Kolumne: OTon
Von Wurstsemmlern, Nixessern und den Gscheiden

Die typischen Wurstsemmler findet man beim Neuen Tag bestimmt nicht unter den Volontärinnen.
„Was isst du denn da?“, fragt die Kollegin im Pausenraum und starrt schockiert auf mein Essen. Ein Belugalinsen-Rote-Bete-Eintopf leuchtet mir in wunderschönem Schwarzrot von meinem Teller entgegen. Ich schiele verstohlen auf ihre Mahlzeit: Ein Teigklumpen mit Fleischfetzen, in dem ein jämmerliches Salatblatt erstickt, liebevoll Wurstsemmel genannt.



Kleiner ExkursIn der Abizeitung sagten mir meine Mitschüler als zukünftigen Beruf „Feinschmecker“ voraus. Ich profitierte immer von den Diäten der Mädels, die mir bereitwillig ihre Pausenbrote überließen. Vor Jahren traf ich einen alten Mann in Spanien, der esoterische Namensdeutung betrieb. Die beiden „e“ in meinem Vornamen sah er als Hinweis darauf, dass mir Essen sehr wichtig ist. Als ich ihm von meiner Faszination für Stierkämpfe erzählte, machte meine Neigung zu dem brutalen Sport für ihn erst Sinn, als er erfuhr, dass mein Zweitname Josefine ist. Ein famoser Kerl.
Da unsere Redaktion noch bis zum Spätsommer im Industriegebiet angesiedelt ist, sind unsere Möglichkeiten zur Nahrungsaufnahme begrenzt. Es gibt einen Caterer, der jeden Tag belegte Semmeln und andere „regionale Spezialitäten“ wie Bratwürste, Käseknacker und Hamburger liefert. Und einen Truckerimbiss mit dem gleichen Angebot. Wenn ich mal nichts dabei habe und verrückt sein will, dann schiebe ich mir das auch rein. Aber generell ist mir gutes Essen sehr wichtig. Ich brauche was Nahrhaftes, Gescheites, Warmes und vor allem Viel davon.



Viele Kollegen stopfen sich die Fleisch-Teig-Klumpen jeden Tag rein. Neben den Wurstsemmlern gibt es noch die, die mittags gar nix essen. Gar solche, die ich noch nie habe etwas essen sehen. Skeptisch betrachte ich sie mittags über meinen Teller mit Hühnersuppe und Petersilientopping hinweg, wie sie sich den tausendesten Kaffee holen, um sich dann in der Raucherecke komplett zu übersäuern.

Für mich sind das Wesen mit einem rätselhaften Organismus. Unbegreiflich für mich wie sie überleben können. Würde ich mich nur eine Woche so ernähren, würde ich mindestens eine Magenkolik bekommen, da bin ich mir sicher.

Ich bin kein Gesundheitspapst. Nichts hat mir letzthin den Sonntagsdienst besser versüßt als die sauren Zipfel mit viel Zwiebeln. Ich will einfach was Gescheites!



Was essen Sie in der Mittagspause, liebe Leser, irgendwelche Tipps? Sind Sie eher der Wurstsemmler, der Nixesser oder der Gscheide?

Rezepte


Belugalinsen-Rote-Bete-Eintopf:

Drei der roten Knollen schälen und würfeln. Herd bis zum Anschlag aufdrehen, zwei Esslöffel Öl in einen Topf, Rote-Bete-Würfel und eine Tasse Belugalinsen (Schwarze Linsen) dazuschütten und eine Minute anbrutzeln. Standardmäßig Pfeffer und Salz dazugeben und ein weiteres Gewürz, etwa Bockshornkleesamen, Schwarzkümmel, Kreuzkümmel oder normaler Kümmel. Zwei Tassen Wasser dazuschütten, auf Stufe 1 drehen und eine halbe Stunde was anderes machen. Am nächsten Morgen in eine Tupperdose packen und wenn man ganz verrückt sein will beim Aufwärmen noch diverse Wurst oder Käse dazuschnibbeln. Gut für die Sinne, den Körper und die Seele.

Käsesahnenudeln für zwei Portionen:



Zwei oder drei Zwiebeln schälen. In Topf mit etwas Öl glasig werden lassen. Einen Becher Sahne dazuschütten und dann alles, was man an Käse hat, dazuschnibbeln. Kochen lassen bis es sämig ist. Nudeln kochen und alles vermischen. Tipp: Kurkuma dazu, wenn man Lust auf gelb statt auf weiß hat. Und Salat ist natürlich Pflicht dazu.

OTon Wir sind junge Mitarbeiter des Medienhauses „Der neue Tag“. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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