Kolumne: OTon
Tausche Schnarcher gegen Schnarcher

Bild: juh

Ich habe wirklich Glück mit ihm: Er besetzt nie das Bad, ist ein ruhiger Beifahrer und streitet mit mir nicht um die Fernbedienung – naja, manchmal vielleicht. Und keiner hat so einen treuen Hundeblick wie er. Ja, ich liebe meinen Mops von ganzem Herzen. Das Beste ist, er liebt mich genauso. Als mein Exfreund damals ausgezogen ist, habe ich gedacht, dass die Lücke auf meinem Sofa und in meinem Leben nicht zu füllen sei.


Leere Wohnung, emotionaler Tiefpunkt. Falsch gedacht. Kurze Zeit später zog mein kleiner Mops in meine 60-Quadratmeter-Wohnung ein – damals sechs Wochen alt und noch etwas unsicher auf den kleinen Beinchen. Eine Beziehung, die von Anfang an funktionierte – Liebe auf den ersten Blick sozusagen. Natürlich gab es auch bei uns in den ersten Wochen immer mal wieder kleinere Reibereien – beispielsweise die ewige Diskussion darüber, dass der hellgrüne Teppich unter dem Küchentisch nicht das gleiche ist wie das grüne Gras im Garten, auf dem er sein Geschäft verrichtet.

Aber auch das spielte sich nach den ersten Wochen und einigen Besuchen bei der Hundeschule ein. Seit dem ersten Tag folgt mir Mathilda nun überall hin – sei es in die Küche oder auf den Badvorleger, wenn ich dusche. Zugegeben, anfangs ein komisches Gefühl, hinter dem Duschvorhang jemanden ungeduldig atmen zu hören, bis ich endlich fertig bin. Doch egal, wie es draußen stürmt oder schneit, sie zieht mit mir um die Häuser und serviert mich nicht mit "Ach, ich machs mir lieber auf der Couch gemütlich" ab.

Perfekter Retter bei kalten Füßen


Auch die Aufgabenverteilung funktioniert mit Mathilda einwandfrei: Ich sorge für Essen, dafür hilft sie mir so gut sie kann im Haushalt. Seit sie bei mir lebt, treibt sie mich beispielsweise zu Bestzeiten beim Staubsaugen an. Mein Mops scheut den Staubsauger nämlich noch mehr als mein Exfreund. Nicht aus Angst, ihn selbst in die Hand zu nehmen, sondern davor, von ihm überrollt zu werden. Außerdem ist sie der beste Aufpasser. Sobald auch nur der kleinste Mucks von draußen zu hören ist, fühlt sich der Hund zwei Meter groß und bellt, was das Zeug hält – keine Chance für Einbrecher also.

Aber so sehr ich Mathilda auch liebe, manchmal fehlt dann doch ein Mann im Haus. Wenn in meinem Auto auf einmal mir unbekannte Lichter aufleuchten, schwere Sachen die Treppe hoch müssen, ich an irgendwelchen technischen Schwierigkeiten verzweifle. Oder ich kalte Füße habe. Wobei Mathilda sogar bei Letzterem ihre Sache besser macht als so mancher Mann: Anstatt darüber zu schimpfen oder zu raten, eine Wärmflasche zu machen, legt sie sich einfach drauf und wärmt sie mir. Und ihr Schnarchen ist so männlich, dass ich auch in dieser Hinsicht nichts vermisse.

OTon Wir sind junge Mitarbeiter von Oberpfalz Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
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