Kurse für Flüchtlinge in der Mehrzweckhalle
Richter unterrichten in Notunterkünften

Hubert Windisch. Bild: Hartl

In Regensburg war es ein Flop (null Besucher), in Hof dafür top. Am Donnerstagnachmittag sind auch in Weiden die landesweiten Kurse zur "Rechtsbildung von Flüchtlingen und Asylbewerbern" angelaufen. Stellvertretender Amtsgerichtsdirektor Hubert Windisch hatte nicht weit: Er referierte in der Notunterkunft Mehrzweckhalle.

Wie war's bei Ihnen? Hatten Sie Zuhörer?

Hubert Windisch: Ich war ein wenig nervös wegen Regensburg. Aber Max Landgraf, Leiter der Halle, hatte das sehr gut organisiert. Wir konnten den Speisesaal nutzen. Bei uns waren in der Spitze bis zu 30 Zuhörer, darunter drei Frauen. Alles Iraner und zwei Pakistani, von denen einer so gut Deutsch konnte, dass er dem anderen übersetzt hat. Ich hatte einen Persisch-Dolmetscher dabei. Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl hat ein paar Grußworte gesprochen.

Welches Thema lag Ihnen persönlich am meisten am Herzen?

Windisch: Insbesondere das Thema Gleichberechtigung. Auch Demokratieverständnis ist ein Punkt, auf den wir sehr eingehen.

Und woran hatten Ihre Zuhörer am meisten Interesse?

Windisch: Gerade der Punkt Gleichberechtigung Mann und Frau. Da hat man schon gemerkt, dass ein gewisses Erstaunen herrscht, wie ausgeprägt das bei uns ist. Dass es viele Frauen bei der Polizei gibt, dass wir am Gericht bei den Neueinstellungen mittlerweile mehr Frauen als Männer haben. Ich hatte Staatsanwältin Claudia Stingl dabei.

Welchen Eindruck haben Sie vom Leben in der Mehrzweckhalle?

Windisch: Auf den ersten Blick ist es schlimm dahinten. Da liegt einer neben dem anderen, es ist überhaupt keine Privatsphäre möglich. Aber ich war zur Vorbereitung der Rechtskurse jetzt schon das fünfte, sechs Mal hinten. Es wurlt da drin, die Kinder sausen herum, das ist schon fast wie in einer großen Familie.

Was geben Sie Ihrem Kollegen Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf mit auf den Weg, der nächste Woche in der Halle die arabischen Bewohner unterrichtet? Das dürften noch ein paar mehr sein.

Windisch: Wir rechnen mit mindestens 50 bis 60 Personen. Ich setze gerade eine E-Mail an die Kollegen auf. Mein Rat: Von vornherein klarmachen, dass wir zu Fragen des Asylverfahrens und ausländerrechtlichen Fragen keine Rechtsauskunft geben können. Das würde sie natürlich am brennendsten interessieren.

Wie ich höre, hatten Sie am Abend ein Erfolgserlebnis ganz anderer Art: Sie haben den jährlichen Justizpreisschafkopf gewonnen. Ein ganz schönes Kontrastprogramm. Was war der Preis?

Windisch: Da gibt es nur für den Verlierer einen Preis, eine Knackwurstkette. Wer die am Ende umhängen hatte, verrate ich nicht.

Weitere RechtskurseDie Rechtskurse bestehen aus einem Grundmodul: "Demokratische Werte und Grundgesetz". Dann dürfen die Teilnehmer zwischen Zusatzmodulen wählen: Zivil-, Straf- oder Familienrecht. Die Gruppe von Richter Windisch wählte Zivilrecht. Kernfrage: Wie viele Lohnzettel muss man vorweisen, um eine Wohnung anmieten zu können? "Das ist für die Leute das A und O", hat Windisch erfahren. "Sie wollen da raus."

Nächste Woche unterrichtet Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf die arabischen Bewohner der Mehrzweckhalle. Es folgen die Richterinnen Brigitta Biebl und Nickl sowie Rechtspfleger Andreas Greiner in der Berufsschule sowie die Staatsanwälte Dr. Christoph Edler und Oliver Schmidt in der Gemeinschaftsunterkunft Kasernenstraße. Die weiteren Rechtskurse übernehmen - freiwillig - die Richter Dennis Herzog, Dr. Alexander Wedlich, Josef Hartwig, die Staatsanwälte Christian Härtl und Claudia Stingl sowie die Rechtspfleger Gerhard Alwang, Lothar Kneidl und Heike Kuchenbecker. (ca)
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