Kreishandwerker wollen Nachwuchskräfte für sich gewinnen – Viele Vorteile
„Wirtschaftsmacht von nebenan“

Bei den Handwerkern können die Besucher viele praktische Übungen absolvieren. Zudem bieten einige Unternehmen auch attraktive Gewinnspiele an. Bild: hfz
 
Kreishandwerksmeister Joachim Behrend. Bild: hfz

Joachim Behrend ist Handwerker durch und durch. Der neue Kreishandwerksmeister verkörpert geradezu alles, was man in diesem Bereich erreichen kann und ist mit seinem Betrieb auch ein Hoffnungsträger für Nachwuchskräfte.

Behrend, seit einem Jahr in Amt und Würden, hat sich zum obersten Ziel gesetzt,
vehement für die Attraktivität seines Berufsstandes zu werben. „Wir wollen das Handwerk in den Fokus rücken und zeigen, dass es sich lohnt, hier eine Ausbildung zu machen.“ Er selbst sei bestes Beispiel dafür, dass man sich stetig und mit Erfolg weiterentwickeln könne.

Der gelernte Elektroinstallateur arbeitete jahrelang in der Industrie, wollte dann
aber unabhängig sein. Behrend erwarb den Meisterbrief und übernahm vor 18 Jahren den Betrieb seines Vaters in Kohlberg. „Das war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe“, betont der 52-Jährige.

„Ich bin mein eigener Herr und kann meine eigenen Entscheidungen treffen.“

Sein Ein-Mann-Betrieb biete aber auch die Chance für engagierten Nachwuchs. In gut zehn Jahren werde er sich allmählich nach einem geeigneten Nachfolger umsehen, den es in der eigenen Familie nicht gebe. Das sei dann die Gelegenheit für eine junge Kraft, diese entstehende Lücke zu füllen.

Genauso wie in seinem Fall stelle sich die Situation in vielen anderen Unternehmen dar, in denen in den kommenden Jahren ein Führungswechsel ansteht. Diese personelle Situation in den Firmen in der Region sei aber nur ein Beispiel dafür, dass es sich lohnt, auf die Karte „Handwerk“ zu setzen.

Bei ihrem Werbefeldzug wollen Joachim Behrend und auch Christa Neubauer-Kreutzer, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Nordoberpfalz, auf all die Vorteile einer beruflichen Ausbildung in diesem Bereich hinweisen. Derer gebe es mehr als genug, sind sich die beiden einig.

Eine wichtige Personengruppe, die vom vielzitierten „goldenen Boden“ des
Handwerks überzeugt werden soll, sind die Eltern der potenziellen Azubis. „Ihre
Blickweise muss sich ändern“, fordert Behrend. Die vergangenen Jahre sei stets propagiert worden, dass der eigene Nachwuchs studieren müsse. „Dabei gibt es auch im Handwerk Aufstiegschancen – und diese Richtung ist mit Sicherheit keine Sackgasse.“ Außerdem bevorzugten viele Unternehmen Bewerer mit Praxiserfahrung.

Für Christa Neubauer-Kreutzer ist überdies wichtig, dass die Lehrlinge später ihren Berufen erhalten bleiben und diese „nach außen tragen“. „Ein ehemaliger Auszubildender hat zu mir einmal gesagt: ,Der Gesellenbrief war für mich das Tor zur Welt’.“ Handwerkern stünden tatsächlich alle Möglichkeiten offen: „Sie können in die Welt hinausgehen, viele wertvolle Erfahrungen sammeln und dann wieder in ihre Heimat zurückkehren.“ Das sei sowohl für die Unternehmen als auch für die Region im Allgemeinen gut.

Die vielen unbesetzten Ausbildungsplätze – gerade im Handwerk – wollen Behrend und Neubauer-Kreutzer aber in erster Linie mit Imagekampagnen wie der Weidener Ausbildungsmesse und Werbung direkt in den Schulen verringern. „Ganz wichtig ist zudem, den Handwerksmeistern intern zu kommunizieren, ihren Berufsstand mit Stolz zu präsentieren“, betont der Chef der Kreishandwerkerschaft.

Auch die Geschäftsführerin des Zusammenschlusses ist sich sicher, dass sich das Klappern, das ja bekanntlich zum Handwerk gehört, auch auszahlt. „Handwerksberufe gibt es seit dem Mittelalter und wird es auch in Zukunft
immer geben. Wir müssen nur in die Gesellschaft reintragen, dass das Handwerk
die Wirtschaftsmacht von nebenan ist.“ (puh)
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