Kolumne: OTon
Tückische Verkäufer

Symbolbild

Eigentlich wollte ich ja nur mal kurz gucken. Nach einem Gefrierschrank. In einem Elektronik-Laden, in den ich eh nicht so gerne gehe, weil ich mich danach nur ärgern muss, dass ich dort war. Schon oft habe ich mich gefragt, ob die Verkäufer überhaupt wissen, wovon sie reden. Meistens musste ich hinterher feststellen: Nein, tun sie nicht.

Aber sie verkaufen sich und ihre Ware gut. Das merke ich dann erst zu Hause, wenn beispielsweise der Adapter für das Sat-Kabel doch nicht passt, obwohl mir der Mann hoch und heilig versprochen hat, dass es der richtige ist. Jedes Mal denke ich mir dann: Das war's. Nie wieder gehe ich da rein. Bis, ja, bis ich wieder dringend etwas brauche und nicht eine halbe Weltreise dafür machen will.

OTon Wir sind junge Mitarbeiter des Medienhauses „Der neue Tag“. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
Diesmal lag das Geschäft auf dem Weg und weil das kleine Gefrierfach im Kühlschrank vor lauter Pommes, Frühlingsrollen, Apfelstrudel und Forellen überquoll, entschied ich spontan, dem Laden eine Chance zu geben – mal wieder.

Beim Rundgang geködert


Voller Optimismus stapfte ich an der Kasse vorbei in Richtung Gefrierschränke und Truhen. Nicht einmal fünf Minuten dauerte es, dann hatte ich schon einen Auserwählten: weiß, groß, gutaussehend und geräumig. Das ging ja schnell. Mitnehmen will ich das gute Stück trotzdem noch nicht gleich. Könnte ja sein, dass es im Internet billiger zu finden ist. Ein kurzer Blick aufs Handy sagt: Ich hatte recht. Perfekt, denke ich mir und wie es eben so ist, gucke ich mich gleich noch ein wenig um – wenn man eh schon mal da ist.

Auf dem Weg zur Kasse fällt mir ein Angebot eines bekannten Pay-TV-Anbieters auf: 29,99 Euro pro Monat für Sport, Filme, einfach für alles. Plus ein Hundert-Euro-Gutschein für das Elektronik-Geschäft. Geködert. Mein Abo lief am nächsten Tag aus. Und mit dem Gutschein könnte ich mir den Gefrierschrank gleich kaufen.
Der Verkäufer war nett, pries mir voller Begeisterung das Angebot als eines der Besten derzeit an und öffnete ein Programm auf seinem Computer.

Bitte warten


Auf dem Bildschirm drehte sich das Bitte-Warten-Symbol minutenlang gelangweilt im Kreis. Nach jedem Klick, jeder Eingabe dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis der Computer uns weitermachen ließ. Anschrift, Kontonummer, es fehlte noch einiges. Das bedeutete: warten, warten, warten. Und das, wohl gemerkt, in einem Elektronik-Fachgeschäft.

Schon da beschlich mich ein ungutes Gefühl. Aber dann bot mir der Mann gebrannte Mandeln an – quasi als Proviant – und bald war es endlich geschafft, die Daten alle im Kasten, der Vertrag ausgedruckt.

Nie wieder - ganz sicher


Voller Freude setzte ich den Stift an, um zu unterschreiben. Aber halt. „29,99 Euro im Monat, zwei Jahre Laufzeit, den Gutschein, 60 Euro Aktivierungsgebühr“, las der Verkäufer vor. Aktivierungsgebühr? Noch nie gehört. Auch auf dem Plakat war davon nichts zu lesen, nicht einmal im Kleingedruckten. „Ach, habe ich davon nichts gesagt?“, fragte der Berater scheinheilig? Nein, hatte er nicht.

Ich weigerte mich zu unterschreiben und verließ wütend das Geschäft. Verdutzt glotzte mir der Berater hinterher. Eine ganze Stunde hatte ich dort vergeudet. Nie wieder, habe ich mir geschworen – diesmal aber wirklich. Ganz sicher. ;)
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1 Kommentar
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Uwe Finkbeiner aus Kümmersbruck | 10.02.2016 | 18:08  
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