Kolumne: OTon
Spionier'n im Männer-Hirn

(Foto: dpa)
Es ist schön, eine Frau zu sein. Manchmal wünsche ich mir aber, nur für einen Tag und natürlich undercover in so einen Männer-Schädel schlüpfen zu können. Oder noch besser: mal selbst für 24 Stunden ein Mann zu sein. Ich bin mir sicher, dadurch wären mir in der Vergangenheit so einige Grübeleien und Nerven erspart geblieben.

Das Männer-Dasein hat für mich Vorteile: kein lästiges Balancieren mit der Wimperntusche am Morgen, kein schmerzhaftes Ausreißen der Beinhaare mit Wachs, keine monatlichen Schmerzen im Unterleib und keine Hormon-Pillen, die den Körper wie Hefeteig aufgehen lassen. Für Männer gibt es in Geschäften auch immer eine riesige Auswahl an T-Shirts, Hemden, Hosen und Schuhen, die gleich beim ersten Reinschlüpfen passen und sogar noch schön sind. Mein kleiner Bruder musste sich früher auch eher weniger von den Eltern anhören, dass er vor Einbruch der Dunkelheit daheim zu sein hat, die große (!) Schwester dagegen schon. Und das Beste kommt zum Schluss: Männer haben uns Frauen. Während SIE an alles denkt, sich vorher informiert, bevor sie losfährt und notfalls Plan B bis Z zurechtgelegt hat, lässt ER sie einfach mal machen und wartet ab, bis sich Dinge von selbst in Luft auflösen. In meinem Kopf überschlagen sich dagegen oft die Gedanken: Was wäre wenn? Warum tut er das? Und überhaupt!? Beim männlichen Geschlecht scheint es eher entspannt im Oberstübchen zuzugehen: Ohne den Männern damit auf den Schlips treten zu wollen. Als Mann könnte ich wahrscheinlich besser entspannen als in jedem Urlaub als Frau.

Manchmal frage ich mich, ob Männer insgeheim auch so viel grübeln wie wir Frauen. Fragen sie sich, warum die Herzallerliebste nicht schreibt, analysieren sie, wälzen Probleme und haben plötzlich Panik, etwas falsch gemacht zu haben? Ich denke nicht, aber sicher bin ich mir auch nicht. So ein Männer-Hirn ist und bleibt für mich eine andere Galaxie.

OTon Wir sind junge Mitarbeiter des Medienhauses „Der neue Tag“. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
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