Shopping-Begleitung ein Graus. Meine beste Freundin erinnert mich immer gerne an den einen Ausflug nach Regensburg vor Jahren. Mein Schnäppchen-Jäger-Blick führte mich damals in die falsche Abteilung. Angekommen sehe ich nur noch Prozente. Schneller als meine Freundin schauen kann, bin ich, bereits im Shopping-Rausch, ins nächstbeste Geschäft entschwunden. Schnurstracks laufe ich auf den Kleiderständer zu und beginne, die Angebote zu scannen. Meine Freundin: "Was machst du da?" Ich antworte ungeduldig: "Hallo? 70 Prozent? Was fragst du?" Sie: "Was genau gedenkst du in der Männerabteilung für dich zu finden?"

Problematisch wird es weiterhin, wenn man bewusst shoppen geht und etwas sucht. Man findet es sicher nicht. So will es Murphys Gesetz. Nach stundenlanger Suche durch unzählbare Geschäfte stellt sich Enttäuschung ein. In die Kategorie Frustkauf fällt dann alles, was man nicht wirklich braucht, und nur kauft, weil man nichts anderes findet.

An dieser Maßlosigkeit habe ich gearbeitet. Und ich mache auch nicht jeden Trend mit. Wenn ich shoppen gehe, oder mich spontan verleiten lasse, ist durchaus ein Abwägen von "Haben-Müssen" und "Nein" im Spiel. Wie im Film sitzen Engelchen und Teufelchen links und rechts auf meiner Schulter und diskutieren. Manchmal schone ich die Börse. Aber man darf sich doch auch mal was gönnen. Rechtfertigungen für den Kauf sind schnell gefunden: "Ach was, der Pulli zu Hause im Schrank hat nicht die selbe Farbe, und überhaupt ist der Schnitt ganz anders". Und schnell nimmt das Teufelchen überhand: Denke und kaufe in Outfits. Hast du nichts, was zu der neuen Hose passt? Dann kauf dir doch ein T-Shirt dazu. Für den Winter zu kalt? Kein Problem, am Ständer daneben hängt eine passende Jacke. Jetzt nicht dem Kauf-Rausch verfallen.

Liebe zur Mode


So schnell die Kleidung auch im Schrank landen mag, so schnell verlässt sie ihn bestimmt nicht. Der beste Freund des "Haben-Müssens" ist das "Horten und Sammlen". Ich habe Klamotten, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Die werden den Schrank nie verlassen. Wenn ich meinen Schrank öffne, kann ich zu jedem Kleidungsstück eine Geschichte erzählen. An diesen Teilen habe ich meine helle Freude. Da hat sich die Maßlosigkeit ausgezahlt. Und nicht jede Geschichte hat es verdient, im Altkleidersack zu enden. Mit Kleidung drückt man eben aus, wer man ist. Vielleicht zeigt ein Blick ins Sammelsurium an Klamotten, wie facettenreich eine Person ist. Auch wenn Frau von Welt nicht jeden Trend mitmacht: Mode ist schnelllebig und vergänglich, Stil ewig.

OTon Wir sind junge Mitarbeiter des Medienhauses „Der neue Tag“. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
2 Kommentare
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Laura G. aus Amberg in der Oberpfalz | 01.10.2016 | 11:38  
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Lena Schulze aus Weiden in der Oberpfalz | 03.10.2016 | 12:42  
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