Kulturmanagerin Sissy Thammer spricht am 27. April im Landtag
Frauen müssen von Männern "abkupfern"

Die "rosa Brille" setzt Sissy Thammer nur als Muse für die Kunst auf. Ansonsten steht die Intendantin voll im wirklichen Leben. Sie sagt auch: "Ohne Frauen-Quote geht es nicht." Bild: Wagner

Bayreuth/Weiden. Sie will den Frauen Mut machen und ihnen zeigen, dass Karriere und Familie sehr wohl vereinbar sind: Sissy Thammer (61) spricht unter dem Thema "Starke Frauen für eine bessere Welt ..." auf Einladung von Landtagspräsidentin Barbara Stamm am 27. April im Maximilianeum. Die gebürtige Oberpfälzerin (aus Winklarn) und Intendantin des "Festivals junger Künstler Bayreuth" widmet sich in einem Impulsreferat vor allem den "starken Frauen in der Wirtschaft".

Mit der international engagierten Kulturmanagerin, Musikliebhaberin und Hochschul-Dozentin, die erst Buchhändlerin lernte und später Jura studierte, sprach Clemens Fütterer.

Frau Thammer, wie kamen Sie zu der Ehre, im Maximilianeum zu reden? Was ist Ihr Anliegen?

Thammer: Präsidentin Stamm ist die neue Rolle der Frau sehr wichtig. Sie will, dass hier vom Landtag Anstöße ausgehen. Ich trete übrigens nicht das erste Mal im Maximilianeum auf. Obwohl sich die Rolle der Frau heute anders darstellt und Frauen in der Gesellschaft und im Beruf viel sichtbarer sind, haben sie bei gleicher Qualifikation oft ungleiche Chancen: Weil alte Muster die Veränderungen ausbremsen. Die Gründe dafür liegen auch bei den Frauen selber. Sie stoßen im Beruf auf eine "gläserne Decke", weil sie sich nicht wie die Männer der Netzwerke bedienen - Seilschaften, Sport oder Service-Clubs. Und sie haben nach wie vor den Löwenanteil für Haushalt und Kinder zu tragen. Frauen müssen selber Netzwerke bilden; dies ist mir ein besonderes Anliegen.

Wo sehen Sie die Stärken der "starken Frauen in der Wirtschaft"?

Thammer: Eine gute Bekannte hat vier Kinder und ist gleichzeitig Hochschulprofessorin. Wir müssen jungen Frauen durch unser Vorbild zeigen, wie man das schafft. Starke Frauen in der Wirtschaft sind hoch organisiert und trauen sich was, sie verfügen über mehr Sozialkompetenz, Empathie und emotionale Intelligenz als Männer. Sie sind - auch genetisch bedingt - sozusagen Expertinnen für den Lebensalltag.

Wie sieht Ihr Rat an junge Frauen aus, die eine Karriere anstreben?

Thammer: Ich gebe ungern Ratschläge. Aber es erhöht die Erfolgschancen von Frauen, von den Männern abzukupfern. "Seilschaften" - wie die Bildung von Netzwerken - sehe ich so negativ gar nicht. Frauen müssen sich auch darauf einlassen, dass sie Hilfe durch Mentoring und Coaching erfahren. Und sie müssen sich beruflich breit aufstellen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.