Landkreis-Wehr will Weiden helfen
Es brennt

Bei der ILS Nordoberpfalz in Weiden werden alle Rettungseinsätze koordiniert. Eine "Einsatzkette" und "Alarmierungsgrenzen" geben genau vor, wer wann womit zu alarmieren ist. Bild: Schönberger

Die Weidener Stadtfeuerwehr sieht sich an der Belastungsgrenze angelangt. Die Wehren aus dem Landkreis Neustadt würden gerne unterstützend eingreifen, dürfen das aber nicht. Warum eigentlich?

Weiden/Neustadt. Stadtbrandrat Richard Schieder ist erleichtert, dass die Stadt zwei befristete Stellen im feuerwehrtechnischen Dienst zur Entlastung der hauptamtlichen Mitarbeiter ausgeschrieben hat (wir berichteten). Dennoch sieht er die Möglichkeiten für eine engere interkommunale Zusammenarbeit begrenzt. "Der Alarmierungsplan der Integrierten Leitstelle (ILS) ist klar strukturiert und sieht, je nach Schwere des Einsatzes und benötigtem Material, Hilfe der Stadt im Landkreis und umgekehrt vor."

ILS koordiniert


Für Kreisbrandrat Richard Meier liegt die Problematik auch im Alarmierungsplan der ILS begraben. "Wir würden gerne helfen, wenn wir allerdings nicht alarmiert werden, geht das nicht", sagt er. Besonders im Weidener Osten oder an der A 93 wäre eine Landkreis-Feuerwehr oft schneller am Einsatzort. "Dazu müssten aber die Zonen der Alarmierung geändert werden", meint Meier. Trifft ein Notruf ein, obliegt die Koordination des Rettungseinsatzes der ILS.

Deren Pressesprecher Jürgen Meyer verweist mögliche Sentimentalitäten bei der Alarmierung ins Reich der Fabeln. "Sämtliche Verwaltungsgrenzen wurden aufgehoben. Das Vorherrscher-Denken 'Das ist mein Gebiet' gibt es nicht mehr." Es werde bei jedem Notruf die nächstgelegene Wehr mit dem benötigten und verfügbaren Material alarmiert.

2010 hatte eine Projektgruppe, bestehend aus Vertretern der Landkreise Neustadt und Tirschenreuth, der Stadt Weiden, der Ordnungsämter, des Katastrophenschutzes, Inspektoren und Kreisbrandräte eine sogenannte "Einsatzkette" festgelegt. "Diese besteht aus 758 Schlagworten, von denen der ILS-Disponent nach einem Notruf die entsprechenden eingibt. Daraufhin spuckt ihm das System aus, welche Feuerwehren zu alarmieren sind", erklärt Meyer.

Wir würden gerne helfen, wenn wir allerdings nicht alarmiert werden, geht das nicht.Kreisbrandrat Richard Meier

Gibt der zuständige ILS-Disponent beispielsweise "Brand Pkw", "Brand Kamin", "Ölspur Autobahn" oder "Brand Wald" ein, ist hinter diesen Schlagworten programmiert, wie viel Wasser, welches Werkzeug und welche Fahrzeuge benötigt werden. "Danach sucht das System die nächstgelegene Feuerwehr und wer über das entsprechende Material verfügt", sagt Meyer. Von dieser Kette ausgenommen seien die Weidener Altstadt wegen ihrer verwinkelten Gassen, und besondere Objekte wie Krankenhäuser oder Biogasanlagen. "Da die Weidener Feuerwehr relativ gut ausgestattet ist, kommt es selten zu zusätzlichen Alarmierungen aus dem Landkreis", erläutert Meyer.

Nur eine Drehleiter


Stadtbrandrat Schieder spricht aber eine Schwachstelle der Stadt-Feuerwehr an: "Wir verfügen nur über eine Drehleiter. Für eine Stadt unserer Größenordnung ist das eindeutig zu wenig." Deshalb werde bei größeren Bränden die Feuerwehr aus Neustadt hinzugezogen, die ebenfalls über eine Drehleiter verfügt. "Brennt es dagegen im Landkreis-Süden und es wird eine Drehleiter benötigt, geht die Alarmierung immer an die Stadtfeuerwehr, weil sie näher liegt als die Neustädter Wehr", erklärt Kreisbrandrat Meier. Dazu wurde die Oberpfalz in 1380 "Schnitzel" (Zonen) unterteilt, die festlegt, welche Feuerwehr am nächsten liegt. Einen Sonderfall stellt eine doppelte Alarmierung bei zeitgleichen Notfällen im Stadtgebiet dar. "Dann schließen wir uns zunächst mit den Einsatzkräften kurz, ob sie die Gruppe splitten können oder ob eine neue Alarmierung aus dem Landkreis nötig ist", sagt Meyer.

Dabei gebe es wiederum Unterschiede. Als bei schweren Regenfällen 28 Keller in Weiden gleichzeitig unter Wasser standen, hat die Stadt-Feuerwehr dennoch auf die Unterstützung aus dem Landkreis verzichtet. "In diesem Fall war eine Wartezeit zumutbar, und es ging nicht um Leib und Leben", erläutert Meyer. Die Wehren aus dem Landkreis könnten der Stadt ihre Einsätze zudem in Rechnung stellen.

Rette, wer kann

Angemerkt von Fabian Leeb

Stellen Sie sich vor, es brennt in der Weidener Altstadt. Weil die Stadtfeuerwehr in der Nähe des Schätzlerbads schon gegen ein Feuer ankämpft, dauert es länger, bis eine Landkreis-Feuerwehr nachalarmiert wird. Vielleicht zu lang, da die Kameraden aus Neustadt, Altenstadt, Schirmitz oder Oberwildenau nicht über das nötige Gefährt für die verwinkelten Gassen verfügen.

Zugegeben: Das ist der "worst case", der hoffentlich niemals eintritt. Aber so löblich die ILS-Alarmierungskette ist: Im Zusammenwirken der Stadt Weiden mit dem Landkreis Neustadt gibt es durchaus noch freie Kapazitäten. Über 800 Einsätze schlugen vergangenes Jahr für die Städter zu Buche. Darunter auch Parkplatzwachen, Katzenrettungen und Verkehrsumleitungen. Die Einsatzkräfte klagen, die Belastungsgrenze sei erreicht.

Die Landkreis-Feuerwehren würden gerne entlastend unter die Arme greifen und Einsätze im "Weidener Hoheitsgebiet" übernehmen. Dadurch würden Ressourcen geschont und Kräfte sowie Kapazitäten für den schlimmsten Fall frei. Der Runde Tisch, den Landrat Andreas Meier mit Weidens OB Kurt Seggewiß anregte, könnte die Alarmierungskette und Zuständigkeiten neu justieren. Denn unter dem Strich ist einem Opfer egal, wer es wo gerettet hat - Hauptsache es wurde gerettet.
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