Kommentar
Gutes Bildungs-Zeugnis mit wenigen Ausrutschern

Sonst vergibt das Bildungssystem die Noten. Jetzt wird es selber benotet, und zwar von der OECD. In das in weiten Teilen sehr gute bis zufriedenstellende Zeugnis schleichen sich nur wenige "mangelhaft" und "ausreichend" ein.

Wie ein Leuchtturm, an dem sich viele andere Industrieländer (und solche, die es werden wollen) orientieren, ragt das Berufsbildungssystem heraus. Die Duale Ausbildung - die Aufgabenteilung von Wirtschaft und Staat - entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem Exportschlager. Das Erfolgsmodell bildet die Grundlage für die qualifizierte Berufsausübung und ist damit ein Grundpfeiler der Wirtschaftskraft, und letztendlich des Wohlstands in Deutschland.

Auf der beruflichen Bildung, dem attestierten "reibungslosen Übergang von der Ausbildung zum Beruf", fußt auch die extrem niedrige Jugendarbeitslosigkeit. Dass immer mehr Jugendliche aus EU-Ländern eine Lehre in Deutschland anstreben, ist nicht nur eine Folge des Fachkräftemangels. Der relativ hohe Anteil von knapp sechs Prozent der Schüler ohne Abschluss stellt eine gesellschaftliche Herausforderung dar: Denn in der hochtechnisierten Wirtschaft gibt es nur einen äußerst geringen, überschaubaren Bedarf an Geringqualifizierten.

In diesen Kontext fallen die nach Wertung der OECD nur mäßige Unterrichtsqualität und Lehrerfortbildung. Sie haben indirekt mit der öffentlichen Wertschätzung für diesen Beruf zu tun. Denn die Geringschätzung gipfelte darin, dass vor Jahren ein Spitzenpolitiker die Lehrer pauschal als "faule Säcke" abkanzelte und dafür noch reichlich Beifall erntete.

Gerade im Grundschulbereich ("Was Hänschen nicht lernt") spart die Bildungsrepublik. Und dass die Wirtschaftsleistung stärker gestiegen ist, als die Bildungsausgaben, mutet nicht perspektivisch und schon gar nicht nachhaltig an. Dies ist hoffentlich nur ein Ausrutscher.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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