Komplexe Ausbildung von Polizeihunden
Kommissar Spürnase

Dein Freund und Helfer mit einem seiner wichtigsten Einsatzmittel: Polizisten entwickeln zu "ihren" treuen Begleitern oft ein inniges Verhältnis, das auch über den Polizeidienst hinausreicht. Den Lebensabend verbringen die Vierbeiner dann in Ruhe beim zuständigen Diensthundeführer. Bild: dpa

Die Suche nach einem wochenlang vermissten Flosser hielt die Region in Atem. Entscheidenden Anteil am Auffinden der Leiche hatten speziell ausgebildete Mantrailer-Hunde. Wie funktioniert deren Ausbildung, und wie wird ein Hund eigentlich ein Polizei-Suchhund?

Die Polizei macht keinen Hehl daraus, dass die Hunde die Einsatzkräfte bei der Suche nach dem vermissten Flosser zunächst in die falsche Richtung führten. Wir sprachen deshalb mit der Zentralen Diensthundeschule der bayerischen Polizei in Waldmünchen/Herzogau über die Ausbildung von Polizeihunden sowie die Grenzen der Kooperation zwischen Mensch und Tier.

Wie wird ein Hund ein Polizeisuchhund? Von Geburt an? Nach welchen Kriterien werden "passende" Hunde ausgesucht?

Grundsätzlich werden alle Polizeidiensthunde auch zum Suchen eingesetzt, abhängig vom Aufgabengebiet als Schutzhund mit jeweils einer Spezialisierung oder als sogenannter Personensuchhund, der ausschließlich zum Verfolgen menschlicher Spuren ausgebildet wird. Die Kriterien, nach denen die Hunde ausgesucht werden, und die Art und Weise der Ausbildung sind abhängig von der Verwendung. Hier sind zum einen genetische Komponenten maßgeblich, aber auch in welchem Umfang und wie trainiert wird.

Welche Rassen eignen sich besonders?

Als Polizeihunde eignen sich die sogenannten Gebrauchshunderassen. Dies sind in der Regel die Hüte- und Treibhunderassen, etwa Belgischer, Deutscher und Holländischer Schäferhund, und deren Kreuzungen. Als Personensuchhunde werden überwiegend Jagdhunderassen (Lauf- und Schweißhunde) und deren Kreuzungen eingesetzt.

Wie ist die Ausbildung zum Suchhund strukturiert? Was sind hier die ersten Schritte?

Eine pauschale Antwort ist kaum möglich, weil der Aufbau der Ausbildung wesentlich vom jeweiligen Aufgabengebiet abhängt. Grundsätzlich wird dem Hund zunächst vermittelt, ob er nach Stoffen oder nach Menschen suchen soll. Erst danach wird an der eigentlichen Suche gearbeitet und die Leistungen Schritt für Schritt gesteigert.

Wie werden Suchhunde konditioniert? Wie viele Spezialgebiete gibt es?

Es wird mit klassischer und operanter Konditionierung gearbeitet. Die Diensthunde bei der bayerischen Polizei werden zur Suche von Rauschgift, Sprengstoff, Brandmittel, Banknoten, Leichen und zur Personensuche ausgebildet.

Sind Suchhunde Spezialisten, oder gibt es auch Mischungen? Etwa Drogen- und Leichensuchhund?

Die Diensthunde bei der bayerischen Polizei werden dual ausgebildet. Dies bedeutet, dass alle Diensthunde Schutzhunde sind und zudem für ein Spezialgebiet geschult werden. Ausnahme ist hierbei die Ausbildung zum Personensuchhund. Das sind reine Spezialisten, besitzen somit nicht die Ausbildung zum Schutzhund.

Wie lange dauert eine Ausbildung?

Bis die Ausbildung eines Diensthundes abgeschlossen ist, vergehen etwa 1,5 bis 2 Jahre.

Wird die Fähigkeit dauerhaft trainiert? Lässt die Fähigkeit mit zunehmendem Alter nach?

Auch nachdem die Ausbildung abgeschlossen ist, müssen die Diensthunde regelmäßig trainiert werden, damit sie ihre Fähigkeiten erhalten und mit zunehmender Erfahrung verbessern. Bei Hunden nehmen im Alter die Sinnesleistungen ab. Es ist anzunehmen, dass das auch für den Geruchssinn gilt. Der Hund kompensiert dies durch die Erfahrung, so dass normalerweise keine Auffälligkeiten bestehen. Wenn ein Diensthund das geforderte Leistungsniveau nicht mehr erbringt, wird er ausgemustert.

Gibt es eine Altersgrenze für Suchhunde? Wie geht es mit Suchhunden nach der Zeit bei der Polizei weiter?

Eine Altersgrenze gibt es nicht. Ein Ausscheiden hängt von der körperlichen Leistungsfähigkeit ab. Die Diensthunde gehen als sogenannte Pensionshunde in das Eigentum des Diensthundeführers über und verbringen dort ihren Lebensabend.

Gibt es Fälle, in denen die Ausbildung scheiterte?

Diese Fälle gibt es, allerdings relativ selten. Da es sich um Lebewesen handelt, können immer wieder unvorhergesehene Entwicklungen auftreten. Dabei kann es sich um Krankheiten handeln oder erst in der Ausbildung erkannte mangelnde Veranlagung hinsichtlich der Leistungsfähigkeit. Durch eine möglichst sorgfältige Auswahl und Überprüfung vor dem Ankauf soll dieses Risiko minimiert werden. Zudem wird mit den Verkäufern eine Probezeit vereinbart.

Wo sind die Grenzen von Suchhunden für die Polizeiarbeit? Inwieweit beeinflussen umweltliche oder wetterbedingte Einflüsse den Spürsinn?

Wie jedem Lebewesen sind auch Tieren Grenzen gesetzt. Diese hängen in erster Linie vom jeweiligen Aufgabengebiet ab. Umwelteinflüsse spielen grundsätzlich eine Rolle. In der Ausbildung lernt der Hund, sich von äußeren Einflüssen nicht ablenken zu lassen und trotzdem seine Aufgabe zu erfüllen. Große Hitze bereitet Hunden grundsätzlich Probleme, weil sie nicht schwitzen und sich nur über Hecheln abkühlen können. Dazu ist intensive Sucharbeit körperlich sehr anstrengend und führt zum Anstieg der Körpertemperatur. Wiederum vom jeweiligen Aufgabengebiet abhängig, können trockene Hitze sowie trockene Kälte die Geruchsentwicklung hemmen.

Gibt es konkrete Fälle, in denen ein Suchhund besonders zur Aufklärung beitrug bzw. überfordert war und die Ermittlungen scheiterten?

Diensthunde sind eines von vielen "Einsatzmitteln" der Polizei und damit immer auch nur ein Hilfsmittel für die Beamten. Sollten sich keine unmittelbaren Ergebnisse durch eine Suche ergeben, so können doch vielfach Erkenntnisse gewonnen werden, die zu weiteren Ermittlungen und damit später zum Erfolg führen. Hierfür gibt es eine Vielzahl von Beispielen. Selbstverständlich unterliegt die Leistungsfähigkeit von Lebewesen auch Schwankungen, und die Suche mit Diensthunden kann auch nicht das erhoffte Ergebnis erbringen. Ob es sich dabei aus menschlicher Sicht um eine "Überforderung" des Suchhundes, um eine auch für eine Hundenase nicht lösbare Aufgabenstellung oder um eine fehlerhafte Interpretation der Sucharbeit gehandelt hat, lässt sich oft nicht klären.
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