Kolumne OTon
Wos is denn dou lous?

Grüß Gott statt Tschüss! (Foto: dpa)

Der Dialekt ist vom Aussterben bedroht? Schade, finde ich! Dou mou ma doch wos dou!

Ich muss da jetzt mal eine Lanze für Dialekte brechen: Angeblich sterben die ja aus. Nicht so bei mir. Ich bin in einem dialektsprechenden Haushalt aufgewachsen - und gschadt hat's mir nix! Deswegen wird folgender O-Ton mal im Oberfpfälzer Dialekt verfasst. Keine Angst, für alle Nicht-Dialekt-Sprecher folgt am Ende die Übersetzung ins Hochdeutsche*.

Also, bei uns daham hom mia alle Dialekt gredt - vo da Oma iebern Baba bis hi zu da kloina Schwesta. Und vastandn humma uns alle - dou leegst di nieda! In da Grundschul hat mei Lehrarin mein Vatta in da Sprechstund gfrougt, ob er mi wohl imma mit ins Wirtshaus gnumma hat. Wal ich anscheinend immer wieda amal den Untarricht mit am original Owapfälza Gstanzl aafgwert ho.

Und iabahapt: Wey hert se denn des a, wenn ma aaf oimal "Soll denn des a Kirwa sa, nird amal an Kouchn. Gebts uns doch a Breckerl, leyts uns doch vasouchn ..." aaf houchdeitsch singa dad? "Soll denn das eine Kirchweih sein, nicht einmal ein Kuchen. Gebt uns doch ein Bröckchen, lasst uns doch versuchen ..." Na, oder!? Iebrigns wore niad oft im Wirtshaus dabei - dey Lieder hom mir halt vo daham her kennt.

Stickl Heimat


A so a Dialekt is doch wos Schäyns. Des is a Stickl Heimat. Mit dem identifiziert ma se. Dou woiß ma, wou ma herkummt. Im Urlaab aaf Teneriffa, in Griechnland oder in da Tierkei wern d'Ohrwaschla gspitzt, wenn ma aaf oimal bekannte Töne hert. Wey ich mit meine Schwestan aaf Mallorca an Aasflug gmacht ho und mir uns im Bus undahaldn hom, hat se doch akkrat a Ehepaar umdraht und uns im breitastn Dialekt aagredt, wou na mir hersan. Und scho wor ma beianand und hom uns ieber unsa Heimat aastauschd.

An da Uni in Rengschburch trifft ma unter anderm dann aaf Obabayern oder Niedabayern. Mit dene kannst zwar redn, wey da da Schnobl gwaxn is - a bissl lachn deyns oba scho ieba die Owapfälza. Waal ja mia des "ou" so drinnahom. Dou dauert's dann nird lang, dann kummt der Witz, wey ma an Owapfälza zum bölln bringt. Hahaha, dasse nird lach. Und derawal braucht se doch koina fier sein Dialekt schamma. Ob da Berlina sagt "Nachtijall, ick hör dir trapsn" oder da Sachse "Ei verbibbsch" oder da Kölner "mit den Kölschen Jecken schunkellt" - ma woiß halt glei, mit wem mas zdouan hat und wou sei Gengieba herkummt.

Mei Lieblingswort im Dialekt is iebrigns "Näydäydern". Oder "Knäy". Oder "Mammalaad". Vom Oba hat's imma wieda amal an "Zwickl" gem, d'Uroma hat vom "Irdta" gredt und wenn ma amal undawegs worn, samma a mal an "Stammba" vorbeigfohrn.

Dialektwörter gesucht


So, meine Dialekt-Freind - wos is denn eier Lieblings-Dialektwort? Oder habts vielleicht a lustige Dialekt-Gschicht parat?
Servus, machtsas guad mitanand!

Das Ganze auf Hochdeutsch


*Übersetzung:
Also, bei uns zu Hause haben wir alle Dialekt gesprochen - von der Großmutter über den Vater bis hin zur kleinen Schwester. Und verstanden haben wir uns alle - da legst du dich nieder! In der Grundschule fragte meine Pädagogin meinen Vater in der Sprechstunde, ob er mich wohl immer mit in eine Gaststube nimmt. Allem Anschein nach habe ich immer wieder einmal die Unterrichtsstunden mit einer original Oberpfälzer Liedform aufgewertet.

Und überhaupt: Wie möge es sich wohl anhören, wenn man plötzlich "Soll denn das eine Kirchweih sein, es gibt ja noch nicht einmal Gebäck. Gebt uns doch ein Stückchen, lasst es uns doch mal probieren ..." in hochdeutscher Sprache von sich geben würde? Nicht wahr, oder? Im übrigen war ich nicht oft in einer Gaststube - diese Liedform kannten wir von zu Hause.

Stückchen Heimat


Ja, so ein Dialekt ist schon was Schönes. Das ist ein Stück Heimat. Damit identifiziert man sich. Da weiß man, wo man herkommt. Im Urlaub auf Teneriffa, in Griechenland oder in der Türkei werden die Ohren gespitzt, wenn einem bekannte Töne zu Gehör kommen. Als ich einmal mit meinen Schwestern auf Mallorca einen Ausflug machte und wir im Bus eine Konversation führten, hat sich doch akkurat ein Ehepaar umgedreht und uns in breitestem Dialekt angesprochen, wo wir denn herkämen. Flugs waren wir zusammen und tauschten uns über unsere Heimat aus.

An der Universität in Regensburg trifft man unter anderem auf Menschen aus Oberbayern oder Niederbayern. Mit diesen kann man zwar reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist - ein bisschen belächeln sie aber die Oberpfälzer schon. Weil wir dieses "ou" drinhaben. Da dauert es nicht lange, schon kommt der Witz, wie man einen Oberpfälzer zum Bellen bringt. Hahaha, dass ich nicht lache. Und dafür braucht sich doch niemand für seinen Dialekt zu schämen. Ob der Bewohner der Hauptstadt Deutschlands sagt "Nachtijall, ick hör dir trapsn" (frei: "Ich ahne, dass da was nicht stimmt") oder der Sachse "Ei verbibbsch" (frei: "na so etwas") oder der Kölner "mit den Kölschen Jecken schunkellt" (frei: "mit den Kölner Karnevalsnarren schunkelt") - man weiß sofort, mit wem man es zu tun hat und wo sein Gegenüber herkommt.

Mein Lieblingswort im Dialekt ist übrigens "Näydäydern" (frei: "Nerventöter" oder "Neuntöter"). Oder "Knäy" ("Knie"). Oder "Mammalaad" ("Marmelade", "Konfitüre"). Von Großvater gab es immer wieder einmal einen "Zwickl" ("Zwei-Mark-Stück"), die Urgroßmutter sprach vom "Irdta" ("Dienstag"), und wenn wir mal unterwegs waren, kamen wir auch mal an "Stammba" ("Steinbach") vorbei.

So, meine lieben Dialekt-Freunde - welches ist euer Lieblings-Dialektwort? Oder habt ihr vielleicht eine lustige Dialekt-Geschichte in petto?

Auf Wiedersehen, macht es gut miteinander!

OTon Wir sind junge Mitarbeiter von Oberpfalz Medien. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
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