Kolumne OTon
Welches Packerl hätten's denn gern: Raucherfuß oder passiv-rauchendes Baby?

Ein Bild, das man so in Deutschland nicht mehr sehen wird. Tabak ohne Horrorbilder. (Foto: dpa)
Originalton (O-Ton) eines Gesprächs, das sich genau so vor kurzem in einer Tankstelle ereignete:

Ich: Die Tanksäule 4, die Kaugummis hier und dann bekomm ich noch den Tabak ganz rechts, bitte.
Verkäuferin: Ja. Da hab ich den mit der Frau, die Blut ins Taschentuch spuckt.
Ich: Ach nee, hätten sie vielleicht auch das passiv-rauchende Baby. Sie wissen schon, das mit der Kippe im Schnuller.
Verkäuferin: Nein leider nicht, aber die trauernden Eltern wären noch da. Und natürlich der Raucherfuß.
Ich: Nein nein, dann nehme ich doch lieber die trauernden Eltern. Dankeschön.

OTon Wir sind junge Mitarbeiter des Medienhauses „Der neue Tag“. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
Ein Gespräch, das makaberer nicht sein könnte. Die Unterhaltung führten wir aber mit lockerleichter Stimme und einem leisen ironischen Lächeln im Gesicht.

Unwirksame Werbung


Als Gelegenheitsraucherin habe ich noch nie daran gedacht aufzuhören. Die Kampagne wirkt auf mich wie jede Werbeaktion: Auch wenn Fahrer einer neuen Automarke orgiastisch die Augen verdrehen oder Badezusatz mir ewiges Glück verheißt, kaufe ich die Produkte nicht. Ich stehe nämlich nicht auf Autos und Badezusätze. Wenn ich jedoch in einem Buch das Wort Schokolade nur lese, bekomme ich unvermittelt Lust drauf.

Wenn sich jemand also jahrelang mit einem schlechten Gewissen die Fluppe in den Mund steckt oder überlegt anzufangen, dann könnten diese Bilder durchaus beeinflussen.

Dennoch bezweifle ich den Erfolg der Aktion. Denn mensch gewöhnt sich irgendwie an alles und eine Freundin entwickelt bereits praktische Klebebildchen für die Zigarettenschachtel mit schönen Blumenmotiven drauf. Oder man macht es wie dieser Typ, der vor kurzem twitterte:

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