Kommentar
ATU: Ein Käufer, der das Werkstatt-Geschäft versteht

"Endlich", möchte man ausrufen. Endlich will bei Auto-Teile-Unger (ATU) mit der französischen Mobivia Groupe ein Käufer einsteigen, der aus der Branche kommt und das Geschäft versteht: Der ATU finanziell nicht ausnimmt, nicht den Kaufpreis als Schulden aufbürdet, der ATU nicht als relativ kurzfristiges Investment betrachtet - und auf den nächsten Verkauf schielt. Es brauchte 14 Jahre mit einem Umsatzrückgang von mehr als 450 Millionen Euro, stark geschrumpften Mitarbeiter-Zahlen, Filial-Schließungen und einer teuren Sanierung.

Die "Heuschrecken" verschlissen dabei neun ATU-Vorstandsvorsitzende (CEO). Sogar die Stadt Weiden kam finanziell in Bredouille, weil einer ihrer bedeutendsten Gewerbesteuer-Zahler seit vielen Jahren ausfällt. Es gab eine Zeit, da befand sich ATU beim Umsatz fast auf Augenhöhe mit der Mobivia Groupe. Gegensätzlicher könnte die Entwicklung nicht sein: Das französische Unternehmen ist seit jeher im Besitz einer angesehenen Familie; ihr Patron gilt als eine Art "Peter Unger von Frankreich"; das Management ist seit Jahrzehnten am Ruder, das Unternehmen mit Stammsitz in Lille hat einen guten Ruf.

ATU wäre in der Oberpfalz nicht das erste Unternehmen, das durch den Einstieg von marktstarken Konzernen profitiert. Dafür gibt es schöne Beispiele. Ein Klotz am Bein von ATU sind jedoch die horrenden Mieten für die Filialen. 2014 fielen dafür 115 Millionen Euro an. Findet sich hier eine Lösung, wären die leidgeprüften ATU-Mitarbeiter jedenfalls die ersten Gewinner von einem Mehr an Solidität und Professionalität.
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